o-001-01-Adamsfreiheit « »

Adamsfreiheit

49° 3′ N, 15° 8′ O

Hůrky

Neubistritz

Geschichte
Adam Paul Graf Slawata (+ 1657) ruft 1630 Bergknappen aus dem Erzgebirge, die auf der Hochebene westlich des Kreuzberges in Schwefelkiesgängen nach Erzen zur Schwefel- und Vitriolgewinnung graben sollen. Gründe von den umliegenden Gemeinden werden 1637 für ca. 30 Familien abgetrennt, sie sind von Robot, Kontribution, Wehrdienst und Einquartierung befreit, in jedem Haus darf Bier und Wein abgabenfrei ausgeschenkt werden, das Vieh darf gegen Entgelt auf die Gemeindeweide getrieben werden, der Gemeindehirt hütet es. Die Ansiedlung wird nach Neubistritz eingepfarrt. Als der Ertrag abnimmt, wird das Bergwerk nach rund 100 Jahren stillgelegt. Danach werden Spitzenklöppelei und Leinenweberei betrieben, Fuhrleute bringen die Produkte bis Ungarn. Da die Landwirtschaft die Bewohner nicht ernähren kann, kommt es zur Abwanderung, Josef II. schafft eine Kolonie, um sie zu halten. Er löst das Paulanerkloster auf, Baugrund wird verkauft, erste Ansiedler sind aus Adamsfreiheit, Kloster gilt als Adamsfreiheiter Kolonie. 1833 wird ein Armenfonds eingerichtet: im Pfarrhaus erhalten wöchentlich 7 Arme 14 Kreuzer. Um 1840 Beginn der Baumwollweberei, sie nährt bald 300 Hausweber, daneben Färberei und Weißwäscheerzeugung, Spitzenhändlerinnen kommen bis nach Debreczin. Seit 1841 mit Marktrecht ausgestattet. Der Leitenberg, eine steinige Hutweide, wird in Ackerland umgewandelt. 1891 entsteht eine Fabrik für Bandweberei, 1902/03 beginnt die Herstellung von Strickwaren, meist in Heimarbeit. Zur Pfarrgemeinde gehören Zinolten, Leinbaum, Kaltenbrunn und Kunas (1840 zu Hosterschlag). 1900 zerstört ein Großbrand die Kirche und drei Häuser. Im I. Weltkrieg fallen 14 Mann, der Zweite fordert 28 Opfer. Am 28. Mai 1945 kommt ein Bus mit bewaffneten Tschechen, die Rotarmisten ziehen ab. Die „Partisanen“ veranstalten Verhöre im Gasthaus, gegen Mittag wird der Bevölkerung befohlen, um zwei Uhr in der Ortsmitte anzutreten. Die Häuser werden durchgekämmt, dann werden die Deutschen, jeder mit einem kleinen Bündel, gegen Neubistritz aus dem Ort getrieben, unterwegs werden ihnen Geld und Sparbücher weggenommen, die ehemaligen Parteifunktionäre werden mißhandelt und kommen en erst eine Stunde später blutverschmiert an. Von schwerbewaffneten Tschechen bewacht, geht es durch Neubistritz zur Grenze, dort durch einen Torbogen mit der Aufschrift „Wir danken unserm Führer“. Einige Tage später werden fünf Familien aus Österreich zurückgeholt und in ein Lager gesteckt; gebraucht, um Tschechen die Bandweberei zu erklären. Am Sonntag müssen sie die Straßen kehren, werden dabei von jedermann nach Laune verhöhnt. Erst nach einem Jahr kommen sie über das Lager in Neuhaus nach Österreich.

Viehmarkt am Montag nach dem 15. Juli und nach dem 12.Oktober.

Marktgemeinde (1835). Bezirk Neuhaus, Gericht Neubistritz 224 ha. 672 m ü.d.M.

Schneereichster Ort des Kreises; ein großer Teil als Viehweide genutzt, der Gemeindeviehhirt holt das Vieh zur Weide, beaufsichtigt es und führt es zurück.

Flurnamen
Lehen (Pfarrer?), Gern, Hinter der Hoin (Hutweide), Städterhübel (der Stadt Neubistritz), Gellert, Mahring, Stoaberi (Steinberg), Girwieselland, Gmoastückeln (Gemeinde), Leiten (Berglehne), Kronawitberi (Wacholderbeersträuche), Gmouln, Schütthaufen (Abfall vom Bergbau?), Loamgruam (Lehmgrube), Stierwiesen

Straßen, Plätze
Neubistritzer, Grambacher, Guttenbrunner, Zinoltener, Häuslstraße
Kirchenplatz, Johannisplatzl, Dreihäuslgrund, Maringweg, Klosterweg, Leinbaumer Weg, Wohagenweg (beim Wohak, Familienname), Odomweg (Adam), Leitenweg

Baudenkmäler, Einrichtungen
Pfarrkirche St. Jakob d. Ä., vergrößert 1769 aus Kapelle von 1735; klassizistische Ergänzungen; Pfarrkirche 1781; 1815/16 Neubau; 1900 niedergebrannt, wiedererrichtet; Hauptaltar Wiener Arbeit. 3 Glocken von 1823/32/54.
Kapelle Johannes von Nepomuk, 18. Jh.
Pfarrhof 1765
Wallfahrtskapelle „Maria Schutz“ auf dem Steinberg („Kreuzberg“, 700 m, 28 m über Ortshöhe) 1841, Kreuz 1839, Kreuzwegstationen 1840; von den Tschechen 1945 gesprengt.
Dreiseithof mit Tor, 18. Jh.
Haus mit Tor, 17. Jh.
Volksschule: Seit Ortsgründung Schulbesuch in Zinolten, ab 1729 Unterricht in Privathaus, erstes Schulgebäude verkauft, 1797 Neubau, mangelhaft, daher 1833 Anmietung von Räumen im Gasthaus; Schulhaus 1834 repariert, 1858 Abriß und Neubau (77 Schüler: 41 Knaben, 36 Mädchen), ab 1918 zweiklassig, ab 1922 bei nur 33 Schülern einklassig.
Kindergarten 1938
Ortsbücherei 1939
Kriegerdenkmal
Armenhaus mit 2 Wohnungen
Bahnhof (mit Sichelbach) 1898
Elektrifizierung 1929
Postamt, Fernsprecher ab 1938
Postwagen täglich nach Neubistritz, kann 2 bis 3 Personen mitnehmen.

Fabrik 1891 (Bandweberei)

Genossenschaften:
Konsumgenossenschaft 1902
Raiffeisenkassa