Zacharias (auch Zachäus) Andreas Winzler

Salpeterfabrikant und Erfinder

1750 Unlingen/Donau - ?

In Znaim experimentierte um 1800 Zacharias (auch Zachäus) Andreas Winzler, der sich mit der Erzeugung und Verwendung des Gases befasste. Geboren wurde er am 23.August 1750 in Unlingen in Schwaben, unweit von Riedlingen a.d.Donau, das damals zu Vorderösterreich gehörte. Er studierte zuerst Theologie, dann Medizin, vor allem aber Chemie und Mineralogie, was er besonders für die Salpetergewinnung, die sein Vater betrieb, brauchte. Selbst auch ständig mit der Verbesserung der Salpetererzeugung beschäftigt, gelangte er vermutlich über das Banat, über Varasdin und über verschiedene Wirkungsstätten in Deutschland nach Wien, bis er am 1.März 1800 mit Vinzenzia Seher, der Witwe des Salnitererzeugers Leopold Seher, einen Kaufvertrag über die vor dem „Untertor“ der königlichen Kreisstadt Znaim gelegene Salnitersiederei und Plantage abschloss.
Von nun an sein eigener Herr konnte sich Winzler immer mehr der wirtschaftlichen Ausnützung der Brennstoffe in den Feuerungsanlagen zuwenden. Bedingt durch den in Europa immer fühlbarer werdenden Holzmangel versuchten immer mehr Techniker, durch Verkohlung von Holz ein brennbares Gas zu erzeugen und somit sparsam zu heizen, zu beleuchten und neben der Holzkohle auch noch wertvolle Nebenprodukte zu gewinnen. In Frankreich war es der Ingenieur Philippe Lebon, bei uns eben Winzler in Znaim; beide nannten ihre Erfindung Thermolampe. Von Winzler erschien 1803 bei Siedler in Brünn eine Abhandlung unter folgendem Titel: „Die Thermolampe in Deutschland; oder: vollständige, sowohl theoretisch als praktische Anleitung, den ursprünglich in Frankreich erfundenen, nun aber auch in Deutschland entdeckten Universal-LeuchtHeizKochSudDestillir und Sparofen zu errichten. Entdeckt und verfasst von Zach.Andr. Winzler, der freien Künste und Weltweisheit Doktor, auch Eigentümer einer k.k. autorisierten Salpeterplantage zu Znaim in Mähren“. Unter dem Begriff Thermolampe muss man sich ein kleines Gaswerk für den Hausgebrauch vorstellen, das eben nicht nur für Beleuchtung sorgt. Winzler hatte bereits im September 1801 seine Thermolampe in seinem Haus aufgestellt und wie er in einem Brief mitteilt ihre Wirkung dem Urteil des Publikums der Stadt Znaim unterworfen. Eine solche Lampe stellte er auch in der Wohnung des damaligen Kreishauptmannes Vinzenz Edler von Rosenzweig auf, ebenso in der Znaimer Kaserne. Auf Veranlassung des k.k. Feldzeugmeisters in Brünn, Graf Baillet de Latour, wurde diese Lampe in der Znaimer Kaserne (Znaimer Burg) zum Beheizen der Zimmer und zur Bereitung des Essens für 50 bis 60 Mann verwendet. General Froon studierte über Befehl des Feldmarschalls Erzherzog Karl diese Einrichtung in Znaim.
Trotz der durch die Napoleonischen Kriege verursachten Rückschläge fanden Winzlers Thermolampen in höchsten Regierungskreisen Anerkennung und in sämtlichen Habsburgischen Erblanden Abnehmer, und zwar als Verkohlungsofen auch in verschiedenen Gewerbe und Industriebetrieben wie Kattunfabriken, Eisenhütten, Hammerwerken, Ziegel und Kalkbrennereien.
Nach dem tragischen Tod seiner Frau im Juli 1808, sie stürzte in einen mit einer kochenden Flüssigkeit gefüllten Kessel in seiner Fabrik, dürfte Winzler von Znaim weggedrängt haben. Er könnte sich bereits 1810 in Wien aufgehalten und vielleicht zeitweilig seinen Wohnsitz nach Klosterneuburg verlegt haben. Nach den heutigen Begriffen hatte Winzler 1812 in Wien ein Ingenieurbüro für Feuerungsanlagen eröffnet. Wir kennen sein weiteres Leben nicht 1816 findet sich ein letzter Hinweis auf seine Anwesenheit anlässlich der Aufstellung einer Thermolampe in Slowenien ; es ist auch bis heute unbekannt, wo und wann Winzlers ereignisreiches Leben zu Ende ging.
Der guten Ordnung halber sei noch angeführt, dass sogar in einigen technischen Abhandlungen Zacharias Andreas Winzler mit Friedrich Albert Winzer verwechselt wird, der bald nach 1800 nach London ging, seinen Namen auf Winsor änderte und dort die Gasbeleuchtung einführte. Heide waren nicht unbedeutende Pioniere des Gasfaches.

tätig: Wien | Znaim |