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Damitz

48° 55′ N, 16° 22 ′O

Damnice

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1353 erwähnt, gehört der Ort ab 1535 längere Zeit zu Schattau. 1628 wie Socherl verödet, 1675 mit diesem an Kloster Bruck verkauft, danach neu besiedelt. 1784 fällt Damitz mit der Säkularisierung von Kloster Bruck an den k.u.k. Religionsfond, 1794 brennt das halbe Dorf ab. 1824 wird es an den Edlen von Hopfen verkauft. 1870 fährt der erste Zug auf der Strecke Wien-Brünn. Im I.Weltkrieg fallen 19 Mann.
Besonders hart sind die Winter 1928/29 (-32ºC) und 1939/40 (der gesamte Winterweizen erfriert, das Wild wird derart dezimiert, daß die Rebhühner 5 Jahre Schonzeit erhalten).
Die Theatergruppe des Turnvereins spielt „Der Ehestreik“, „Das Kreuz der Mutter“, „Das Kuckucksei“, „Der Dorflump“, die Singspiele „Im Krug zum Grünen Kranze“ und „Das Heideröslein“.
1935 wird Damitz in die Liste der für den Fremdenverkehr in Frage kommenden Orte aufgenommen, in der Werbung darf die Bezeichnung „Mineralbad“ verwendet werden.
Am 7.Mai 1945-einem der Bittage-wird der Ort bombardiert, sechs Menschen kommen um, 41 Gebäude brennen aus, über hundert Pferdeleichen liegen tagelang aufgedunsen herum. Typhus bricht aus, drei Frauen sterben daran.
Im II.Weltkrieg fallen 23 Mann, 11 bleiben vermißt.
Am 8.Mai 1945 dringen die Rotarmisten in den Ort ein, die Weinkeller und alle Haustüren müssen offen bleiben. Die Sowjets hausen fürchterlich, Frauen werden vergewaltigt. Zwei Wochen später kommen 45 schwerbewaffnete Tschechen, suchen nach Waffen, plündern und mißhandeln die Deutschen. Ein Bauer, der ein altes Jagdgewehr gemeldet hat, kann es aber selbst nicht finden. 20 „Partisanen“ durchsuchen unter Beschimpfungen und Mißhandlungen das Anwesen, endlich finden sie das Gewehr in der Scheune. Der Bauer wird drei Tage lang im Keller des Gasthauses mißhandelt, dann aus dem Ort getrieben und erschossen. Der gräßlich verstümmelte Leichnam darf nicht begraben werden, erst am übernächsten Tag ist dies auf Befehl eines russischen Offiziers möglich.
Alle Männer werden in das Lager Mährisch Kromau verschleppt und von dort aus zur Arbeit verteilt. Ab November besetzen Tschechen die Bauernhöfe, die Deutschen arbeiten als Knechte. Zwei Familien werden in das Landesinnere verschleppt. Der erste Transport geht im Feber, der zweite im März, der letzte im Juni 1946, zu je 30 Personen in einem Viehwaggon, mit 50 kg Gepäck. Im November 1946 werden die zu 5 Jahren Gefängnis Verurteilten aufgrund einer „Amnestie“ entlassen. Vertrieben werden insgesamt 473 Personen.

Brauchtum
Reim aus der Schwedenzeit:
„Der Schwed’ wird kemma, wird all’s mitnemma.“

Im Mai findet dreimal wöchentlich eine Maiandacht im Glockenhäusel statt. Zu Pfingsten geht man auf Wallfahrt nach Maria Dreieichen–sie war 1866 für den Fall des Abklingens der Cholera gelobt worden–, dorthin ist man fünf Tage unterwegs. Auch nach Lechwitz führt eine Wallfahrt.
Kirtag im Juni, einer der ersten der Gegend, spöttisch „Solotkiritog“ (Salatkirtag) genannt.
Maulbeerbäume und Süßholzsträucher sind in Höfen zu finden. Die Wurzeln des Süßholzstrauchs sind für die Kinder Ersatz für Zuckerln, auch verwendet man sie zum Süßen des Tees. Sehr gerne haben die Kinder die süßen Früchte des Maulbeerbaumes; auch Enten und Hühnerschätzen sie. Die veredelten Früchte sind schön und groß, gelb und rot, sie werden auch zum Strudelbacken verwendet. Die Kinder klettern um die Wette, um die schönsten Früchte zu erreichen.
Im Krieg mußten die Schulkinder Maulbeerbaumblätter sammeln für die Seidenraupenzucht in der Schule.

Matriken seit 1635 (bei Irritz).

Bedeutend:
Wieder Ludwig (1894-1970), Oberlehrer, ließ unter schwierigsten Umständen und Einsatz eigener Mittel Sportplatz und Freibad errichten. Zur Eröffnung sagte er: „Aus dem Kuhort (ehem. Weide) ist ein Kurort geworden.“

Literatur:
Wieder, Ludwig: Damitz. Znaim 1935.

Bezirk und Gericht Mährisch-Kromau

Breitangerdorf 885 ha, 198 m ü.d.M.

Liegt am Damitzbach, der durch den Ort fließt, vier Brücken und drei Stege verbinden die Ortshälften.

Flurnamen: Hofstätten, Mittlere und Untere Äcker, Queräcker, Großer und Kleiner Teich, Schuläcker, Haidäcker, Hinterm Berg, Roßweide, Antonifeld.

Bodennutzung: Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Hafer, Roggen, Mais, Klee.

Jagd: Hasen, Rebhühner und Fasane.

Straßen, Plätze: Hauptstraße (Durchgangsstraße), Badgasse, Kellergasse oder Tullnitzer Straße, „Wingl“, Grünau, Dörfl.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Glockenturm „Glöckelhäusel“, 1822, als Wahrzeichen, Maiandachten; Kirchenbesuch in Irritz.
Dorfkapelle
Kriegerdenkmal, 1925.
Freibad, Heilquelle (mangan-, eisen- und jodhaltig, 14°C).
Turn- und Spielplatz, 1929-32.
Post Irritz
Milchhaus, 1936.
Elektrifizierung, 1931.

Schule: Volksschule, 1882 einklassig, 1912 zweiklassig (1.-3. und
4.-8.Schuljahr)

Gewerbe:
2 Ziegeleien, Maschinenschlosserei, 4 Gasthäuser.

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1894.
Deutschvölkischer Turnverein, 1923.