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Auspitz

48° 56′ N, 16° 44′ O

Hustopeče

Nikolsburg

Geschichte
Die älteste Siedlung heißt bis in die neueste Zeit “Böhmendorf”. Im 13. Jh. von Deutschen besiedelt, die ihre Häuser um den rechteckigen Marktplatz bauen, 1249 erstmals urkundlich erwähnt, 1320/23 kommt ein Großteil der Siedlung und der Weingärten in den Besitz des Zisterzienserinnenklosters Aula Regia in Brünn, auch Königinkloster genannt, (nach Elisabeth-Richsa, der Wit we Wen zels II). Markgraf Jodok von Mähren gewährt 1410 einen Jahrmarkt, Georg von Podiebrad 1458 einen zweiten. Wegen unsicherer Zeiten erhält die Gemein de 1510 das Recht, Mauern, Türme und Gräben zu errichten. Im Gefolge der Re for mation treten die Bewohner zum evangelischen Glauben über, 1528 lassen sich Wiedertäufer nieder (1533 auch ihr Anführer Jakob Hutter), die Brü der gemeinde gründet einen eigenen Stadtteil, bis heute “Am Tabor” genannt, sie wohnt in sog. Haushaben, woraus der Spitzname “Haba ner” für Sonderlinge ent stand. Die Pest wütet 1571 wie in Brünn, Iglau. Maximilian II. erhebt die Gemeinde 1572 zur Stadt und gewährt einen dritten Markt auf den 6. Tag nach Kunigundus, 15. September. Äbtissin Rosina ge währt 1589 einen Wochen- und Fleischmarkt. Die wirtschaftliche Bedeutung wächst, als der Weg nach Ungarn im 14./15. Jh. über Auspitz genommen wird, ab 1593 große Viehmärkte (Tiere aus Ungarn und Polen), auf dem Ochsen- und Fleckenberg bewilligt die Äbtis sin eine Hutweide für einheimisches und für den Markt bestimmtes fremdes Vieh. Auch der Weinhandel blüht. Rudolf II. ver kauft 1598 A. an Eusebius von Liechtenstein, damit erfolgt die Rückkehr zum katholischen Glauben, 1617 ist wieder ein katho lischer Pfarrer eingesetzt, 1618 werden die Wiedertäufer ver trie ben. Bethlen Gabor bricht 1623 in Mähren ein und brandschatzt Auspitz um 51.700 Gulden, in den Jahren 1634 und 1684 wüten große Brände, der 30jährige Krieg fordert zahlreiche Opfer, die Schwe den erobern 1643 und 1645 die Stadt und plündern sie aus, 1662 erfriert alles Getreide und sämtlicher Wein bis auf einen Weingar ten, die Pest fordert 1679 mehrere hundert Opfer, die Türken töten 1683 in Auspitz mehr als 380 Men schen und führen 350 in die Sklaverei. Fürst Karl Eusebius verleiht der Stadt 1671 eine neue Stadtrechts verordnung. Unter den Liechtensteinern entwickelt sich seit 1621 eine bedeu tende Judengemeinde. 1756 kommen die Piaristen, gründen ein vierklassiges Gym nasium (Lateinschule), bauen ihre Residenz mit Wirtschaftsgebäuden, 1770 bezogen. Die Latein schule wird 1777 durch kai serl. Dekret aufgeho ben, eine dreiklassige deutsche Hauptschule eingeführt, die Lateinschule 1819 bis 1822 erneuert. Der große Viehmarkt wird 1843 auf gelassen, andere Städte sind bedeutender geworden. 1892 Anschluß an die Strecke Lundenburg – Brünn durch eine 7 km lange Lokalbahn. Als 1909 eine tschechische Minder heits schule errichtet wird, kommt es zu Reibereien, worauf die Regierung den Aus nahmezustand verhängt und verstärkten Polizeidienst – 33 Gendarmen – patrouillieren läßt. Dank der Ein mütig keit der Bürger kann der deutsche Charakter der Stadt erhalten bleiben. Es folgen Elektrifizierung, Aus bau und Pfla sterung der Straßen, Bereitstellung von Bauplätzen, Ausbau von Parkan la gen, Bau des neuen Armenhauses. Die Tsche chen fördern durch Bo den reform und Bereitstellung bedeutender Geldmittel die Tschechisierung, si chern sich durch rege Bautätigkeit Schulen, Ämter und Beamtenwohnungen, während deutsche Beamte versetzt werden. Durch das Par tei engesetz kann man un liebsame Deutsche ihrer Ämter entkleiden, zum ersten Male wird 1933 ein Tscheche Bürgermeister. Die Unterrealschule (seit 1870) wird abgebaut. Nach dem Anschluß verlassen die tschechischen Beamten, Lehrer und Angestellten die Stadt, ebenso die Juden. Mit Kriegsbeginn finden die großen Märkte ein Ende, das Hinterland fehlt; die Ämter kommen nach Nikolsburg oder Lun denburg. Am 16. April 1946 erreicht die Rote Armee die Stadt, die Deutschen sind jeglichen Gewaltakten der Sowjets und Tschechen schutzlos preisgegeben. Durch Kriegseinwirkung sind 80 Gebäude abgebrannt oder beschädigt.

Stadtgemeinde, Bezirk, Gericht 1850 bis 1938, danach beides an Nikolsburg 2743 ha 200 m ü.M.

Glaubenszugehörigkeit: ca. 89% katholisch, ca. 10% tschech. Brüdergemeinde, ca. 1% mosaisch.

Flur- und Riednamen (aus schließlich deutsche, seit 800 Jahren in Ur kun den der Kaiser, Fürsten, Gemeinden und Gerichte angeführt und bestätigt):
Nördlich bis südöstlich der Straße Brünn – Lundenburg: Queräcker an der Was ser stuben, Brünnersatz, Satz unter dem Bamlberg, Rußstall, Altenberg, Oberer Altenberg, Steurowitzberg, Schilling, Murger, Schönberg, Asperln, Trep pauer, Topfen, Steinberg, Sommerischer und Winterischer Haselberg, Gibling, Hanf land (Honeflond), Winterberg, Satzl, Winterberg-Ziegelei, Turhandl, Wolf, Pau ker waldl, Wechselberg, Maaß, Mautern, Sommerischer und Winterischer Ro sen berg, Straßberg, Oberer und Hinterer Straßberg, Plangenberg, Kurze und Lange Bamlaß, Wolfsbild, Steurowitzer, Wasserstuben, Hochgericht, Mosern, Spital äcker, Hofacker, Feigelberg, Pikerln, Ackerln, Kurzer und Langer Sonn berg, Wil helms(Wils)berg, Schakwitzer, Kreuzberg, Kleiner Kreuzberg, Qual berg, Bau ersatz, Freiacker, Teichäcker, Fürstenteich, Zigeuner brun nen (brünndl), Flecken berg, Lauserer, Satzln unter die Straßberg.
Anbau: Korn, Weizen, Gerste, wenig Hafer, Weinbau, Süßholz pflanzungen
Jagd: sehr ertragreich, in guten Jahren ca. 3000 Hasen, Hunderte von Reb hüh nern, 50 – 70 Fasane.

Straßen, Gassen, Plätze:
Stadtplatz, Obere und Untere Herrengasse, Schlossergasse, Schmiedgasse, Quer zeile, Lange Zeile, Neugasse, Friedhofgasse, Böhmendorf, Am Tabor.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Stadtpfarrkirche St. Wenzel, Langhaus frühgotisch, zweite Hälfte 13. Jh., Ende 15. Jh. zu zweischiffiger Hallenkirche mit Kreuz- und Sternrippengewölbe aus ge baut, Chor 1512-1517 erneuert, Presbyterium hinzugefügt, Turmbe krö nung zeigt bereits Renaissanceformen. Am Seiteneingang Grabplatten von Rittern und reichen Bürgern. Um 1587 Turm um ca. 7 m erhöht, mit Kupfer gedeckt, Knopf und Stern vergoldet. Renovierung 1678, 1745 und 1816 vom Kirchen dach, dann wieder 1856-58, Turmhöhe jetzt 74 m. Kuppeldach 1906 durch spitz zulaufendes ersetzt. Von den alten Glocken übersteht nur die “Median” (1501, 900 kg) den I. Weltkrieg, 1926 drei neue Glocken geweiht: “Urbanus” (1560 kg), “Venceslaus” (419 kg) und “Theresia” (183 kg), weitgehend von der Bürgerschaft finanziert. Diese drei fallen II. Weltkrieg zum Opfer. Innen spätgotische Tabernakel-Licht säule von 1419. Der Turm stürzt 1961 ein, da nach weitere Gebäudeteile, Über reste weggeräumt.
Kapelle auf dem seit Errichtung 1721 Kreuzberg genannten Ochsenberg, zur Abwendung der Pest den hl. Rochus, Sebastian und Rosalia geweiht; 1892/94 neu errichtet.
Dreifaltigkeitssäule, 1688 und 1735/36 errichtet. Über Steintreppe eine Terras se, darauf ein Steinsockel, an der Vordersite Maria, an der Rückseite die hl. Ro sa lia im Relief, auf den vier Ecken stehen die Pestheiligen. Die 14,5 m hohe Säu le wird von der hl. Dreifaltigkeit gekrönt.
Johannes-von-Nepomuk-Säule 1739
Kreuzigungssäule 1793
Rathaus, 1906 in neugotischem Stil dreistöckig, mit Turm, 48 m.
Schloß, dreigeschossig
Gebäude der ehem. Piaristen-Realschule
Alte Bürgerhäuser im Renaissancestil
Haus mit Hoflauben 1579 (Stadtplatz)
Stadtbrunnen/Fischbrunnen, sog. Röhrenkasten 1596, Sandsteinskulptur, einen Triton darstel lend.
Statuen aus der Barockzeit
Steinplatte 1598, Liechtenstein-Wappen, Ecke Unteere Herren- und Binder gasse, erinnert an Untertänigkeit.
Schulen:
deutsche: Landes-Unterrealschule für Knaben und Mädchen, davor Latein schu le der Piaristen, gegründet 1755, ab 1777 dreiklassige Hauptschule, 1852 Un ter realschule, 1856 vierklassige Hauptschule, 1870 wird die Unterrealschule Lan des-Unterrealschule, beide in der Piaristenresidenz; 1883 Zubau einer Mäd chen -Volks-und Bürgerschule; von den Tschechen ausgedörrt, 1938 besteht nur noch die 4. Klasse. Nach dem Anschluß als vierklassige Oberschule.
Bürgerschule für Mädchen, 1889, 3 Klassen; davor Volksschule, eigener Bau seit 1847/48, Neubau 1883, danach fünfklassig: Neubau für Bürgerschule 1889.
Volksschule für Knaben, 4 Klassen
Volksschule für Mädchen, 4 Klassen
Kindergarten
tschechische: Kindergarten, Volksschule, Staatsgymnasium (1925), 8 Klas sen
Deutsche Volksbücherei (1895, mit Gemeindebücherei vereint, 7000 Bände)
ein deutsches und ein tschechisches Kino
Schwimmbad Ende 19.Jh.
Armenhaus für ca. 10 Insassen

Behörden:
Bis 1938 Bezirkshauptmannschaft und Bezirksgericht
Eichamt, Steueramt, Grundkataster
Postamt
Lokalbahn
Nordbahn Lundenburg – Brünn
Zwei Ärzte und ein staatlicher Arzt bei der Bezirkshauptmannschaft

Gewerbe
Fabrik zur Herstellung von Süßholzextrakt (Lakritze)
Mühle
Sägewerk
Buchdruckerei
3 Ziegeleien
Tonwarenfabrik
Molkerei

Vereine
Weinhauerbruderschaft (ältester: gegr. 1737, grüne Fahne mit St. Urbanus, Schutz heiliger, für Kirchenfeste, Prozession am Urbanustag, 27. Mai, Kreuzberg)
Turnverein (1886), Turnerriege seit 1860; (Julfeiern im Deutschen Haus, Sonn wendfeier am Wilsberg)
Männergesangsverein (1863)
Casinoverein (1869; Obliegenheiten übernimmt die Volksbücherei)
Veteranenverein (1874)
Feuerwehrverein (1875; neues Feuerwehdepot 1885; Dampfspritze 1909, Geräte haus 1925 aufgestockt, Turm 25 m; Motorspritze 1930)
Verschönerungsverein (1879, Pflege von Parkanlagen und Kreuzberg)
Damensingverein (1880)
Kindergartenverein (1882)
Schulverein (1883, mit Lehrerverein)
Studentenunterstützungsverein (1883)
Eislaufverein (1884, errichtet Schwimmbad, Brünner Straße)
Südmährerbund
Geselligkeitsverein (1887)
Schulkreuzerverein
Bezirksverein für Landwirtschaft und Weinbau
Katholischer Volksbund (gegr. nach dem Ersten Weltkrieg)
Sportverein (gegr. nach dem Ersten Weltkrieg; Fußballplatz am Spielplatz beim Schwimmbad)
Tennisclub (gegr. nach dem Ersten Weltkrieg; Plätze am Spielplatz beim Schwimm bad)
Schützenverein (Schützengilde vor 1818; kauft 1908 Hotel Austria, danach Deut sches Haus)
Unterstützungsverein für Realschüler
Studenten-Ferialverbindung “Rugia”

Kirchweihfeste zu Rochus im Böhmerdorf, zu Hl. Geist auf der Schmiedgasse, später an der Brünner Straße

Die Märkte
St. Gallus, Weinlesemarkt, Mitte Oktober, 1410
St. Prokopmarkt mit je 7 Tagen vor und nach dem heiligen, 1458
Schul- oder Pfirsichmarkt 8 Tage im September 1572
Lichtmeßmarkt Ende Jänner
Ostermarkt Mitte April
Pfingstmarkt Anfang Juni
Sichelmarkt vor Peter und Paul
Weihnachtsmarkt

Bereiche:
Textilmarkt mit Bandlkramern und Stoffhändlern, Hut- und Kappenmacher, Kürschner
Sattler, Seiler und Siebmacher, Holzwarenhändler (Kochlöffel, Spielsachen)
Zuckerl- und Würstelstände (Türkischer Honig, Roßwürstel)
An der Dreifaltigkeitssäule: Pilze
Bei Kirche und Röhrenkasten: Obst, Salz- und Essiggurken, im Frühjahr Zickelmarkt
Geflügel
Butter, Topfen und Eier (Bauersfrauen aus Groß Steurowitz und Gurdau)
Tischlermarkt (Schlachttröge aus einem Stück bis in die 20er Jahre)
Bindermarkt mit Kellerzubehör, auch Weingartenspritzen
Geschirrmarkt auch mit Wagenflechten, Wirtschaftskörben aus Weidenruten und Holzschwingen
Wagnermarkt auch Leitern für Leiterwagen, Wirtschaftsleitern, Schubkarren, Scheibtruhen, Weinstecken
Getreidemarkt
Krautmarkt im Herbst (60 bis 80 Krautbauern aus Mödritz)
Hülsenfrüchte und Nüsse

Bedeutend:
Heinrich Ritter von Kamler (geb. 1836), Oberpostdirektor
Fritz Felzmann (1895 – 1982), Arzt und Dichter
Ilse Tielsch-Felzmann (geb. 1929), Schriftstellerin