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Feldsberg

48° 45′ N, 16° 45′ O

Valtice

Nikolsburg

Geschichte
Erste urkundliche Nennung 1192 als Grenzfestung, Johann von Liechtenstein erwirbt zwischen 1388 und 1391 sämtliche Feldsberger Besitzanteile, bis 1848 ist Feldsberg Liechtensteinisches Eigengut. Im Urbar von 1414 wird der Ort einge hend beschrieben: Altstadt und Neustadt (später Samstagstadt). 1426 von Hussi ten ausgeplündert und niedergebrannt, 1458 von den Scharen Georgs von Podie brad, 1480 von denen des Mathias Corvinus von Ungarn. Mitte des 16. Jh. evan gelisch, 1599 wendet sich Carl wieder dem kath. Glauben zu, holt 1605 die Barm herzigen Brüder, 1645 wird F. von den Schweden erobert. Einfälle der Ungarn fol gen 1663, 1683 und 1702-06. Pestepidemien wüten 1679/80 und 1713/14. Einer Feuersbrunst von 1763 fallen 80 Häuser und das Rathaus, 1801 abermals 87 Häuser zum Opfer. Stadttore und Türme werden 1841 abgetragen, die Mauern auf halbe Höhe. Seit 1850 bestehen Bezirksgericht und Steueramt. Die Eisen bahnlinie Lundenburg – Znaim wird 1872 eröffnet. Nach dem Ersten Weltkrieg wird Feldsberg 1919 von Österreich abgetrennt und der ?SR zuge schlagen, am 30. Juli 1920 veranstalten die Bürgermeister der Bezirke Felds berg und Poysdorf im Rathaus eine Abschiedsfeier, am 31. Juli erfolgt die Beset zung durch tsche chische Truppen. Von da an erhöht sich der tschechische Anteil der Bevöl kerung bis auf 25%. Man nennt F. gern “Pensionopolis”, da sich hier gerne Pen sionisten von nah und fern niederlassen. Am 6. Oktober 1938 marschiert die Wehrmacht ein. Bevor die Rotarmisten am 21. April ein drin gen, haben 30 bis 50 Prozent der rund 3000 Deutschen den Ort verlassen, sie können in Österreich dank frühe rer Zugehörigkeit leichter die Einbürgerung erreichen. Zwischen März und Juni 1946 werden die Daheim gebliebenen ver trieben, die meisten finden in Baden-Würt temberg (Raum Stutt gart, Ulm, Hei del berg) und in Bayern (Raum Augs burg, München) Aufnahme.

Brauchtum, Geselligkeit
Früh am Ostermontag reiten die Burschen (zuerst vom Christlichen Burschen verein, später vom Turnverein) zum Osterreiten zur Kirche, werden vor der Früh messe gesegnet, der vorderste erhält ein Kreuz, dann reiten sie in alle Richtungen hinaus in die Felder, um reiche Ernte zu erbitten, zum Hochamt sind sie wieder zurück, die Besitzer der Pferde nehmen ihnen diese ab, und die Burschen gehen in die Kirche.
Eine Woche vor dem Kirtag am 15. August darf der Mann von der Frau keine Feld arbeit mehr verlangen, am Samstag werden die gestopften Gänse und die Hühner geschlachtet, Kolatschen gebacken. Am Sonntag und Montag ist Kirtag, am nächsten Sonntag Nachkirtag.
Beim “Wazauslösen” im Herbst suchen die Burschen rote Kolben, denn die berechtigen zu einem Busserl gegenüber der rechten Nachbarin. Nachher gibt es Hausbrot mit Käse oder Schmalzbrot, Zwetschgen und Weintrauben, auch saure Gurken. Zuletzt werden aus den Blättern “Wazpupperln” gemacht, die man an Haustürklinken hängt.
Zur Weinlese – “Auf Golli (St. Gallus, 16. Okt.) les’ ma olli” – helfen gute Bekannte, jeder bekommt einen Kübel mit   “Auslegeweinbeer”, danach folgt die Arbeit im Preßhaus: “Der Kelter rinnt, der Herbst beginnt”.
Kurz vor Weihnachten folgt der Sautod, da gibt es auch den Dudelsack: mit Faschiertem gefüllter Magen, gebraten.
Beim Federnschleißen gibt es zum Abschluß den “Federhahn”, ein saftiges “G’nackbratl” mit Kipflersalat, Nußstrudel, Kipfeln, Wein, Tee mit Rum und Bäckerei. Dazu lustige Spiele und Tanzerei.
Zu Silvester veranstaltet der Turnerbund im Deutschen Haus die Julfeier mit Turnübungen, Gesang, Theater und Tanz, um Mitternacht verwandelt sich auf der Bühne eine alte Frau mit einem Holzbinkerl in ein junges Mädel in weißem Kleid, ein Glas Sekt in der Hand, und wünscht “Prosit Neujahr!” Im Fasching folgen Kellerpartien mit gegenseitigem Besuch.
Am Gründonnerstag sagt man zu den Kindern: “Schaut’s nur fest zum Himmel, um neun Uhr fliegen die Glocken nach Rom.” Am Karfreitag kommen die Gläubigen zum Beten in den Raum mit dem Heiligen Grab, der den ganzen Tag geöffnet bleibt, die Ministranten halten Wache. Am Karsamstag kommen die Glocken wieder, beim Missionskreuz darf man sich etwas geweihte Asche nach Hause nehmen. In der Klosterkirche ist die Auferstehungsfeier schon um vier Uhr, die Prozession geht um das Kloster herum, an allen vier Ecken wird unter Trom mel wirbel der Segen erteilt. Für die Auferstehung in der Pfarrkirche um halb sechs versammeln sich die Vereine auf dem Marktplatz, voran die Stadtkapelle, mit der Geistlichkeit, den Barmherzigen Brüdern, Ministranten, Lichter- und Himmelträgern ziehen die Gläubigen zum Heiligen Grab, anschließend um den Stadtplatz, zuletzt empfangen alle in der Kirche abermals den Segen.
Der Deutsche Kulturverband hält bis 1938 mit anderen Vereinen ein Sommer fest im Raistenwald, zu dem ein Festzug mit Stadtkapelle hinauszieht. Gesang, Tanz und Turnvorführungen ergeben ein reichhaltiges Programm, den Reinerlös erhält das deutsche Schulwesen.

Stadtgemeinde. Kreis Nikolsburg, Gericht Nikolsburg
3802 ha (bis 1924 3415 ha) 195 m ü.d.M.

Flurnamen:
Steinlehn, Schwemmfelder, Filzeln, Straußen, Bigeln, Kogeln, Dettenheng-sten, Winterleiten, Schrattenbergeln, Krutern, Hinterthalern, Rein, Hochfelder, Holz weg, Allachfeld, Königsbrunner Felder, Geldschinken, Stadtlehn, Stat-tern, Stiftswiesen, Mahrgarteln, Pottenberge, Martinsberge, Furmannen, Vier-teln, Zulis sen, Neubruch, Breitenäcker, Satzen, Reisten, Hundertpfunder, Roß schwem me, Zeisels berge, Taubenspirgeln, Fasangarten, Goldbergl, Schlüs sel äcker
Schwefelquellen, z. B. im Belvedere und bei der Hubertuskapelle
3 Liechtensteinische Gutshöfe: Meierhof, Theimhof, Neuhof (Pferde- und Rinderzucht); Forstwirtschaft im Theimwald, Teichwirtschaft für Steindamm, Bischofswarther Teich, Mitter- und Mühlteich

Straßen, Plätze:
Berggasse, Dreibrüdergasse, Erfurter Straße, Eisgruber Straße, Feldbrun nen gasse, Fiakergasse, Große u. Kleine Feldgasse, Hausnergasse, Josefstadt, Klein seitengasse, Kolonie, Lundenburger Straße, Nikolsburger Straße, Lach gasse, Reinthalerstraße, Rampersdorfer Allee, Reistenstraße, Rosenfeld, Stadt platz, Schloß gasse, Stadtgraben, Schießstätte, Samstagstadt, Villenviertel, Wie ner Straße, Webergasse, Zimmerplatz

Baudenkmäler, öffentliche Einrichtungen
Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt, urkundlich 1259, im 16. Jh. vorüber gehend lutherisch, 1631-1671 unter Carl Eusebius neu errichtet durch Johann Baptist Carlone, danach Johann Jakob Tencala und Andreas Erna aus Brünn, Sakristei 1654, Turmkuppeln aus dem Jahr 1910, renoviert unter Johann II. 1840-1929). Hochaltarbild: Mariae Himmelfahrt, Kopie nach P. P. Rubens. Bild der hl. Drei faltigkeit wird Rubens zugeschrieben. Von den vier Glocken werden zwei aus dem Jahr 1877 mit 393 und 210 kg Opfer des Ersten Weltkrieges, es bleiben nur die Große Glocke (740 kg, von 1464) und das “Zügenglöcklein” (1667). Im Jahr 1925 werden drei neue Glocken angeschafft, 358 kg, den Gefallenen gewidmet, 233 kg und 163 kg, beide Maria gewidmet. 1940 werden sie, nachdem sie alle zusammen noch einmal geläutet haben, vom Turm gewor fen, die Trümmer weggefahren.
Kloster der Barmherzigen Brüder, 1605 von Carl von Liechtenstein berufen, frü heste Niederlassung des römischen Ordens nördlich der Alpen; Kreuz gang hof inmitten des zweigeschossigen Krankenhauses; inneres Tor 1605, äuße res 1671; mit Kirche St. Augustinus (Altarbild), 1668-71, Türme 1883; Kran ken haus anbau 1892, vergrößert 1932 (260 Betten), betreut von Barm herzigen Brü dern und Hedwigschwestern, mit eigener Landwirtschaft und Wein gärten, größ tes im Kreis Nikolsburg.
Frauenspital, Liechtensteinsches Jubiläumskrankenhaus, als Frauenspital 1908 ein geweiht mit 33 Betten, 1911 erweitert, zuletzt 86 Betten. Isolierpavillon für Infek tionskrankheiten, betreut von Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz und Paul.
Franziskanerkloster (davor ab 1286 Minoritenkloster, das den Hussiten zum Op fer fiel), 1487 von Johann von Capistran gegründet, in der Reformationszeit erlo schen, 1692 wiederbelebt, 1803 aufgehoben, abgerissen, übrig bleiben “Kel ler schlößl”, 1700, und Tor.
Mariensäule (1680)
Kreuzigungsgruppe 1760
St. Anna-Kapelle an der Rampersdorfer Allee
Josefskapelle am Zimmerplatz
Rotes Kreuz hinter dem Kreuskeller
Hl. Johannes von Nepomuk gegenüber Gasthof Adler und Ackerbauschule
Bildstöcke an der Eisgruber Allee, in der Reinthalerstraße
2 Marterl in der Reinthalerstraße, 1 am Fasanengarten, 3 am Promenadenweg,
Schloß, seit 14. Jh. Besitz der Liechtenstein; über Renaissancebau (16. Jh.) Um bau unter Carl Eusebius anfang des 17. Jh. durch Johann Baptist Carlone, Hans und Andreas Erna aus Brünn sowie Stukkateur Giovanni Tencala. Unter Fürst Hans Adam Andreas erhält das Schloß nach 1712 durch Johann Anton Ospel die heutige Gestalt. Ehrenhof aus der 1. Hälfte des 18. Jh., aus dieser Zeit auch die Schloßkapelle. Spanischer Stall, Reitschule, Rokoko theater.
Rathaus, 1887/88, Josef Drexler, Wien; Renaissancestil, Turm 38 m, nachdem das 1764 erbaute trotz mancher Umbauten unbrauchbar geworden war.
Kriegerdenkmal
Stadtbrunnen 1896
Kreuzkeller mit Sekterzeugung, 1000l-Faß

In der Umgebung:
Belvedere 1818, ehemalige Fasanerie, am Belvedere-Wäldchen
Gloriette od. Raisten kolon nade, 1814/23 von Joseph Kornhäusel, auf dem Rai stenberg, 291 m, an der Grenze zu Österreich.

Im Theimwald, 2660 ha, zwischen Themenau, Eisgrub und Feldsberg, zumeist Kie fern, seit 1391 im Besitz der Liechtenstein, Forst- und Hegerhäuser, Reit alleen, Rennbahn, Jagd, seit 1919 zu Mähren gehörend:
Hubertuskapelle (1855), neugotisch, Georg Wingelmüller; vor Jagden wurde hier die Messe gelesen.
Jagdschlößchen in Form eines Triumphbogens
Dianatempel, “Rendezvous” bei Parforce-Jagden, 1811-12 nach Plänen von Joseph Kornhäusel
In der Teichlandschaft nördlich vom Theimwald:
Zirkus der drei Grazien, Tempel, 1825, Josef Engel, Saal mit Statue der Psyche von Kiesling, „die schwarze Jungfrau“
Apollotempel, Jagdschloß, 1817, Joseph Kornhäusel, als Aussichtswarte am Mühlteich (Apolloteich)

Schulen :
Volks- und Bürgerschule, 1877, mit 16 Klassenzimmern, Turnhalle, Zeichensaal
Gewerbliche Fortbildungsschule, dreijährig
Landes-Acker-, Obst- und Weinbauschule, 1873, zweijährig, mit Internat
Privatschule im Kinderasyl der Nordbahn, fünfklassig, mit Internat
Mädchenvolksschule, 1896
in der ?SR tschechische Volksschule im Rathaus, bis 1938
Volkskindergarten in der Samstagstadt, 1885
Kaiser-Franz-Josephs-Kinderasyl, 1901, für 200 Kinder, ab 1920 Waisenhaus der Stadt Brünn, daneben tschechische Bürgerschule, ab 1938 Kaserne
Volksbücherei, zuletzt 3000 Bände.
Heimatmuseum, 1919, im Rathaus
Kino im Deutschen Haus
Städtisches Schwimm- und Wannenbad, 1912
Bahnhof und Haltestelle Feldsberg-Stadt, an der Bahnlinie Lundenburg – Znaim
Post- und Telegraphenamt
Fürst Liechtensteinische Gutverwaltung für Meierhof, Theimhof und Neuhof
2 Wasserleitungen aus dem 16. Jh. bzw. 1612, 1901 eine neue eingeweiht
Städtisches Elektrizitätswerk, 1915, nach 1919 übernommen von Westmäh rischer Elektrizitäts-AG
Kanalisation 1901 begonnen

Vereine, Genossenschaften
Männergesangverein 1858
Deutscher Turnverein 1882
Freiwillige Feuerwehr
Gewerbeverein
Schützenverein
Eislaufverein
Verein der Kinderfreunde
Bienenzuchtverein
Unterstützungsverein gedienter Soldaten
Verein Deutsches Haus
Volksbildungsverein
Verschönerungsverein
Deutscher Mädchenbund 1919
Jugendbund oder Christlicher
Burschenverein 1911
Deutscher Kulturverband
Milchgenossenschaft
Wein- und Winzergenossenschaft