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Bratelsbrunn

48° 49′ N, 16° 34′ O

Prátlsbrun (nach 1950 Březí)

Nikolsburg

Geschichte:
Erstmals urkundlich erwähnt 1249, Mgf. Przemysl Ottokar überläßt Heinrich II. von Liechtensteinanläßlich die Herrschaft Nikolsburg, Mitte des 13. Jh. auf den Hauswiesen erbaut, bald Besitz des Klosters Kanitz, 1348 nicht mehr bei Liech tenstrein. 1526 mit Auflösung von Kloster Kanitz an Kaiser Ferdinand I. 1537 verödet, 1574 an Graf Franz von Thurn Valsasina, 1576-85 nach dessen Auf ruf neu besiedelt und wieder aufgebaut, 1618 an die Teuffenbach verkauft, 1619 durch Kaiserliche und Bethlen Gabor schwer heimgesucht, 1809 durch Fran zosen ausgeplündert. Die Cholera fordert 1831 (46) und 1850 (82) Opfer, 1858 vernichtet ein Großfeuer 34 Häuser. Am 12. Dezember 1918 rücken die Tschechen im Ort ein, nachdem sich die sog. Volkswehr nach Österreich ab gesetzt hat. In der Nacht wird hinter dem Kaiser-Josef II. – Denkmal ein Galgen errichtet, der Statue ein Strick um den Hals gelegt, auf einer Tafel, vor dem Sockel aufgestellt, steht: “Habsburger Vogel”. In der nächsten Nacht wird das Denkmal vom Sockel gestürzt. Zwei Burschen, die die Grenze überschreiten wol len und auf Anruf nicht stehenbleiben, werden erschossen. Bei der Auf teilung von Herrschaftsgut nach dem Boden reformgesetz erhalten die Kroaten in Guttenfeld, die sich jetzt als Tschechen erklären, den größten Teil. Die Perl mutt drechslereien im Ort werden bei der Rohstoffzuteilung derart zurück ge setzt, daß dieser Wirtschaftszweig eingeht.
Für einige Kinder von Gendarmen und Finanzbeamten errichten die Tschechen eine eigene Schule und einen Kindergarten. Nach der Mobilmachung der Tsche chen gehen 1938 die meisten deutschen Wehrpflichtigen über die Grenze und zu den Freikorps. Der Bürgermeister und Amtsträger der SdP werden als Gei seln nach Brünn gebracht. Durch Bespitzelung der Deutschen wird ein Waf fenlager entdeckt, worauf weitere Geiseln festgenommen werden. Alle Geiseln kommen vor dem Einmarsch der deutschen Truppen wieder heim. Bald ist Wien wie ehedem Absatzgebiet für Obst und Gemüse.

Bezirk, Gericht Nikolsburg 1199 (bis 1923: 1026) ha 185-200m

Die Suchentrumkweingärten ziehen sich auf dem nördlich gelegenen Altenberg (261 m) hinan.

Flurnamen:
Hausacker, Junge Weingärten, Altenkessel, Fuchsenberg, Suchentrunk, Sau kopf, Wasserstübel, Dreivierteläcker, Sandäcker, Kiebitzweingärten, Kiebitz äcker, Schweinbartherfeld, Seeviertel, Ackerln, Wiesen, Krautgärten, Felber ör tel, Kroatische, Gesenke, Breinäcker, Lange Wiesen, Bauernwiesen, Kurze Äcker

Straßen: Nikolsburger Straße, Untertannowitzer Straße, Guttenfelder Straße
Wege: Landstraße, Sandackerstraße, Wiesenstraße, Granitzweg, Langer Wie sen weg, Ackerweingartenweg, Riedweg, Sandweg, Dreiviertelackerweg, Fried hofs weg
Turnplatz, Tanzplatz
Haltergrube, Sandgribe, Trift, Haid
Engelmeiergassel, Reichlgassel, Reitergassel, Kirchengassel, Rathausgassel, Gänsezeile, Bei der Sauschwemme, In den Schafflerhofkellern, Reitschul, Hahnenfretz

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche, St. Johannes dem Täufer geweiht, 1691-96, als baufällig 1838 abge tra gen und 1853-1858 neuromanisch aufgebaut als größte im Bezirk; Turm 42 m; Hochaltarbild von Joseph von Führich: “Taufe Christi”; renoviert 1928/29 mit Kuppel auf dem Turm.
Dreifaltigkeitssäule
Hl. Florian
Kaiser Josef II. – Denkmal, 1910
2 Kreuze
Volksschule, wohl seit 1690, 1740 einklassig, Neubau 1807, Anbau mit Leh rer wohnung 1870, 1871 zweiklassig, 1882 dreiklassig, Schulgarten; 1890/91 als fünfklassige in neuem Gebäude, Bürgerschule, dreiklassig, ab 1. 11. 1938.
Kindergarten
Rathaus 1845 mit Gemeindegasthaus
Gemeindebücherei
Postamt 1882
Haltestelle 1880, Strecke Lundenburg – Znaim, Frachtenstation, Warteraum, Kanzlei 1902
Elektrifizierung 1926

Gewerbe
Mühle
7 Gasthäuser
Molkerei, später Milchübernahmestelle
Sägewerk
Hausindurstrie: Handschuhnäherei, Perlmutterknopfdrechslerei, Haarnetzerei
Gurken-, und Gänsemarkt

Vereine, Genossenschaften
Militär-Veteranenverein 1885
Freiwillige Feuerwehr 1880
Turnverein 1911
Kulturverband
Verschönerungsverein
Musikkapelle seit 1870er Jahre
Milchgenossenschaft 1908
Landwirtschaftliche An- und Verkaufsgenossenschaft 1926

Kirtag am 29. August, Johann Enthauptung