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Altschallersdorf

48° 51' N, 16° 4' O

Stáry Šaldorf

Znaim

Geschichte
Als Ort zwischen Mühlgraben und dem toten Thaya-Arm in der Flußschleife schon 1230 genannt, urkundlich 1307 ein Meierhof, villa Schalichhof, kommt 1392 an die Stadt Znaim, zu deren Herrschaft der Ort bis 1848 gehört. Seit 1325 besteht eine Mühle. Um 1580 wird auf dem Grund der Ortschaft Neuschallersdorf gegründet. 1640 erscheint erstmals Alten-Schallersdorf, 1672 New-Schallersdorf. Bis 1580 wird am rechten Thaya-Ufer die Siedlung Neueigen („Neioagn“) gegründet, 1586 ruft Abt SebastianII. Jesuiten zur Rekatholisierung.
Das alte Dorf mit seinen 66 Häusern zerstört am 23.Feber 1799 ein Eisgang, nur 12 Häuser, Mühle und Wirtshaus bleiben stehen, es wird an beiden Seiten der Wiener Reichsstraße auf einher verödeten Hutweide neu erbaut. Die Straßenfront der Häuser zeigt drei Fenster links von der Eingangstür, zwei rechts davon, daher der Name „Fünffensterdorf“. 1805 brennen die Russen die überdachte Thayabrücke nieder, die Franzosen bauen sie wieder auf (siehe hl.Nepomuk!). 1809 wird der Ort in der Schlacht bei Znaim, nachdem die Thayabrücken genommen waren, von den Franzosen erobert und gerät in Brand. 1834 brennt beinahe das ganze Dorf ab. 1849 werden die beiden Gemeinden vereinigt, 1873 wird die Trennung erlaubt.
Im Ersten Weltkrieg fallen 42 Mann. Die Zunahme des tschechischen Einwohneranteils nach 1918 wird verursacht durch den Zuzug tschechischer Arbeiter von Znaimer Fabriken sowie insbesondere durch die Berufssoldaten der Garnison Klosterbruck, die bei Zuzug der Familien vom Staat gefördert werden.
1936 werden im Gemeindegebiet zwei Bunker gebaut.
Mit 1.April 1939 werden die sieben Gemeinden des Thayabodens nach Znaim eingemeindet. Gegen Ende des II.Weltkrieges mehrmals von Bombern und Tieffliegern angegriffen, dabei kommen zwei Personen um, zahlreiche Häuser werden zerstört oder stark beschädigt.
Im II.Weltkrieg fallen 40 Mann. Am 8.Mai 1945 wird die Thayabrücke gesprengt. Am 9.Mai dringen die Sowjets ein, Raub und Vergewaltigung nehmen kein Ende. Ca.100 Männer müssen beim Bau einer Notbrücke über die Thaya mitarbeiten. Danach kommen die Tschechen, „Partisanen“ rauben die Häuser aus, Besetzer kommen, die Besitzer werden verdrängt, viele werden als Zwangsarbeiter verschleppt. Manche fliehen nach dem 28.Mai über die Grenze, die meisten werden im Frühjahr 1946 vom Bahnhof Znaim nach Deutschland transportiert, die letzten im Mai, insgesamt 165 Familien (725 Personen). In Österreich bleiben 193 Personen, in Baden-Württemberg 230 Personen, in Bayern 225, in anderen Teilen Westdeutschlands 60.
Die Häuser des Dorfes wurden 1977/78 geschleift.

Brauchtum
Zum Dreikönigsfest werden in der Kirche Wasser, Weihrauch und die Kreide geweiht, mit der man auf den Türsturz C+M+B sowie die Jahreszahl schreibt. Sternsinger ziehen von Haus zu Haus, bitten um milde Gaben.
Am Georgitag (23.April) sammelt sich die Gemeindevertretung zur Begehung der Gemeindegrenzen. Im Dorf gibt es auf Gemeindekosten ein gutes Wirtshausessen.
Am 1.Mai setzen die Burschen ihrer Angebeteten eine mit bunten Bändern geschmückte Birke vors Fenster, ebenso den Ortsgewaltigen, am folgenden Sonntag trifft man sich zum Tanz unter dem Maibaum. Der Kirtag am zweiten Sonntag im September dauert zwei bis drei Tage.
Im Oktober folgt das Weinlesefest im Gemeindegasthaus, um Martini geht man zum Weinkosten.
An Winterabenden kommt man zum Federnschleißen zusammen mit Singen und Erzählen, zum Abschluß gibt es in jedem Haus den „Federhahn“; einen guten Braten, später Tee mit Weinkrapfen, meist wird ein Ziehharmonikaspieler eingeladen, der zum Tanz aufspielt.
Zu Silvester bietet der Klosterbrucker Gesangverein ein Theaterstück oder ein Singspiel.
Spitznamen: Die Neuschallersdorfer nennen die Altschallersdorfer „Schofaufhänger“, weil sie Schafe züchten, sie revanchieren sich, indem sie die Neu-Schallersdorfer „Küahschwaf“ oder „Goaßschwaf“ nennen, weil die Kühe oder Ziegen auf dem Kellerberg hüten.

Bezirk und Gericht Znaim

Breitstraßendorf 513 ha, 290 m ü.d.M.

Flurnamen: Unter- und Oberlehen, Wiesenäcker, Ortsried, Krautgärten mit Drawing, Weidefleckeln, Felberstückeln, Erstes Feld mit Dürrnbach, Haiden mit Haidstückeln, Zweites Feld mit Dürrnbach und Goldbergen.

Bodennutzung: Landwirtschaftliche Betriebe: um 1900 noch 75, 1945 nur 45, meist nicht größer als 5ha; vor allem Gemüseanbau, ergiebig auch Obstbau (Kirschen, Aprikosen, Pflaumen, Mirabellen, Ringlotten, Äpfel, Birnen) und Weinbau, 1897 mit 18,32ha, 1925 mit 5,59ha, zugleich nimmt der Gurkenanbau in gleichem Maße zu.

Straßen, Plätze: Ortsteil Oberdorf oberhalb der Brünner Straße, Unterdorf von der Brünner Straße bis zur Steinbrücke (mit Marienstatue), Ortsteil Zwischen den Brücken; Wiener Straße, Retzer Straße mit Weinkellern (Kellergasse, 800m, mit Vorgärten vor den Preßhäusern, Gasthaus „Blauer Keller“, gepflastert bzw. asphaltiert); Schallersdorfer, Lehen-, Mütterheim-, Gärtner-, Hof- und Parkgasse; Mitterweg; Steinbrücke und Oblaser Brücke über die Thaya.
Ortsteil Blumendorf am rechten Thayaufer (Blunzendörfl)

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Kapelle, 1899 erweitert aus einem Vorgängerbau von 1800 mit Gedenktafel zum Untergang des alten Dorfes 1799. Nach Klosterbruck eingepfarrt. Von den Tschechen abgerissen.
Marienstatue auf der Steinbrücke, 1854 zur Erinnerung an die Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis. (Nach 1945 neben die Straße gesetzt)
Pestsäule 1679/82, am Haus Nr.24.
Hl.Johannes von Nepomuk, 1720, mit Inschrift „Ponte per Russos combusto, per Gallos autem restituto“.
Steinkreuz, 1886, an Haus Nr.45, „Errichtet zur Ehre Gottes von der Gemeinde Alt-Schallersdorf“.
Kaiser-Josef-II.-Denkmal, 1884, an der Ecke Wiener-Brünner Straße; 1918 entfernt, später:
Kriegerdenkmal, 1923 anstelle des Kaiser-Josef-II.-Denkmals von 1884, 1945 demoliert.
Auf dem Friedhof betender k.u.k.-Soldat aus Stein in Überlebensgröße von 1917 und Ehrenmal für preußische Gefallene von 1866 (1902).
Säule im Gewann Steinbruch, Neuschallersdorf, mit Pflugeisen und Inschrift: „Ich fir in meinem Pecier eyn Pflugeysen. Wenzel Triegler von Alten-Schallersdorf und Dorothea seine Hausfrau. 1637.“
Zahlreiche weitere Marterln und Säulen.
Buslinien Znaim-Wien und Znaim-Kaidling,
Post- und Telegraphenamt, 1894-1925 (dann in Znaim), Telefon 1901,
Gendarmeriestation, 1899.
Feuerwehrzeughaus, 1904.
Seit 1939 Bezirksabgabestelle für Obst und Gemüse (BAST).
Elektrifizierung, 1916 (Südmährische EAG).
Wasserleitung, 1929, davor sechs Gemeindebrunnen sowie zahlreiche hauseigene Brunnen.
Privatsanatorium Dr.Theodor Jilly, 1939 Entbindungsheim.
Distriktarzt (Dr.Ludwig Wieder),
Notspital in Nr.117, Armenhaus in Nr.75,
Hebamme

Schule: Nach Klosterbruck eingeschult.

Gewerbe:
Dampfmühle an der Thaya
Dampfmolkerei, 1901, Fa.Franz Wieharts Sohn aus Wien bis 1918, danach von der Stadt Znaim übernommen, später von der Milchindustrie-GmbH Prag-Smichov, bis 1938.
2 Gurkenkonservenfabriken
Zementfabrik Wilhelm Bühner, Steinmetz.
5 Gasthäuser, 6 Gemischtwarenhandlungen, 2 Bäcker, Konditorei, 2 Fleischhauer, Schmied, Schlosser, Dachdecker, Wagner, 2 Tischler, Hafner, Maler, 2 Glaser, 2 Schneider, 3 Damenschneiderinnen, 3 Schuhmacher, Maurer, Korbmacher, 4 Gemüsehändler, 3 Friseure, Spediteur, Milchhandlung, Kaminfeger, Elektrogeschäft.

Vereine:
Klosterbrucker Gesangsverein, 1885.
Bund der Deutschen Südmährens, 3 Gruppen von 1899, 1902 und 1910.
Freiwillige Feuerwehr, 1904.
Burschenschaft Alt-Schallersdorf, 1910.
Verschönerungsverein, 1910.
Thayabodener Militär-Veteranenverein, 1899, ab 1924 Kameradschaftlicher Unterstützungsverein am Thayaboden.
Deutschvölkischer Turnverein Thaya, 1920.
Radfahrverein Falke, 1927.
Deutscher Schulverein, 1911, ab 1920 Deutscher Kulturverband.

Bedeutend:
Jilly d.Ä., Dr.Theodor (*14.11.1874, Zulb, †9.11.1929 Brünn), Arzt und Gründer des Sanatoriums, Obmann des Turnbezirks Znaim und des TV „Thaya“.

Jilly d.J., Dr.Theodor (*28.7.1901 Altschallersdorf, †18.7.1977 Ellhofen bei Heilbronn), Arzt, Heimatforscher, Zoologe, Botaniker.

Vrbka, Anton (*17.5.1860 Ungarisch-Hradisch, †2.6.1939 Znaim), Volksschuldirektor und Heimatforscher.

Wieder, Dr.Ludwig (*19.8.1870 Damitz, †8.4.1951 Ellhofen), Arzt, Botaniker, Heimatforscher.

Matriken seit 1580 (bei Znaim-Klosterbruck).

Literatur:
Lang, Johann: Heimatbuch Altschallersdorf. 1998