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Eisgrub

48° 48′ N, 16° 48′ O

Lednice

Nikolsburg

Geschichte:
Erste urkundliche Erwähnung 1222, mit der Herrschaft Nikolsburg schenkt Przemysl Ottokar 1249 auch Eisgruber Gründe dem Heinrich von Liechten stein, 1332 und 1371 folgen weitere Teile, 1414 wird das Urbar begründet, das den Grundbesitz des Hauses erfaßt. Die Hussiten zerstören 1426 die Kirche, um 1500 wird ein Pfarrer genannt, Mitte des 16. Jh. nehmen die böhmischen Brü der die Pfarre ein, Karl von Liechtenstein setzt 1601 die katholische Lehre wieder ein. Um 1570 Ansiedlung von Kroaten, die vor den Türken fliehen, Bischofswarth ent steht. Anlage großer Fischteiche. Für 1577 ist eine “Veste Eisgrub” mit “Lust- und Frauengarten” verzeichnet. Seit 1598 sind Eisgrub und Feldsberg Haupt ma jorate der Hauptlinie des Hauses Liechtenstein, zur Herr schaft gehören 5940 ha. 1626 Erhebung zum Markt. Im 30jähr. Krieg 1645/46 schwedische Besatzung, danach sind 86 Häuser zerstört. Höhepunkt der Pest, Türkeneinfälle. Fürst Johann II. (1840-1929) läßt Rathaus und Schule erbauen, eine 7 km lange Was ser leitung mit mehreren Zapfstellen legen, gründet die Gar tenbauschule, das Klo ster (1900) und das Mendeleum (1913). Die ?SR ent eignet zwei Drittel des fürst lichen Besitzes. Tschechische Familien ziehen zu in folge Besetzung von Ämtern bei Bahn, Post, Polizei und Schule. Fürst Johann II. läßt in seinem Amtshaus zwei Räume für eine provisorische tschechische Schule ausbauen. 1921 stellen die Bur schen zum letzten Male einen Maibaum auf dem Marktplatz auf.
Am 14. April 1945 kommt der Befehl zur Zwangsevakuierung, am 15. ver las sen 600 bis 700 Personen den Ort, am 15. Mai werden 17 Deutsche zu Fuß ins Konzentrationslager Göding getrieben, am 19. Mai werden 300 bis 400 nach Felds berg und über die Grenze gejagt, die verbliebenen folgen bald nach.

Bedeutend:
Fürst Johann II. (1840-1929)
Wilhelm Lauche (1859-1950), Hofgartendirektor)
Carl M. Thuma (1870-1935), akad. Maler
Dr. Hans Sittenberger (1863-1943), Dramaturg am Burgtheater, Autor von Dra men, Operntexten und Gedichten

Im Brünner Rathaus befindet sich ein Wagenrad, „Eisgruber Rad“ genannt. Ein Eisgruber Wagner soll gewettet haben, er könne in einem Tag einen Baum fäl len, diesen nach Hause bringen, daraus ein Rad verfertigen und es zur Fahrt nach Brünn benützen, wo er am selben Tag ankommen werde. Er soll die Wette gewon nen haben, das Rad sei zum Andenken im Rathaus aufbewahrt worden.

Marktgemeinde, Bezirk, Gericht Nikolsburg 2641 ha 172 m ü.d.M.

Im Westen reichen die Ausläufer der Pollauer Berge ins Gemeindegebiet mit dem Mitterfeld (213 m), an der südlichen Gemeindegrenze liegen der Grenz teich oder Bischofswarther Teich, der Mitter- oder Eisgruber Teich und der Mühl teich, gespeist vom Steindammteich (Nimmersatt) bei Voitelsbrunn.
Bodennutzung: Getreide, Kartoffel, Zuckerrübe Feldgemüse: Gurken, Paradei ser, Zwiebeln, Zichorie, Erbsen u. a.
Große Treibjagden (Fasane, Rebhühner, Hasen)

Fluren: Allachfeld, Altgebirge (“Oltenbiri”), Bohnhalmäcker, Mitterfeld, Haide (“Haad”), Haslacke (“Hoslocka”), Neuriß, Neubruch, Stettäcker, Plaka, Plantation
Straßen, Plätze: Marktplatz, Kostler, Lundenburger, Feldsberger, Nikolsburger, Neudeker Straße, Bäcker-, Friedhofs-, Juden-, Untere Gasse, Ziegelstätte, Groißenzipf, Pottaschhütten, Böhmischer Prater

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarr(Schloß)kirche hl.Jakob d.Ä., ursprünglich aus der ersten Hälfte des 15.Jh., 1424 von Hussiten zerstört. Neubau 1495, wegen Baufälligkeit Neubau 1579; 1731 niedergerissen, jetzt in der Mitte des Südtraktes vom Schloß, 1856 neugotisch umgebaut. Kirche und Pfarre ab 14. Jh., Patronat der Fürsten Liechtenstein, eingepfarrt: Neudek
Kapelle zur hl. Dreifaltigkeit an der Nikolsburger Straße, 1740 von Jakob Hahn.
Johannes-von-Nepomuk-Säule, 1. Hälfte 18. Jh., im Markt.
Schloß, Sommerresidenz, erbaut anstelle einer vorherigen Veste, 1212 ur kund lich erwähnt. Danach zunächst Renaissancebau, 1632 beginnt unter Carl I. der Um bau im Barockstil, mit Wasserspielen. Carl Eusebius läßt den Garten nach Versailler Muster ausge stalten, 1638 mit Lusthaus, 1642 Orangerie, 1644 Fasa nenhaus. Reitstall unter Johann Adam 1688-98 von J. B. Fischer von Erlach, 1715 unter Anton Florian weiterer Ausbau und Bau von Orangerie, 180 m lang, sowie Musentempel; unter Alois Erweiterung durch Sternanlage mit Sonnen tempel, Türkischem Turm, Aquädukt, Grotte, maurischem Badehaus und chine sischem Lusthaus. Unter Johann I. Umbau 1814-17 durch Josef Kornhäusel. Unter Alois II. Umbau des Schlosses im Windsor-Stil 1846-57 durch Georg Winkelmüller, vollendet von Johann Heidrich, Park jetzt im englischen Stil, der französische Park, oft überschwemmt, wird in eine Teichlandschaft verwandelt, die beiden Thayabetten werden an den Parkrand verlegt, aus Nordamerika Bäume eingeführt. Palmenhaus 1842-45 anstelle von Orangerie, Schloßtheater und Musentempel, Eingliederung der Pfarrkirche, jetzt gotisch. Erweiterung des Parks mit Prunkparterre unter Johann II. 1880-1896, wozu er einen ganzen Ortsteil aufkauft, den Marktplatz mit Rathaus und Schule sowie 60 Gehöfte (ca. 30 ha) verlegt. Dadurch neues Parterre, Gärtnerei, anschließend Baumschule. Der Fürst lebt in Feldsberg, Park und Schloß Eisgrub stehen Besuchern offen.
Rathaus, 1880, Baurat Hampe, neugotisch
Kriegerdenkmal, 1924
Jubiläumsbrunnen, 1898, Karl Weinbrenner und Ferdinand Hartinger, zum 40jähr. Regierungsjubiläum des Fürsten, Inschrift: “Gott segne das Haus Liech ten stein”, “Die dankbare Gemeinde ihrem größten Wohltäter Johann II. 1858-1898”, mit Bild des Fürsten und Hauswappen.
Im Park:
Sonnentempel, 1794, Joseph Hardtmuth, 1840 demoliert
Orientalischer (türkischer) Turm, 1797-1802 (Joseph Hardtmuth), Aussichts warte, 70 m, Gegenstück zum Schloß, in einer Thayaschleife
Aquädukt, künstliche Ruine einer röm. Wasserleitung im Schloßpark
Hansenburg, im Tiergarten, 1807 von J. Hardtmuth, als gotische Burgruine aus dem 14.Jh.
In der Umgebung:
Im Theimwald, 2660 ha, zwischen Themenau, Eisgrub und Feldsberg, seit 1391 im Besitz der Liechtenstein, zumeist Kieferbäume, Forst- und Hegerhäuser, Reit al leen, Rennbahn, Jagd, seit 1919 zu Mähren gehörend.
Teichschlößchen, Jagdsalettl, 1805, J. Kornhäusel, am Mitterteich
Grenzschloß, 1827, J. Kornhäusel, am Bischofswarther Teich, Inschrift: “Zwi schen Österreich und Mähren”. Das Grenzbächlein fließt mitten unter dem Gebäude durch.
Jägerhaus, Jagdsalettl, Teichschlössel, 1816, J. Kornhäusel, am Mitterteich
Grenzschloß, 1827, J. Kornhäusel, am Bischofswarther Teich, Inschrift: “Zwi schen Österreich und Mähren”. Das Grenzbächlein fließt mitten unter dem Ge bäu de durch.
Neuhof (1809) Joseph Kornhäusel, Liechtensteinischer Meierhof über dem Mühlteich mit klassizistischer Prunkfassade

Schulen:
Volksschule, gegr. 1520 unter evang. Einfluß, 1662 kath. Neugründung, 1770 umgebaut, 1816 umgebaut und vergrößert, einklassig, neues Schulhaus 1853, dreiklassig, Neubau 1883/84 (5klassig).
Bürgerschule, im Volksschulgebäude, gegr. 1922, 3klassig, 1938 als Hauptschule in den Neubau der tschechischen Schule von 1936 an der Lundenburger Straße verlegt.
Kindergarten, im Kloster der Barmherzigen Schwestern
Gemeindebücherei im Rathaus
Höhere Obst- und Gartenbauschule, (1895), 3 Jahrgänge, Mittelschulrang, mit Matura, erster Direktor bis 1938 W. Lauche, danach Albert Stummer
Mendeleum, Fürst Liechtensteinisches Pflanzenzüchtungs-Institut, 1913 gegr. von W. Lauche, Leiter: Prof. Franz Frimmel von Traisenau, später zur Garten bau schule gehörig

Einrichtungen
Frauenspital im Kloster der Barmherzigen Schwestern vom Orden des hl. Vinzenz und Paul, 1900
Armenhaus der Gemeinde, 1904/05 vom Fürsten gebaut, an der Neudeker Straße.
neuer Friedhof 1896
Trinkwasserleitung 1892-94 (Fürst Johann II.)
Elektrifizierung 1924
Kanalisation 1931
Post 1851, Telegraph 1869
Postexpedition nach Lundenburg 1851, ab 1873 Postmeister, bis 1901 Post kutsche
Lokalbahn Lundenburg – Eisgrub (15 km), 1901 auf fürstlichem Boden
4 Jahrmärkte, wohl seit 1614: Montag nach Dreikönig, nach Aegydi, Sonntag nach Cantate, Montag nach 1.Adventssonntag
Wochenmarkt am Mittwoch, Freitag und Sonntag
Kino im Gemeindesaal
2 Ärzte, 1 Zahnarzt, 1 Dentist, 1 Tierarzt, 1 Hebamme

Gewerbe
Sägewerk, Konservenfabrik (Gurken, Paradeiser, Obst)
Zementwarenerzeugung, Tonwarenfabrik Ziegelei
7 Gastwirte 15 Gemischtwarenhändler 3 Gemüsehändler
4 Fleischhauer 6 Bäcker 4 Konditoren 3 Schmiede
3 Schlosser 2 Maurer 3 Maler 3 Tischler
Zimmermann Dachdecker 4 Sattler Drechsler
5 Schuhmacher 3 Glaser Uhrmacher 4 Friseure
4 Schneider Hutmacher Fotograf Binder
Spengler Töpfer Seiler 2 Trafikanten
Fahrradhändler Schreibwarenhändler Taxiunternehmer

Vereine, Genossenschaften:
Vorschuß- und Sparverein, gegr. 1871
Wirtschafts- und Gewerbeverein, gegr. 1877
Freiwillige Feuerwehr (1884)
Militär-Veteranenverein (1882), nach 1918 Unterstützungsverein gedienter Sol da ten
Gesangverein (1893)
Turnverein (1910)
Bund der Deutschen
Deutscher Kulturverband
Sudetendeutscher Ständebund für Land und Gewerbe
Imkerbund
Kinderschutz und Jugendfürsorge
Bühnenverein “Eisgruber Bühne”, 1924, unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Sittenberger, Lehrkraft an der Gartenbauschule, werden jährlich mehrere Volks stücke aufgeführt, daneben Operetten und Singspiele unter Leitung von Fach lehrer Hugo Bartl; in der Remise des Reitstallgebäudes; gab auch Gastspiele, der Reingewinn ging gemeinnützigen Vereinen zu.
Raiffeisenkasse, gegr. 1901
Druschgenossenschaft