Niklas von Edelspitz

Baumeister

„Der Steinmetzemeister Niklas von Edelspitz und seine Bautätigkeit in Znaim und Umgebung von 1440 bis 1468“ – so ist die kulturgeschichtliche Studie von Anton Vrbka aus dem Jahr 1911 betitelt. Alle Znaimer kennen Meister Niklas von Edelspitz als den Erbauer des Znaimer Rathausturmes, eines Kunstwerkes seltener Art, des freundlichsten Wahrzeichens dieser Stadt. Wir kennen aber weder sein Geburtsjahr noch seine Sterbedaten, wir wissen nur von einer lateinischen Inschrift an der Ostseite des Turmes, dass „am Montag nach Margaretha im Jahre 1445 vom Steinmetzemeister Nikolaus von Edelspitz mit diesem Bau begonnen wurde“. Das Fertigstellungsdatum finden wir mit 1448 an der Nordseite des Turmes angegeben. Niklas stammte wahrscheinlich aus dem Freihof Enclins, der bereits 1328 als Edelspitz genannt ist. Außer dem Umbau des Znaimer Rathauses, das aber durch verschiedene weitere Um und Zubauten bzw. Restaurierungen nicht mehr im Aussehen des 15. Jahrhunderts erhalten ist, und dem Rathausturm dürfte Meister Niklas am Bau des Pardubitzer Schlosses beschäftigt gewesen sein, wo sein Steinmetzzeichen  zwei gekreuzte Richtscheite wie unter der Inschrift an der Ostseite des Znaimer Rathausturmes vorhanden ist. Man schreibt ihm auch das grüne Tor in Pardubitz zu, doch lässt sich nicht nachweisen, ob er diesen Bau wirklich ausgeführt hat. Überdies hätte er im Jahr 1507 mehr als achtzig Jahre alt sein müssen. Nachweisbar von ihm stammt aber das über dem romanischen Chor aufgebaute hohe Presbyterium in Klosterbruck und der Kreuzgang, die St. Wolfgangkirche in Gnadlersdorf und das Presbyterium der St. Niklaskirche in Znaim. Vermutlich war er auch beim Umbau der Michaelerkirche in Znaim (1472 bis 1495) beschäftigt, dann scheint er der Erbauer des Turmhelmes der Kornitzer Kirche zu sein. Die Verwandtschaft der Helmbildung dieses Turmes und des Znaimer Rathausturmes ist zu auffallend. Eine Ähnlichkeit zeigt sich auch am Turmhelm des Rathauses in Olmütz. Das gotische Sakristeiportal in St. Niklas und die einmalig schöne gotische Gedenksäule dürften nach seinen Zeichnungen von seinen Schülern ausgeführt worden sein. Hinter dem Hauptaltar der St. Niklaskirche findet man als Schlussstein sein Porträt, das in Gips abgegossen, oberhalb des Einganges ins Lapidarium des Znaimer Museums eingefügt wurde. Nach der Meinung mancher Kunsthistoriker war Meister Niklas auch an Arbeiten im Innern des St. Stephandomes in Wien beschäftigt.

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