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Althart mit Neuhart

49° 1′ N, 15° 27′ O

Staré Hobzí

Zlabings

Geschichte
Eine der ältesten Siedlungen in Mähren, erstmals 1190 urkundlich erwähnt, als Dorf Hart mit Kapelle zum hl.Andreas, Gasthaus, Mühle und 14 Höfen dem Patronat des Prämonstratenserklosters Bruck bei Znaim unterstellt, 1220 Pfarrkirche; neben dem klösterlichen Obergut entsteht als neue Siedlung, das vor 1350 entstandene Untergut mit einer Veste, im Besitz adliger Herren; bis 1694 bestehen zwei selbständige Teile, dann wird das Ober- (35 Hs.) an das Untergut (30 Hs. und 10 Judenhs.) verkauft; ca 1590 bis 1623 ist die Pfarre evangelisch.
1645 wird der Ort von den Schweden verwüstet, 1676 zur Unterscheidung vom neugegründeten Neuhart Alt Hart genannt. 1685 werden aus Österreich vertriebene Juden angesiedelt, 1694 werden Unter- und Obergut vereinigt. Nach der Ermordung des Grafen Deblin gelangt die Herrschaft 1784 an die Staatsgüteradministration.
Im 18.Jh. werden eine Baumwollstoff-Fabrik, eine Spinnerei und eine Glasfabrik gegründet. 1771 bis 1827 werden 21 Wohnhäuser erbaut für die Arbeiter der Glas- und Spinnfabrik, die im „Philippstal“ (benannt nach dem geadelten Philipp [Ritter von] Flick) erbaute Glasfabrik (Hohl- und Spiegelglas) ist seit 1820 im Besitz von Johann Max Ritter von Flick, 1839 wird sie geschlossen. 1806 verkauft Johann Peter Flick 38 Höfe an Bauern der Herrschaft. Mit der Aufhebung der Robot beginnt der Zuzug von Tschechen. Für die Bewirtschaftung der vier Meierhöfe und die Waldarbeit werden die billigeren tschechischen Taglöhner und Knechte bevorzugt. Ihre Seßhaftigkeit beginnt in den 80er Jahren des 19.Jh. in bewußter Ausdehnungsabsicht im Bereich von Gewerbe und freien Berufen, danach vor allem durch Unqualifizierte, die bei der Herrschaft Arbeit finden. Bei der Bodenreform werden sie unter Ausschluß der Deutschen großzügig bedacht, die Herrschaft wird 1924 enteignet, Mgf. Pallavicini behält nur das Schloß, das 1937 von acht Bürgern aus Althart erworben wird.
Im Krieg fallen neunzehn Mann, zwei bleiben vermißt. Eine Frau tötet sich aus Angst vor den Sowjetsoldaten, ein Mann erschießt sich als „Partisanen“ sein Haus umstellen. Am 7.Juni 1945 werden fünf, sechs Geiseln an die Wand gestellt, binnen einer halben Stunde müssen die Deutschen ihre Häuser verlassen haben, ausgenommen sind zehn Familien, die das Vieh vorläufig zu versorgen haben; zweimal werden sie ausgeraubt, unter Herumgeschieße Richtung Petschen getrieben.
397 Deutsche werden vertrieben, 23 bleiben in Mischehen zurück.
Im Feber 1946 erfolgt der Abschub aus Österreich.

Kirtag: Am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt (15.August), sowie Kaiserkirtag,
Matriken seit 1642,

Bedeutend: Eleonora Polly (1915 – 2004), Heimatkundlerin

Literatur:
Hruschka, Rudolf/Polly, Eleonora: Neues Heimatbuch der Gemeinde Alt-Hart.
Hruschka, Rudolf: Geschichte der Marktgemeinde Alt-Hart. 1976
Hruschka, Rudolf: Die Entstehung der Ortschaft Neu-Hart. o.J.
Smutná, Kate?ina: Staré Hobzí 1190-1990. 1990

Marktgemeinde mit Neuhart
Bezirk Datschitz, Gericht Zlabings;1938-1945 Kreis Waidhofen (Thaya)
Dreieckplatzdorf 1746 ha, 514m ü.d.M

Lage am Fuße eines Wachtberges, bis 1907 Obergut und Untergut selbständig.

Brücken und Stege über die Thaya:
Steinbrücke unterhalb der Bruckmühle, 1864; gemeindeeigene Holzbrücke in Neuhart; herrschaftliche Holzbrücke bei der Brettsäge hinter der Steinbrücke im Johannestal; Holleschitzer Steg, unter der Aumühle; Steg unterhalb des Hegerhauses,

Anbau: Hafer, Gerste, Roggen, Rüben, Mohn,

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und hl.Apostel Andreas geweiht, Chor 14.Jh., zweischiffige Halle 15.Jh., Turm 1630; Hauptaltar neugotisch; 1220 als Pfarre urkundlich genannt, bis 1784 von Stift Bruck besetzt. Friedhof 1832 außerhalb.
Statuen: Hl.Johannes von Nepomuk, am Dorfplatz, Hl.Maria, vor dem Schloß, Hl.Margaretha, an der Kirche, sie stammen aus der 1785 aufgelassenen Kirche von Montserrat,
Hl.Josef, errichtet 1785 für den ermordeten Graf Josef Franz Deblin,
Missionskreuz 1827,
Kapelle an der Bruckmühle 1920, Kapelle hl.Florian vor dem Lusthof,
Wegkreuze, Statuen, Marterln,
Schloß, Neubau 1674, dreiflügelig, dreigeschossig. Umbau 1726/33. Mit Schloßkapelle hl.Thomas. Vorgängerbau, nahe verfallener mittelalterlicher Veste, 1415 verödet.
Schule: Volksschule, 1827, zweiklassig, schon 1657 erwähnt,
Kindergarten,
Postamt, 1869 bis 1938, dann in Zlabings;
3 Meierhöfe: Lusthof, 1712, Johannihof, 1839, Hönitzerhof, 17.Jh.
Brennerei, genossenschaftlich
Staatliches Forstamt und Hegerhaus,
Elektrifizierung vor 1930, Wasserleitung 1942,

Gewerbe:
2 Mühlen: Bruck-Mühle, 1190 zu Kloster Bruck (bis Ende 17.Jh.), älteste Mühle in Mähren; Neuharter Mühle, vor 1676, nach 1720 verlegt.
Bis 1904 besteht die Aumühle, bis 1672 die Böhm- oder Oberguter Mühle, bis ca. 1700 die Hofmühle.
3 Gasthäuser, 3 Gemischtwarenhandlungen, 3 Bäcker, 2 Gemüsehändler, 2 Schmiede, ein Schlosser, ein Wagner, 2 Tischler, mehrere Maurer, 2 Schneider, 2 Schneiderinnen, 2 Eiersammelstellen
2 Straßenwärter („Straßeneinräumer“),
Gemeindebedienstete: Gemeindediener, Nachtwächter, Feldhüter

Vereine, Genossenschaften:
Freiwillige Feuerwehr
Spar- und Darlehenskassa 1923