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Frainspitz–Weinberg

48° 58′ N, 16° 26′ O

Branišovice

Nikolsburg

Geschichte:
Erste urkundliche Nennung 1222, seit 1330 Besitz des Brünner Königin-Klo sters. Nach der Reformation evangelisch, im 30jährigen Krieg verwüstet, 1673 sind nur fünf Häuser bewohnt, 1749 schon 32. Weinberg, 1783 gegründet (40 Häu ser), nach Lodenitz, später Wolframitz eingepfarrt, hat Anfang 19. Jh. eige ne Pfarrei. 1807 von Fürst Karl Joseph von Liechtenstein erworben, später vom Grafen Kinsky ererbt. 1824 Errichtung eines Glockenturms. 1831 fordert die Cholera 56 Opfer, der Friedhof, bislang neben der Kirche, wird an den Ortsrand verlegt. Am 12. Oktober 1848 flüchtet Kaiser Ferdinand wegen der Revolution aus Wien nach Olmütz, zwischen 13.30 und 15.30 Uhr nimmt er im Schloß in Frain spitz Aufent halt und wird mit Rebhuhn, Ente und Indianerkrapfen bewir tet, die vorrätig sind, weil eine kreisamtliche Kommission tagen will. Die ver stän digten Pfarrer der Gegend und sechs Bürgermeister werden empfangen, der Kaiser verspricht, alles Versprochene zu halten, insbesondere Befreiung von der Robot gegen Entschä digung. Er zeigt sich dem Volk und wird mit “Vivat!” be grüßt. Angeblich soll ein Attentat geplant gewesen sein, das aufgedeckt wird. 1849 sterben 30 an einem Tag an Cholera. 1892 mit Weinberg zusammengelegt. Im II. Weltkrieg fallen 29 Mann, 16 bleiben vermißt.
Auf dem Friedhof werden 27 deutsche Soldaten begraben, die zwischen 23. 4. und 3. 5. 1945 bei Weißstätten gefallen sind. Am 6. Mai 1945 Artillerie- und Tieffliegerbeschuß, die Bewohner suchen Schutz in Kellern und Unterständen in den Hausäckern. Ein Bombenangriff setzt die Kirche und 15 Häuser in Brand. 1946 werden 702 Personen ausgewiesen, drei Transporte gehen nach Donauwörth (zweite Märzhälfte), nach Nördlingen (im Mai) und nach Schwäbisch Hall (im September).

Bezirk Nikolsburg, Gericht Pohrlitz 1061 ha 161m ü.d.M. m

Bis 1880 wird Kamille massenhaft geerntet, in Wien und Budapest als “Frain spitzer Kamille” angeboten.

Flurnamen:
Altes Weingebiet, Äußeres Feld, Bolkowitz, Dornfelder Breite, Heid wein gärten, Frainspitzer und Weinberger Breite und Schmale Haden, Frainspitzer und Wein berger Hausäcker, Gemeindemetzen, Großes Feld, Hadachtelnoder Had wein gärten, Hadbreiten, Hochberge, Kuhweide, Kurze Ried, Mitterfeld (Stahlöfen), Mühläcker, Neuriß, Streitäcker, Wasserlaufried, Teichfeld, Wiesen, Ziegelofen und Baumstückel, Wolfsgersten, Harfa; beim Gutshof Gf. Kinsky (210 ha): Mühläckerbreite, Wirtshausbreite, Wostitzer Breite, Wickenbreiten, Wolfsger stenbreite, Nußalleebreite, Rohrteichbreite, Bolkowitzbreiten, Ziegel ofen breite

Straßen (keine Benennungen im Ort): Kaiserstraße, Babitzer Straße (1880), Wostitzer Straße

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche St. Laurentius, seit 1329, romanischer Kern, größere Hälfte des Kirchenschiffs von 1673, Umbau 1800, Kapelle mit hl. Grab 1911 dazugebaut.
Hl. Johannes-Statue am Ortsausgang nach Schömitz
Marterl 1710 im Grenzgebiet Ried Hochberg-Altes Weingebiet-Kurze Ried
Schloß, ehemaliges, des Grafen Kinsky
Schule seit 1783, unterhalten vom Königin-Elisabeth-Kloster in Altbrünn der Barmherzigen Schwestern und der Gemeinde, 1805/6 Neubau einklassig, 1880 abgetragen, Neubau zweiklassig, 1908 Erweiterung, 1927 wieder zweiklassig, da ab 5. Schuljahr Besuch der Bürgerschule Wostitz.
Deutscher Kindergarten 1928 im Raum der 3. Klasse der Schule
Kriegerdenkmal 1932
Postamt 1873, Telegraph, Telefon
Busverbindung nach Znaim – Brünn zweimal täglich, ab 1938 nach Wien zweimal täglich (1 Schnellbus)

Gewerbe
3 Gasthäuser 4 Kaufläden Fleischhauer 2 Bäcker
4 Schreiner 3 Wagner 3 Schmiede 3 Maurer
Schlosser/Maschinenhändler 4 Schneider Schneiderin
2 Schuhmacher 2 Friseure Versicherungsvertreter

Vereine, Genossenschaften:
Freiwillige Feuerwehr 1889 (Motorpumpe 1942)
Verein christlicher Mädchen 1915
Turnverein 1920
Landwirtschaftlicher Ortsverein 1920
Raiffeisenkassa1 1893
Milchgenossenschaft 1911
Elektrizitätsgenossenschaft 1924
Jagdgenossenschaft