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Dürnholz

48° 52′ N, 16° 29′ O

Drnholec

Nikolsburg

Geschichte
Erste urkundliche Nennung 1249, die Pfarrkirche St. Martin wird 1381 geweiht, die Herrschaft Dürnholz kommt 1394 an Hans von Liechtenstein, wird 1468 im Krieg des Georg von Podiebrad gegen Mathias Corvinus niedergebrannt. Kaiser Rudolf II. überträgt die Herrschaft 1578 als erbliches Lehen an Hartmann von Liechtenstein, bald verkaufen die Liechtensteiner Dürnholz mit anderen Dör fern an Christoph von Teuffenbach, über die Herren von Sternberg geht es 1708 an die Grafen Trautmannsdorff, deren Dürnholzer Zweig 1726 ausstirbt. Die Ein woh ner bekennen sich 1589 bis 1621 wie Sigmund von Teuffenbach zum Protestan tis mus, werden im Zuge der Gegenreformation wieder katholisch und bleiben es bis zur Vertreibung. 1742 sind Preußen und danach Husaren einquar tiert, 1809 er pres sen die Franzosen 91.290 Gulden.
Maria Theresia übergibt die heimgefallene Herrschaft 1764 der Theresianischen Akademie. 1785 wird der zur Herrschaft gehörige Meiehof zerstückelt und un ter Ansiedler verteilt, die in der „Ansiedlung“ wohnen. Im Jahre 1848 endet das Un ter tä nigkeitsverhältnis zur Herrschaft, die Grundent lastung beseitigt die Ab gaben an die Herrschaft gegen eine einmalige Zahlung. Im Oktober 1918 for dern auch in Dürnholz Redner auf dem Marktplatz in einer öffentlichen Ver sammlung den Anschluß Südmährens an Österreich. Im Dezem ber mar schieren tschechische Truppen ein, noch sammelt man Unterschriften für den Anschluß. Vor Abschluß des Friedensvertrags ändern die Tschechen Ortsta feln und Gemein desiegel in zweisprachige, das Gut wird zum Staatsgut erklärt, Gen dar merieposten und Postamt werden mit Tschechen besetzt. Die Kriegs anleihe ist verloren, 100 österreichische Kronen werden in 10 tschechische umgetauscht, die Spareinlagen auf ein Zehntel gekürzt.
Nach den Gemeindewahlen von 1923 ist Anton Sogl erster Bürgermeister, er bleibt es bis 1938. In seiner Amtszeit werden die Kirche renoviert, der Kinder garten gebaut, die Feldwege instandgesetzt, die Elektrifizierung durchgeführt (1925), die Schul ein richtungen (Bänke, Tafeln, Lehrmittel) erneuert, die Lern mit telfreiheit be schlossen, die Straßen im Überschwemmungsgebiet aufge schüt tet, die Gas sen regu liert, die Kanalisation angelegt, die Ansiedlung gepflastert und die Krie ger gedächtniskapelle und die Turnhalle mit Kino gebaut.
Die Grenzziehung schneidet Südmähren vom bedeutenden Absatzgebiet Wien ab. Auf den staatlichen Gutshof kommen kinderreiche tschechische Familien, für die 1927 an der Grusbacher Straße der Prachtbau ihrer Minderheitsschule mit ange schlossenem Kindergarten errichtet wird. Den deutschen Arbeitern wird nahe gelegt, ihre Kinder dorthin zu schicken, um drohende Entlassung abzu wenden. Am 24. September 1938 werden acht Geiseln verhaftet, auch Bür germeister Sogl um “Ruhe und Ordnung zu sichern“. Sie werden über Nikols burg auf den Spielberg bei Brünn verbracht bzw. in ein KZ bei Königs feld. Die wehrpflichtigen Burschen und Männer folgen dem Mobilisierungs befehl nicht, verstecken sich in Scheunen, auf Dachböden und in der Au. Am 6. Oktober wer den die Geiseln wieder entlassen, am 8. Oktober rücken deutsche Truppen ein, die letzten tsche chischen Grenzer, Staatspolizisten, Gendarmen, Finanzer und Gehilfen ziehen noch vor 12 Uhr gegen Mariahilf ab.
Die Bezirksstraße von Nikolsburg nach Znaim wird geteert, eine Hilfsstelle für Mutter und Kind und ein schulärztlicher Dienst werden eingerichtet. Obst und Gemüse werden gesammelt und von der Bezirksabgabestelle für Obst und Ge müse (BASt) abgeholt. Da im Krieg oft Transportmittel fehlen, verderben wert volle Lebensmittel. Ein Standesamt wird im Gemeindehaus neben der Bü che rei an der Ecke zur Schenkhausgasse eingerichtet. Als Ersatz für einge rückte Män ner werden 33 kriegsgefangene Franzosen in Dürnholz in einem Haus in der Brun nengasse einquartiert, sie arbeiten tagsüber bei den Bauern. Vor dem Her an nahen der Front werden sie nach Westen verlagert. Außerdem woh nen 35 Ostar beiter, meist Frauen aus Polen, in den Bauernhäusern, wo sie arbeiten.
Mitte April 1945 ergeht die Weisung, die Räumung der Ortschaft vorzubereiten. Nur wenige Familien entschließen sich, unter dem Schutz der abziehenden Kampf truppen die Heimat zu verlassen. Am 1. Mai haben unter Beschuß und Bom bardement besonders die Häuser an der Brünner Straße bis zur Her ren gasse zu leiden, die Südseite der Ansiedlung, das Dörfl und die Südseite des Markt platzes. Am 7. Mai dringen nach heftigem Beschuß von fünf Uhr früh bis neun Uhr die Sowjets von der Brünner Straße her ein, nach Ersatz der ge spreng ten Maut- und der Mühlgra benbrücke auch von Osten, die deutschen Kampftruppen weichen gegen Grusbach und Leipertitz zurück. “Der Krieg en dete beim Geppert-Kreuz auf der Ansied lung.”
Ein Bleiben in unbeschädigten Häusern ist ausgeschlossen, die Deutschen schla fen in zerschossenen Häusern oder auf dem Preßhausboden. Das Vieh wird notdürftig versorgt, die Männer müssen Munition wegräumen, Gräben auf schüt ten und Tote und Viehkadaver begraben. Das Schloßinnere ist ver wüstet, tsche chische Banditen und Ostarbeiter plündern die Häuser aus. Anfang Juni werden Parteimitglieder, wichtige Personen aus Wirtschaft und Bildung verhaf tet und ins Kreisgericht nach Nikolsburg gebracht. Dort sind sie bestia lischen Mißhand lungen durch die Tschechen ausgesetzt, Frauen werden den Sowjets zur Verge wal tigung überlassen. Im Mai und im Juni kommt es zu Todesfällen durch Typhus. Anfang Juli lassen sich die ersten Tschechen nieder, die Häuser sind bereits völlig ausgeraubt.
Am 6. März 1946 geht der erste Transport mit Alten, Kranken und Frauen mit vielen Kindern ab. Die Zurückgebliebenen leiden unter Nahrungsmangel und Schikanen, im Mai sind die Zustände so unerträglich, daß sie sich freiwillig zum Abschub melden. Alle zwei, drei Wochen geht ein Transport mit einigen hundert Personen ab, der letzte im September.

In “Kurorte und Sommerfrischen in Mähren und Schlesien”, 1910 in 7. Auflage (10.000 Expl.) herausgegeben vom Fremdenverkehrsverband für Mähren und Schlesien, Preis 60 Heller, konnte man über Dürnholz auf S. 295f. u. a. lesen:
“In den Gasthöfen ‚Zum Goldenen Roß’, ‚Zum Goldenen Hirschen’ und ‚Zum Schwarzen Adler’ mit je drei bis vier Fremdenzimmern sowie im Brau haus werden gute Speisen und Getränke, besonders Wein, verabfolgt. In dem Markte wird bedeutender Obst- und Gemüsebau betrieben. Hier findet sich günstige Gele gen heit zu Flußbädern in der vorüberfließenden Thaya und zu Sandbädern; in dem 5 Minuten entfernten Walde, in der Dürnholzer Au zu beiden Seiten der Thaya und in der Schlucht beim Fasangarten hübsche Spazierwege. Ausflüge auf die Steinheide und den Johannesberg (283m), nach Unter-Tannowitz (Moraweks Gasthof ‚Zum Weißen Rössel’), Bratelsbrunn (Prohaskas Gemein de gasthaus) und Nikolsburg und von hier in die Pollauer Berge oder nach Eisgrub.”

Marktgemeinde, Bezirk, Gericht Nikolsburg, Post- u. Telegraphenstation
3480 ha 170-180 m ü.d.M.

Haufendorf mit vom Marktplatz auseinanderstrebenden Straßen am linken Thayaufer, auf ebener Flur, westlich erstreckt sich das Hohe Feld (215 m), nord westlich der Haidenberg (228 m) und der Ofenberg (210 m), nördlich der Galgenberg (201 m), Sonnenberg (206 m), die Große Haide (212 m) und die Treskowitzer Marter (225 m); Gemeindeanteil 105 ha, Reichsdomäne 1037 ha.
Das flache Bett der Thaya und niedrige Dämme erleichtern oft Überschwem mun gen nach andauerndem Regen und schweren Wolkenbrüchen. Auch der Stau see bei Frain kann die Wassermassen nicht fassen, Folge: Versandung von Wiesen, großer Schaden bei der Heuernte.
Im Jahre 1944 bewirtschaften 630 Familien 83 Betriebe mit 10-28 ha, 81 Be triebe mit 5-10 ha und 511 Betriebe mit 0,5 bis 5 ha.

Bautyp der eingeschossigen (ebenerdigen) Gehöfte ist allgemein der Hakenhof mit den Wohnräumen an der Straßenfront, im langen Seitentrakt befinden sich Wirt schafts gebäude und Stallungen, bei größeren Höfen schließt der Stadel parallel zur Straßenfront den Hof nach hinten ab.

Bodenbeschaffenheit: von lehmigem Sand über sandigen Lehm bis zu schwe rem Lehmboden; in der Thayaniederung Schwemmboden, als Weide grund ge nutzt, auf den flachen Hügeln lehmiger Sand mit Weingärten (Blau frän kischer, Portugieser, Gutedel, Müller-Thurgau, Welschriesling, grüner und roter Velt liner), vorherr schend Stockkultur (1000 Stock/ha), vereinzelt Drahtkultur. Er trä ge von 1l/Stock waren möglich. Auf freien Flächen und zwischen Weingärten Obstbau aller Arten von Beeren- und Steinobst. An Verbindungsstraßen Obst bäume: Absatz erst nach dem Anschluß 1938 sicher durch Verbrauchermarkt Wien. Feldanbau von Para dei sern (Tomaten) und Gurken. Bei Getreide über wiegend Weizen (bis 30 dz/ha), bei Hackfrüchten die Zuckerrübe (bis 400 dz/ha) wegen der Nähe der Zucker fabrik Grusbach (7 km). Kartoffel- und Kör ner maisanbau vorwiegend für Schwei ne mast. Beim Feldfutteranbau überwiegt die Luzerne, als Tiefwurzler bei gerin ger Niederschlagsmenge (650 mm Jahres mittel) geeignet.
Namhafte Pferdezucht, Beschälstation mit vier Hengsten. Am linken Thayaufer hinter der Bogenbrücke im Winkel der Fohlenauslauf “Füllaschronga”.

Flurnamen/Riedbezeichnungen:
Anger, Aufeld, Aulas, Bauernmaiden, Baumgarten, Bassgeigen, Bergwaide, Berg quanten, Breitenweingarten, Brünndlhaid, Burgstall, Dworschakische, Fa sen haus, Fuchsengrund, Fuchsenteich, Galgenberg, Galgenteich, G’mirk, Große Haide, Grund holbe, Haidbrünnl, Hauptmannsche Ried, Hinterm Galgen berg, Hin term Ofenberg, Hintern Krautgärten, Hintern Lüssen, Hintern Remisen, Hin tern Triften, Holnitzanger, Holnitzbreiten, Holnitz Lange, Holnitz Nassen, Ho hes Feld, Hohenfeld-Lus, Hofpopinten, Hopfengärten, Irritzer Weg, Kashübl, Kas macherwiese, Kastenberg, Kiristetten, Kleine Haid, Krautgärten, Kreuz wein gärten, Kuchelgarten (Großfeld oder “Brat’n” der Herrschaft, zugleich Dresch platz, Ortsausgang Richtung Weißstätten), Lahn, Lamnitzgrund, Neu mannsche Ried, Ofenbergäcker, Ofenbergweingärten, Probitzer Pfaffen grund, Remis, Sau teich, Sonnenberg, Schafhütten, Schinderhausäcker, Stern berge, Stern berger Sut ten, Stetten, Stierweide, Stückeln, Thayafelder, Thaya trift, Trank teich, Tresko witzer Winkel, Triftäcker, Triftberg, Urbau, Wostitzer Win kel, Zehentweingärten, Zeiselberg, Zeiselbergweingärten, Ziegelberg, Zie gel teich, Zinsliesl;
Angerwiesen, Ansiedlerwiesen, Bierwiesen, Bodawiesen, Federmarkt, Gansl wiesen, (“Ganslwad”Ganselweide, nicht selten mit tausend Gänsen), Grönit zer wiesen, Hauerwiesen, Hauswiesen, Hinterer Anger, Hintere Haus wiesen, Hin term Krautgarten, Hoher Garten, Lederhosen, Rohrwiesen, Roßtrom mel, Roß weide, Zionswiesen.

Gewässer: Thaya, Alte Thaya, Gruibischer See, Fasanhausgraben, Haidbrünnl, Honnefgraben, Kalter, Kalter Graben, Kasmachergraben, Mühlgraben, Remis graben, Sauteichgraben, Steggraben, Sternbergbrünnl, Ziegelteichgraben.

In der Flur Burgstall, etwa zwei Kilometer westlich des Ortes, befindet sich eine längliche Erhebung, die von Gräben und Wällen umgeben ist, aus dem frühen Mit telalter stammend, wohl Kult- und Gerichtsstätte.

Zwei Flurnamen erinnern an verödete Orte, Urbau, 2,5 km nördlich, und Holnitz, 3 km nordöstlich, die im Urbar von 1414 aufgeführt sind und in den Hussiten kriegen sowie den Grenzkriegen mit Ungarn zerstört wurden. Bei Ausgrabungen fand man Skelette und Münzen, die eine Datierung erlauben.

Straßen und Gassen:
Angerg., Ansiedlung, Apothekerg., Bäckerg., Bergg., Binderbergg., Brückenstr., Brünner Str., Brunneng., Dörfl, Fabrikg., Feldg., Garteng., Grusbacher Str., Hafnerg., Hans-Kudlich-G., Haseng., Herreng., Hintere Thaya-G., Kircheng., Kürschnerg., Kuhsteigg., Leipertitzer Str., Lindenplatz, Ludwigg. Marktplatz, Meierhofs., Mühle., Neubaus., Neun., Ofenbergg., Riemers., Sackt., Schloßberg, Schwemmt., Thaya., Wagners.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit, 1750-57 auf kreuzförmigem Grundriß von 36 mal 11 Metern, mit einer Kuppelhöhe von 22 m über dem Zentralraum, von Bau meister Franz Anton Grimm aus Brünn, 1925 renoviert. Statuen von Josef Schwei gel d.Ä., Altarbilder von Josef Winterhalter: Hauptaltar: Heilige Drei fal tig keit, flankiert von Statuen der hl. Cyrill und Method, rechter Seitenaltar: vier zehn Nothelfer, daneben die hl. Wendelin und Notburga, linker: die hl. Kom mu nion mit den hl. Florian und Sebastian.
Im linken Turm die Wandlungsglocke (112 kg), die Sterbeglocke (168 kg) und die ”mittlere” Glocke (672 kg), im rechten die “große” (1512 kg), nur an Feiertagen und bei hohem Besuch, etwa des Bischofs, geläutet. Die drei klei neren im I. Welt krieg abgeliefert, das Geläut 1923/24 wiederhergestellt, 1942 zwei Glocken weg ge bracht. Missionare stellen 1925 an der linken Vorderseite ein weißes Steinkreuz anstelle eines roten Holzkreuzes auf.
Pfarrei, erbaut 1181, bis 1757 Kirche, Zwiebelturm 1832 abgetragen.
Die Mariensäule (Pestsäule) auf dem Marktplatz, im Volksmund “Heilige Säule”, 1718 zum Dank für die Errettung vor der Pest der Jahre 1714 und 1715 errichtet, wahrscheinlich vom Steinmetz Andreas Steinböck aus Eggenburg. Auf quadrati schem Unterbau mit Steingeländer stehen an den Ecken der hl. Joseph, der hl. Nepomuk, der hl. Florian und der hl. Sebastian. Aus der Mitte steigt eine sich ver jün gende Wolkenpyramide auf, darüber Weltkugel, auf der Maria mit dem Jesus kind steht und einer Schlange den Kopf zertritt.
Kriegergedächtniskapelle am Westende des Marktplatzes, dem Friedhof vorgela gert, 1925 vom Dürnholzer Baumeister K. Brüdl errichtet. Über dem Eingang Skulptur eines sterbenden Kriegers, den Christus in seinen Armen hält, vom Znaimer Bildhauer Schnattinger. Darüber Inschrift: “Unseren Helden 1914 – 1918 die Heimat!” Innen Namen der 102 Gefallenen, in Marmortafeln einge meißelt. Gärtlein vor der Kapelle mit Eisenziergitter, stets mit Blumen bepflanzt. Von den Tschechen 1945 dem Erdboden gleichgemacht.
Schloß, über Grenzbefestigung vom Ende des ersten Jahrtausends, 1376 neuer baut, in den Kriegen gegen Georg von Podiebrad von den Ungarn nieder gebrannt, von Graf Christoph Frhr. von Teuffenbach 1583 – 1585 im Stil der Renais sance aus gebaut, 30jährigen Krieg 1645 dreitägige Schwedenbela gerung. Bauteile aus dem 16.Jh., unter den Trauttmannsdorff 1750 – 53 unter Mitwirkung von F. A. Grimm und I. Lengelacher barock ausgebaut (Trep penhaus und Aufstockung auf drei Geschosse), außen einheitlich gestaltet. Umbau 1836, Kirche im Inneren und Zwiebelturm über dem viergeschossigen Bauwerk werden entfernt. Prof. Erich Hubala: “Eine einfache, aber schöne Putzgliederung und die abgerundeten Gebäu dekanten gaben dem Bauwerk etwas von einem Stadtpalast.” Zugang von der Brünner Straße an Statuen von Herakles und Pallas Athene (im Volksmund “Stei nerne Männer”) vorbei zum Gartenportal 1583 aus der Zeit des Renais sance baues, mit Wappen von Erbauer Teuffenbach. Vom ehemaligen Burg graben sind noch Reste erhalten, statt der hölzernen Zugbrücke eine Stein brücke. Über dem Eingang zum Schloß bis 1918 der österreichische Doppeladler, von den Tsche chen abgeschlagen. An der zur Thaya abfallenden Seite sind noch Reste der Burg mauer erhalten. Seit 1764 der Ritterakademie des späteren Theresianum zuge eignet. Beherbergt Verwal tung und Wohnungen Herrschaft licher Beamten. Ab 1919 tschechoslowakisches Staatsgut, 1938 Reichsdomäne. Neben den Park an lagen Gebäude mit Wohnun gen für Angestellte und Arbeiter, im Norden der Guts hof mit Ställen, Stadeln und Wohnungen.
Rathaus, 1591, mit Laubengang an der Südseite, 30 m lang; nahe Kirche und Pfar rei, begrenzt den Marktplatz im Osten.
Das ehemalige herrschaftliche Brauhaus an der Mautbrücke, am linken Thaya ufer, 1790 stillgelegt und in eine Gastwirtschaft umgewandelt.
Das Gronauische Haus in der Herrengasse, benannt nach einem ehemaligen Be sit zer (vor 1848), vormals Freihof, erbaut während des 30jährigen Krieges, mit Räu men in der ursprünglichen Form (Stuckdecken) und Insignien Kaiser Ferdi nands II.
Die alte Mühle am rechten Ufer des Oberwerkgrabens, 1787 verkauft, auf ihrem 25 m hohen Schornstein alljährlich Nistplatz für ein Storchenpaar.
Die neue Mühle am linken Ufer, 500 m von der Thayamündung entfernt.

Schulen
Seit 1652 sind katholische Lehrer belegt; schon 1607 bittet ein reformierter (diese wohnen bei den Pastoren) um ein Salär.
Volksschule, 1784 auf dem Grund des Pfarrgartens erbaut, 1815 und 1824 ab gebrannt. 1836 Neubau zweigeschossig mit zwei Lehrzimmern, Wohnung und Raum für den Gehilfen. 1871 um zwei Lehrzimmer vergrößert, 1872 und 1873 um je ein weiteres Zimmer, wofür die Wohnung des Schulleiters aufgelöst wird, 1881 fünftes Lehrzimmer, 1883 sechstes. Nach Bau der Bürgerschule 1885 den Mädchen zugewiesen.
Knabenvolksschule, von 1885 bis 1938 im Gebäude der Bürgerschule, Leiter ist jeweils der Direktor der Bürgerschule. Oktober 1938 in das von den Tschechen 1925 errichtete Gebäude ihrer Minderheitsschule hinter den “neuen Häuseln” an der Grusbacher Straße verlegt.
Die Bürgerschule an der Brünner Straße, nach dem Gesetz von 1883, das diesen Schultyp begründet, bereits 1884 beschlossen, 1886 fertigge stellt. 1938 durch die Auslagerung der Volksschule Erweiterung der dreiklassigen zu einer vierklassigen Hauptschule möglich, 1940 zu einer sechsklassigen Mittelschule für Buben und Mädchen, der einzigen im Kreis Nikolsburg.
Musikschule, ab 1939 im Rahmen der Deutschen Arbeitsfront bestehend, von Hauptlehrer Wenzel Max geleitet, nutzt zwei Klassenzimmer in der Mädchen schule, mit Klavier; 57 Buben und Mädchen werden in Klavier-, Geigen-, Akkordeon- und Gitarrespiel sowie Musiktheorie und Gesang unterrichtet.
Kindergarten, um 1910 geplant, 1928 erbaut, mit Altenheim und Schwestern sta tion. Die Schwestern betreuen und pflegen Kranke und Arme, führen den Kin der gar ten mit 70 bis 80 Kindern in zwei Abteilungen. Die pädagogische Leitung liegt beim Direktor oder einer Lehrkraft der Bürgerschule. Nach dem Anschluß über nimmt die NSV den Kindergarten. Während einer Scharlach epidemie wer den die be trof fenen Kinder im Kindergarten untergebracht und von den Schwestern gepflegt.

Die Brücken
Zehn Brücken tragen die einzige östliche Verbindungsstraße durch das bis zur Straße Guldenfurt – Neusiedl reichende Überschwemmungsgebiet der Thaya.
Die Mautbrücke über den ersten Mühlgraben, drei Bögen aus Quadern, Eisbre chern und steinernen Torpfeilern, weist auf eine ehemalige Zoll station hin. Ge gen Ende des Zweiten Weltkrieges gesprengt.
Eine Eisengitterbrücke über den zweiten Mühlgraben
Die Bogenbrücke, 1901 erbaut, Wahrzeichen des Ortes, überspannt die eigent liche Thaya.
Die Johannesbrücke, längste und vielleicht älteste, 1630 aus Ziegeln gebaut, dem hl. Nepomuk geweiht, dessen Statue rechts an der Brücke steht, links auf einem Pyramidenstumpf eine Weltkugel. 18 Durchlässe, z. T. schon bis über die Hälfte versandet.
Zwei Holzbrücken, eine Betonbrücke, die Hohe Brücke und zwei weitere Holz brücken, diese mit Betonröhren.

Die Gemeindebücherei, gemäß Gesetz vom 30.1.1920, das für jede Gemeinde eine öffentliche Bücherei vorschreibt, mit jährlich 50 Heller pro Kopf der Be völ kerung zu unterhalten. Eine bestehende kleine Bücherei des Südmä h rer bun des wird mit jährlich 1.500 K? ausgebaut, zählt bald 2000 Bände. Die Buch auswahl obliegt dem Bildungsausschuß der Gemeinde mit den Leitern der Bücherei, Lehrerin Antonie Friedrich, Fachlehrer Josef Frodl und Oberlehrerin Therese Guschl. Der Bildungsausschuß kümmert sich außerdem um Veran stal tun gen mit bilden dem Charakter, Vorträge, Spiel- und Theaterabende und Sing stunden, die steuer frei bleiben, wenn er sie trägt.

Kapellen und Kreuze
Kapelle am Krebsschen Ziegelofen mit der Inschrift “Maria, Königin des Him mels, beschütze und segne uns!”, 1910 vom Besitzer erbaut, alljährlich Ziel eines Bittganges.
Kapelle zum gegeißelten Heiland an der Brünner Straße, auf dem Acker von Ferdi nand Grondinger.
Statue des hl. Florian in der Thayagasse, neben dem Haus von Ferdinand Grondinger. Am Namenstag des Heiligen, dem 4. Mai, Prozession dahin, man betet um Schutz bei Wasser- und Feuersgefahr.
Statue des hl. Johannes von Nepomuk an der Johannesbrücke
Quapilkreuz an der Straßengabelung Dürnholz – Guldenfurt – Neusiedl – Nikolsburg.
Ein Steinkreuz mit Säulengeländer am Nordende des Gartens der Bürgerschule. Daneben schlug eine Bombe ein, ohne das Kreuz zu beschädigen.
Ein Steinkreuz an der Brünner Straße, auf den “nassen Äckern”, wo vor dem Schlachthaus die Straße gegen Mariahilf abbiegt, errichtet von Kaspar und Rosalia Stanzl.
Das Weiße Kreuz, ein großes Steinkreuz, an der Abzweigung von der Brünner Straße zum Galgenberg.
Ein Steinkreuz, mit Eisengitter umgrenzt, von Ludwig Geppert errichtet, in Verlängerung der Ansiedlung an der Abzweigung zu den Ofenbergen.
Ein Steinkreuz, gestiftet von der Familie des Altbürgermeisters Johann Gerischer, in der Mitte des Ofenbergweges, Richtung Galgenberg.
Das Küllersteinkreuz an der Abzweigung von der Leipertitzer Straße zur Sand grube.
Das Pohopkreuz, im Schatten zweier alter Akazien, an der Einmündung des Kiristettenweges in die Leipertitzer Straße.
Das Schererkreuz am oberen Zehentweingartenweg, am Ende des von der Leiper titzer Straße kommenden Breitenweingartenweges.
Ein Eisenkreuz mit Steinsockel an der Grusbacher Straße vor der Zimmerei Ellner, das 10 m einwärts versetzt wurde.
Ein großes Holzkreuz an der Abzweigung von der Grusbacher Straße zum Aufeld.
Das Konrad-Lohner-Kreuz auf herrschaftlichem Grund an der Grusbacher Straße an der Einfahrt “Hinter den Lüssen”.
Ein Kreuz mit der Inschrift “Gott segne unsere Felder!” an der Abzweigung des Probitzer Weges im Aufeld.
Ein Bildstock am Stettenweg, in der Nähe des Hubertuskellers.
Ein Bildstock hinter dem Krebsschen Ziegelofen, an der Weggabelung Treskowitz – Irritz.
Ein kleiner Bildstock an der Zehnbrückenstraße erinnert an den Nikolsburger Mühlbauer Adolf Kormann, dessen Fuhrwerk durch Hochwasser von der Straße abgetrieben wird, wobei die Pferde ertrinken.
Ein Marterl, hochgemauert, mit zeltdachförmigem Abschluß, am Westende des Marktplatzes, wo sich die Straßen nach Leipertitz und Grusbach trennen.
Ein Marterl, ähnlich gebaut, an der Abzweigung von der Leipertitzer Straße zum Kreuzweingarten-Triftweg.
Das “Treskowitzer Marterl”, vermutlich als Pestsäule errichtet, schon auf Tres kowitzer Boden, am Zusammenstoß der Fluren “Neumannsche Ried” und “Beim Irritzer Weg”.

Turnhalle und Kino
Einem 1924 eingerichteten Fond wird alljährlich ein fester Betrag zugeführt. Im Mai 1932 beschließt der Gemeinderat den Bau, ein Kino soll mit seinen Einna h men Tilgung der Darlehen und Zinszahlung erleichtern. Baugrund ist der weit läufige, an die Herrengasse reichende Hof des Gemeinde-Gasthauses “Zum Gol de nen Hirschen”. Ing. Friedrich Frank plant auf 800 qm einen Kino- und Turnsaal von 30 m mal 11,5 m, Waschräume und Toilette, Kasse, Garderobe, Buffet und Küche, bei festlichen Anlässen finden 1500 Personen Platz. Festlich eröffnet im Mai 1934. Nach dem Anschluß muß die Gemein de das Kino ver pachten. Vorstell ungen Freitag und Samstag, am Sonntag zwei.

Einrichtungen
Schlachthaus an der Brünner Straße, etwa 1 km außerhalb, moderne Einrich tung des Fleischerhandwerks.
Wasenmeisterei (Schinder) nordöstlich vom Ort, wegen der Nähe zu Wohnhäu sern an den Anger verlegt.
Fasanhaus, Jagdhaus, 2 km vom Ort entfernt, Richtung Treskowitz/Wostitz
“Schafhütte”, Jagdhaus, nahe dem herrschaftlichen Ziegelofen (1930 einge stellt).
Jahrmärkte, bewilligt von Kaiser Leopold I. am 4. 12. 1701, am Montag nach Dreikönig und nach dem dritten Sonntag nach Ostern (Rogate) und nach Bartho lomäus (24. August); 1784 gewährt Josef II. zwei weitere, am Montag nach dem dritten Fastensonntag (Oculi) und am Montag vor Brigitta (5. Okt.).
Die Weinfreiung erlaubt acht Tage vor und nach dem Markt Ausschank von Wein in einem Buschenschank am Marktplatz.
Dritter Jahrmarkt, bewilligt 1701 durch Kaiser Leopold I., am Sonntag nach hl. drei König; zwei weitere 1784 durch Kaiser Josef II., am Montag nach Oculi und nach Brigitta.
Wochenmärkte, bewilligt von Kaiser Karl VI. am 24. 1. 1716, jeden Mittwoch.
Der erste Viehmarkt am 11. 1. 1859, danach am Dienstag nach dem Jahrmarkt.

Verkehr:
Per Postomnibus dreimal täglich zum Bahnhof Neusiedl-Dürnholz und zurück, ab November 1938 per Privatomnibus zweimal täglich nach Nikolsburg und zurück, ab April 1939 einmal täglich nach Wien-Schwarzenbergplatz und zurück, jeden Mittwoch nach Znaim und zurück.

Handel, Gewerbe, freie Berufe etc. (1939)
Apotheke
drei Ärzte: Distriktsarzt Dr. Anton Bartek, Dr. Hans Eckert, Dr. Herbert Hauser
Tierarzt: Dr. Leopold Hrdina
Landmaschinenfabrik Lange (Sämaschinen)
Sägewerk
2 Ziegeleien
Gärtnerei
7 Gasthäuser 7 Gemischtwarenhandlungen
7 Fleischhauer 5 Bäckermeister Eisenhandlung
5 Obst- und Gemüsehändler 2 Schnittwarengeschäfte Elektriker
2 Schuhgeschäfte 3 Bindermeister Eierhändler
Blumenbinderin 8 Dachdecker Drechsler
Fotograf 5 Friseure Glasermeister
2 Hebammen Hutmacher Kaminkehrer
Korbflechter 3 Malermeister 2 Makler
2 Maurermeister Mechaniker Pferdefleischer
3 Sattlermeister 3 Schlossermeister 3 Spengler
2 Wagnermeister 3 Zimmermeister 9 Schuhmacher
4 Schmiedemeister 5 Schneiderinnen 2 Uhrmacher
7 Schneidermeister 4 Tischlermeister 3 Trafikanten
2 Zuckerbäcker Kinovorführer

Vereine
Turnverein, 1900, übt bis zum Bau der Turnhalle in der Mädchen schule, nach dem Ersten Weltkrieg Schülerturnen im Verein. Erste öffentliche Veranstaltung ist eine Theateraufführung der Turner. Alljährlich im Mai oder Juni Schauturnen auf dem Marktplatz. Sonnwendfeier (mit Feuerwehr) auf der Gan selweide, Wintersonnenwendfeier in Gasthaussälen. Am 2. 10. 1922 Betei ligung an der Grundsteinlegung für das Helden denkmal bei der Rosenburg in den Pollauer Bergen. Das 7. Gauturnfest wird am 29. Juni 1938 in Dürnholz abgehalten.
Feuerwehr, 1875 mit 40 aktiven und 37 unterstützenden Mitgliedern, 1945 mit 85 bzw. 451. Feuerwehrhaus 1900 mit Motorspritze, auf 16 m ausziehbarer Leiter. Gerätschaften werden 1925 mit Spenden der Bevölkerung modernisiert.
Sängerbund, 1877, zur Pflege von Volks- und des Kunstlied, Veranstaltung mu si kalischer Abende mit der Orchestervereinigung, durchschnittlich 45 aktive, über 100 unterstützende Mitglieder. Die Tätigkeit muß 1938 eingestellt werden.
Militär-Veteranenverein, 1881, zur Pflege der Kameradschaft und zur Unter stüt zung von Kriegerwitwen. Muß im tschech. Staat umbenannt werden, jetzt Kamerad schaftlicher Unterstützungsverein.
Deutscher Kulturverband mit Hauptleitung in Prag, zur Erhaltung deutscher Schulen in Sprachgrenzgebieten. Die 100 deutschen Kinder aus Fröllersdorf, Gut ten feld und Neu-Prerau werden mit Schultaschen, festen Schuhen, Hand schu hen und Mützen ausgestattet, nachdem dort die deutschen Schulen ge schlossen worden sind.
Zugrinder-Versicherungsverein, 1932, ersetzt Schätzwert von zu Schaden ge kom me nen Tieren, wenn tierärztlich nicht heilbar, Notschlachtung nötig.
Allgemeiner Viehversicherungs-Verein, vor allem für Milchkühe, die nicht ein ge spannt werden.
Bürgerliche Spar- und Vorschußkassa, 1870, Kontobestände 1945 von dem durch die Tschechen dienstverpflichteten leitenden Angestellten Johann Handl festgehalten und durch viele tschechische Kontrollen nach Deutschland ge bracht, damit wurde ihre Anerkennung durch Behörden erreicht.
Kreditanstalt der Deutschen, Zweigstelle Dürnholz, Geldinstitut, das dem spe kula tiven Bodenerwerb der Tschechen Widerpart bieten sollte.
Milchgenossenschaft m.b.H., 1913, Übernahme der Milch in dem gekauften Kleinhaus, Herrengasse 24, Transport mit Pferdefuhrwerk zum Bahnhof Neu siedl -Dürnholz, von dort als Frischmilch nach Wien. Nach dem I. Weltkrieg von Wien abgeschnürt, die Milch muß nach Brünn gebracht werden. Molkerei in Dürnholz 1926 errichtet, Abnehme ist der Zentralverband der landwirt schaft lichen Genossen schaften in Brünn. Wegen Differenzen Rückkehr zum Frisch milch versand. Nach 1938 Besserung des Absatzmarktes, jetzt wieder Erzeu gung von Milchprodukten. Nach Errichtung einer Molkerei in Lundenburg Ein stellung dieser Produktion, Frischmilch wird nunmehr nach Unterwisternitz ge liefert, von wo Butter, Topfen, Buttermilch, Käsewasser u.a. rückgeliefert wer den, für eine stillgelegte Molkerei ein recht einträgliches Geschäft.