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Gesamtansicht vom Kirchturm aus

Aschmeritz

48° 58′ N, 16° 21′ O

Našiměřice

Znaim

Geschichte
Eine Burg soll bereits 1260 bestanden haben. Ende des 16.Jahrhunderts besteht eine Wiedertäufergemeinde, 1619 ist ein protestantischer Pastor belegt. Die Gegenreformation unter Kardinal Dietrichstein erzwingt die Rückkehr zum alten Glauben. Im 30jährigen Krieg wird die Kirche ausgeraubt, 1636 geht die Pfarre ein, nach 1648 sind nur acht Hofstellen besetzt, 1657 leben im Ort 10 Familien mit 40 Seelen. Der Ort bleibt bis 1823 nach Wolframitz eingepfarrt, nur jeden 3.Sonntag wird eine Messe gefeiert. 1884 bis 1888 wird die Ernte durch Hagelschlag vernichtet.
Im I.Weltkrieg fallen 21 Mann. 1924 entlassen die Tschechen die deutschen Meierhof-Arbeiter und stellen tschechische an, deren Kinder gehen in die tschechische Minderheitsschule, ebenso die Kinder jener Deutschen, die sich in den tschechischen Kataster haben eintragen lassen. Deutsche werden fast nie eingestellt, sie bekommen einen Unterstützungswertschein von 10 Kronen pro Woche. Im Juni 1933 durchfährt der neue Präsident Benesch Südmähren. An der Mißlitzer Straßenkreuzung müssen die Gemeindevertreter und die Schulkinder von Mißlitz, Kaschnitz, Irritz, Damitz, Tullnitz, Socherl und Aschmeritz Aufstellung nehmen, sechs geschlossene Limousinen sausen mit kaum vermindertem Tempo vorbei, ein kurzes Winken mit unbewegter Miene wird ihnen zuteil. Im September 1938 folgen die Männer nicht dem Einberufungsbefehl zum tschechischen Militär. Am 9.Oktober marschiert die Wehrmacht ein. Im II.Weltkrieg fallen 15 Mann. Am 7.Mai 1945 fallen Spreng- und Brandbomben auf den Ort, die Leute suchen Schutz in den Kellern. Am 8.Mai dringen die Rotarmisten ein, jedes Haus wird geplündert, zuerst von den ortsansässigen Tschechen, dann von den Sowjets, junge Frauen und Mädchen werden aus den Kellern geholt und vergewaltigt. Die nachkommenden tschechischen „Partisanen“ peinigen und foltern Deutsche. Im Sommer 1945 sind die Häuser von Tschechen aus Wolhynien besetzt. Am 17.August werden sieben Männer festgenommen und ins Lager Mährisch Kromau verbracht, andere werden zur Zwangsarbeit verschleppt. Die Deutschen werden im März 1946 ausgetrieben, die Eingesperrten folgen im Dezember.

Brauchtum
Dienstbotenwechsel: Zu Stefani machen die Knechte nach dem Essen mit dem Dienstherrn ihre Abrechnung, zu Drei Könige treten sie wieder ein. Manche bleiben jahrelang am Platz. Manches Haus kommt durch häufigen Wechsel in Verruf. Über einen Neuaufgenommenen sagt man dann: „Der wird in dem Haus keinen Salzstock aufessen!“

Der alte Brauch des Osterreitens wird nach dem 1.Weltkrieg durch den Turnverein neu belebt und bis zum Ausbruch des II.Weltkriegs aufrecht erhalten. Der Ritt beginnt bei der Kirche nach der Segnung des Kreuzes und der Pferde beim Marterl und führt über die Gemarkung zur Kirche zurück, in die alle Reiter gehen. Anschließend findet eine kleine Feier im Vereinshaus statt.

Bauernweisheit:
Wer bei der Schüssel sitzt, löffelt.
A Wort g’redt – an Biss’n vasahmt. (Ein Wort geredet = einen Bissen versäumt)
Mit da Gobl is’ a Ehr – mit’n Löffl kriagt ma mehr.
Zigarrln rauchen und Läus’ haben! (Über einen Großtuer)

Matriken seit 1823, (davor seit 1680 bei Wolframitz).

Literatur:
Judex, Felix: Aschmeritz. 1964

Bezirk und Gericht Mährisch-Kromau

Straßendorf 605 ha, 217 m ü.d.M.

Bodennutzung: Gerste, Weizen, Roggen für den Hausgebrauch, Rüben, Linsen, Hirse, Klee; die Ortsstraße: eine Birnenallee, Zwetschgen, Marillen, Kirschen.

Straßen, Plätze: Oberer Ort mit Rathaus und Tanzplatz, Unterer Ort oder Prater, meist von Häuslern bewohnt; in Norden: „Hintaus“, die Scheuern, die den Hof abschließen; im Süden „Lucka“ und „Am Berg“.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Saalkirche St.Aegydius, nach Brand 1893 wiederhergestellt. Drei Altäre, Kanzel, Taufstein neugotisch von 1823. 3 Glocken, eine aus 1370. Grabstein des Joh. Kranz, †1656, Leibarzt des polnischen Königs Kasimir II.
Pfarrhof, 1826.
Friedhof um die Kirche.
Elektrifizierung, 1929.
Brunnen mit Pumpenhaus und Schwimmbecken, 1934.

Schule: Schon für 1673 ist ein Lehrer nachgewiesen, 1792 erstes Schulhaus (später Gemeindegasthaus); Neubau 1830, einklassig; nach 1900 Anbau, zweiklassig; nach 1918 beschlagnahmen die Tschechen ein Klassenzimmer für 3 Schüler.

Gewerbe:
Meierhof, ca.100 ha.
Schmied, Wagner, Sattler, Schneider, Schuster, 2 Zimmerleute.