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Deutsch Konitz

48° 50' N, 16° 1' O

Konice u Znojma

Znaim

Geschichte

Erstmals urkundlich genannt 1302, in früherer Zeit mit einer Wehr­mauer umgeben. Klosterbruck hat hier einigen Besitz, den es in der Folgezeit erweitert, der Großteil bleibt bei den Landesherren. Später erwirbt Kloster Seelau in Böhmen Besitz, den 1622 Kaiser Ferdinand II. dem Prager Prämonstratenserstift Strahov schenkt.

1632 sammelt Wallenstein 60000 Mann am Kuhberg. Während des 30jährigen Krieges verödet, bald wieder neu gestiftet, 1657 wird die Kirche zum hl.Jakob errichtet. Den Zehnten erhält Strahov, eingezo­gen durch Kloster Bruck. Überliefert wird, daß Deutsch-Konitz einst ein Wallfahrtsort gewesen sei, auf dem Kirchenberg wohnten Kreu­zelschnitzer, die solche und andere Devotionalien anboten.

1808 vernichtet ein Großbrand 46 Häuser, Kirche, Pfarrhaus und Schule. 1846 erscheint erstmals der Zusatz „Deutsch“ zu Konitz. Mit der Eröffnung der Bahnlinie Wien-Znaim nimmt der Absatz von Wein, Obst und Gemüse seinen Aufschwung, dem nach 1918 mit der Grenzziehung ein Rückgang entspricht. Um 1900 wird die Ortsstraße gebaut, kurz danach die Straße nach Poppitz.

Im I.Weltkrieg fallen 21 Mann. Ab 1938 erreicht die wirtschaftliche Entwicklung ihren Höhepunkt. Als am 23.September 1938 die Mobil­machung erfolgt, setzen sich ca. 60% der Dienstpflichtigen über die Grenze ab.

Im II.Weltkrieg fallen 49 Mann. Am 8.Mai 1945 beginnen mit dem Einmarsch der Rotarmisten Raub, Plünderung und Vergewaltigung. Im Sommer werden die noch nicht geflohenen Deutschen zusammen­getrieben, ihrer restlichen Habe beraubt und zur Zwangsarbeit nach Humpolec in Böhmen transportiert.

Im Oktober wird der Gemeindediener von tschechischen „Partisa­nen“ erschossen. Im Lager Frischau kommen ein Mann und zwei Frauen um, in Böhmen eine Frau. Der letzte Bürgermeister, der als verwundeter Soldat in einem Lazarettzug von Prag nach Dresden unterwegs ist, wird wie die anderen Verwundeten von tschechischen „Partisanen“ ermordet. Alle nicht nach Österreich Geflohenen werden nach der Ernte im Oktober 1945 vertrieben, insgesamt 429 Personen. Die nach Österreich Geflohenen finden dort eine neue Heimat, die übrigen kommen in den Großraum Stuttgart, in den Raum Milten­berg-Wertheim-Würzburg bzw. nach Olvestedt bei Magdeburg.

Brauchtum

Osterratschen der Schulbuben

Granitzschau, Gepflogenheit der Gemeindeväter, bei der der Jugend die Grenzen des Gemeindegebietes gezeigt werden.

Der Fürzug bei Hochzeiten, bei welchem dem Hochzeitspaar nach Verlassen der Kirche ein Triumphbogen errichtet wird, durch welchen es unter Verteilen von Spenden gelangen kann.

Am Abend vor der Hochzeit wird vor dem Haus der Braut gesungen.

Der Fasching währt nur vom Samstag bis zum Aschermittwoch.

Das Einkaufen in die Burschenschaft: jeder Sechzehnjährige, der aufgenommen werden will, muß versprechen, ein anständiger Mensch zu bleiben, und dazu einen halben Eimer (28l) Wein stiften.

Das Maibaumstößen zu Pfingsten und das Abbrennen des Sonn­wendfeuers.

Bittage an den letzten drei Tagen vor Christi Himmelfahrt: Prozes­sionen gehen nach der Frühmesse in die Felder, zum Dürnbach, in den Altenberg, zur Strobnitzmarter. Andacht an vier Stationen, Marterln oder Feldkreuzen: der Pfarrer erteilt den Segen, die Leute singen: „Herr, erhöre unsere Bitte! Wende ab von unserer Hütte Krankheit, Krieg und Hungersnot, gib uns unser täglich Brot.“

Kirtag am letzten Sonntag im Juli.

Wallfahrten führen alljährlich nach Maria Trost in Brünnl bei Strobnitz in Südböhmen, auf ein Gelübde während der Pest von 1680 zurückgehend, sowie nach Maria-Dreieichen.

Lage an der Südostseite des Kuhberges, Sommerfrische (Wald, Thaya)

Flurnamen: Altenberg, Kieslinger, Erda, Edelspitzer, Satz, Hühner­berg, Oberberg, Goldberg, Sauberg, Saurüssel, Eirisl, Ehbrecher, Gehen, Dürnbach, Hausäcker, Leiten, Gangelsberg, Scheib’n, Mühl­berg, Feuerberg, Setz, Breiten, Lehmgraben, Bachleiten, Waldandacht, Haltergraben.

Im Dorf, In die Häuseln, Auf der Judenseiten, Am Kiringberi (Kir­chenberg).

Bodennutzung: Landwirtschaftliche Nutzungsfläche 261 ha. Anbau von Gurken, Gemüse, Obst (Kirschen), Salat, Weinbau (Tafeltrauben); Getreide (Weizen, Gerste, Hafer) und Hülsenfrüchte nur für den Eigenbedarf.

Jagd: Jagdgebiet von 453ha: Hasen, Fasane, Rebhühner, Rehe, Füchse.

Straßen, Plätze: Über die Salzgasse bei Edelspitz nach Znaim, ab 1896 befestigte Straße zur Retzer Straße; Fußweg über den Kuhberg. Die Verbindung von Znaim nach Krems führt über die Kuhberg­gemeinden Gnadlersdorf, Kaidling, Poppitz und Deutsch Konitz; die Reichsstraße Wien-Hollabrunn-Znaim wurde erst 1727 bis 1760 gebaut.

Baudenkmäler, Einrichtungen:

Pfarrkirche hl.Jakob d.Ä., neugotischer Bau 1908/09 mit Turm (42m) mit 4 Glocken, von Baumeister Kristof aus Prag. Vorgängerin nach den Zerstörungen des 30jähr. Krieges errichtet, brannte 1808 nieder, 1811 Neubau, 1908 niedergebrannt, danach wiedererrichtet.

Pfarrhof, Selbständige Pfarre ab 1763.

Friedhof, 1902/03, nachdem der um die Kirche gelegene zu klein geworden war.

Hl.Nepomuk-Kapelle, 1774.

Hl.Florian. Hl.Antonius, 1750.

Strobnitzer Marter, Dreifaltigkeitsmarter, Hl.Wolfgang-Marter, Schul­marter,

Herrenstadelkreuz, Spiegelkreuz im Ried Spiegeln.

Kriegerdenkmal, 1923.

Gemeindebücherei, 2 Gemeindehäuser: eines für den Gemeindediener, das zweite für in Not Geratene.

Tor („Luka“), zwischen den Häusern Nr.88 und Nr.89, die anderen drei waren bereits abgetragen.

Wasserleitung 1898, mit zwei öffentlichen Zapfstellen, 1930 erneuert.

Mehrere öffentliche Brunnen, davon drei mit Trinkwasser.

Elektrifizierung, 1929.

Omnibuslinie für die Kuhberggemeinden (Schattau, Gnadlersdorf, Kaidling, Poppitz) in den 30er Jahren.

Mütterberatung seit den 30er Jahren.

Schule: Volksschule, 1914, zweigeschoßig, zweiklassig, mit Kinder­garten. Aufzeichnungen über eine Schule im 17.Jh.; 1763 Schulbau geplant, Neubau 1811 nach dem Brand.

Gewerbe:

Trausnitzmühle. 2 Fleischhauer, Bäcker, 2 Tischler, Schlosser, 3 Schuhmacher, Wagner, Schmied, Hebamme.

Vereine:

Deutscher Kulturverband

Jugendgruppe des Deutschen Kulturverbandes, 1908.

Landwirtschaftlicher Ortsverein, 1919 (bis 1938).

Deutschvölkischer Turnverein, 1923.

Kameradschaftlicher Unterstützungsverein gedienter Soldaten, 1927 (bis 1938).

Matriken seit 1708.

Literatur:

Rybka, Adolf: Ortsgeschichte Deutsch-Konitz. 1964

Bayer, Friedrich: Deutsch-Konitz. 1992