Reisen und Veranstaltungen der JMG

St.-Wenzel-Seminar

 

Wenzel von Böhmen (*908 †28.09.929/935) 
Statue in der dem Hl. Wenzel geweihten Kapelle im Veits-Dom in Prag von Peter Parler (1330-1399) 
(Quelle: Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon)

 

Deutsch-Tschechisches Seminar

Tschechen und Deutsche in Südmähren 1918 – 1938 – 1945/46

27./28. September 2019

Südmährisches Museum – Haus der Kunst – Znaim

Jihomoravské muzeum – Dům umění – Znojmo

Masarykovo náměstí 11, CZ-66902 Znojmo

Schirmherrschaft: Der Hauptmann der Region Südmähren JUDr. Bohumil Šimek

Gemeinsam heilen

Erstes Wenzel-Seminar der Jungen und Mittleren Generation in Znaim

 

Als nachfolgende Generation im Land der Vorfahren mit den heutigen tschechischen Bewohnern Südmährens über die gemeinsame Geschichte zu sprechen, das sei ein über Jahre gehegter Plan gewesen – nun sei er endlich realisiert worden. Nicht nur Wolfgang Daberger von der Jungen und Mittleren Generation (JMG) Südmähren zog am Ende des ersten Wenzel-Seminars in Znaim ein berührendes Resümee. „Wir alle sind Verwunder und Heiler zugleich, möge uns gemeinsam die Heilung gelingen“, diesen Wunsch äußerte am Ende die tschechische Dolmetscherin Dr. Magdalena Havlová, die aus einer gemischten Familie stammt. Nach einer teilweise kontroversen Diskussion – eine deutsche Teilnehmerin verlangte Aufklärung darüber, wer sie und ihre Familie aus ihrem Haus vertrieben hat – äußerten Gäste aus der sudetendeutschen Erlebnisgeneration am Ende mit Tränen in den Augen Dankbarkeit für diese Veranstaltung.

Es war eher Zufall, dass ein Tag des Seminars auf den tschechischen Feiertag zu Ehren von St. Wenzel – den 28. September – fiel, doch im Zuge der Vorbereitungen waren sich die Organisatoren schnell einig, dass sich der böhmische Landespatron gut als Namensgeber und Identifikationsfigur für die Veranstaltung eignet. Die JMG hatte gemeinsam mit Partnern vor Ort, unter anderem Dr. Jiří Kacetl vom Südmährischen Museum in Znaim, österreichische und tschechische Historiker eingeladen, die über das Zusammenleben und die Spaltung der deutschen und tschechischen Bevölkerung in und um Znaim sprachen.

Niklas Perzi vom Zentrum für Migrationsforschung in St. Pölten etwa beschrieb, wie der Nationalismus die funktionierenden deutsch-tschechischen Gemeinschaften in den südmährischen Gemeinden Unter- und Oberradischen sowie Neuwelt zerstörte. Zbyněk Sturz aus Znaim stellte erste Ergebnisse seines Forschungsprojekts vor, in dem er die Ereignisse nach der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik in Znaim untersucht, als der neue Staat den Verwaltungsapparat in der mehrheitlich von deutschsprachigen Bewohnern bewohnten Stadt umbaute und die Machtverhältnisse sowie die ethnische Zusammensetzung Stück für Stück zu Gunsten der tschechischen Seite verschob. Ein Anliegen des Seminars war es, stets beide Seiten im Blick zu behalten. So wurde dann auch ein Buch vorgestellt, in dem tschechische Zeitzeugen über Repressalien berichten, die ihnen in der Zeit des Nationalsozialismus nach 1938 widerfahren waren.

Einen Schritt zu Realisierung des Seminars war die JMG mit Unterstützung aus Znaim schon im vergangenen Jahr gegangen: Im August 2018 war in der südmährischen Stadt die tschechische Übersetzung des vom Südmährerbund herausgegeben Buches Kreis Znaim Südmähren. Die Vertreibung der Deutschen aus der Heimat 1945-1946 vorgestellt worden. Die tschechischen Bürgermeister aus den Orten, deren ehemalige deutsche Bewohner Zeitzeugenberichte beigetragen hatten, erhielten neben einem Exemplar des Buches eine Einladung zu dieser Präsentation. Das Buch ist mit zwei weiteren über die Kreise Neubistritz und Nikolsburg das dritte mit Vertreibungsberichten, das in tschechischer Sprache existiert. Es ist in Tschechien inzwischen ein Bestseller geworden. Der Band über den vierten Heimatkreis Zlabings soll im August 2020 auf Tschechisch erscheinen. Das Interesse an solchen Publikationen ist ein Indiz dafür, dass eine Aufarbeitung der Vergangenheit in Tschechien im Gange ist. Historiker Kacetl gab jedoch zu bedenken, dass zwar diverse Bücher erschienen seien, der Dialog darüber jedoch noch anstehe. Das Wenzel-Seminar war ein – geglückter – Versuch. Freilich wird die Aufarbeitung noch Zeit in Anspruch nehmen, vermutete jedenfalls der Brünner Historiker Dr. Martin Markel, der dies „eine anstrengende Arbeit, die nicht enden wird“ nannte. Doch entschlossen verkündete er: „Wir hören nicht auf damit!“

Außer Vorträgen bot das Wenzel-Seminar Ausflüge, unter anderem in das niederösterreichische Laa an der Thaya, unmittelbar an der Grenze zu Tschechien. Im alten Rathaus gibt es seit 1986 ein Südmährisches Museum. Ein winziges und auf den ersten Blick unscheinbares Exponat – ein Tödlein – dokumentiert dort eine äußerst emotionale Geschichte: Die Großmutter eines Mädchens aus einer aus Südmähren vertriebenen Familie hatte den Miniatursarg aus weißem Porzellan zum Trost dafür geschenkt bekommen, dass ihr Kind gestorben war. Die Großmutter schenkte das Särglein ihrer Enkelin, die darin fortan ihren Schmuck aufbewahrte. Als die Vertreibung über die Familie hereinbrach und in kürzester Zeit entschieden werden musste, was auf dem Weg ins Ungewisse mitgenommen werden und was zurückbleiben sollte, packte das Mädchen just dieses Tödlein ein. Die Mutter wetterte, dass solch unnützer Kram nicht ins überlebensnotwendige Gepäck gehöre. Das Mädchen widersetzte sich, hütete das Erinnerungsstück wie seinen Augapfel und stellte es als Erwachsene dem Museum in Laa zur Verfügung. Leiterin Brigitta Appelt, die früher als Lehrerin arbeitete, berichtete von Zeitzeugenprojekten für Schüler, in denen unter anderem Vertriebene Rede und Antwort gestanden hatten und die bei Jugendlichen auf großes Interesse gestoßen waren. Womöglich für die Vertreter der Erlebnisgeneration ein Denkanstoß wider die Annahme, heutige Generationen würden sich nicht für ihr Schicksal interessieren.

Gerade in Tschechien scheint es die jüngere Generation zu sein, die sich den schwierigen Kapiteln der Vergangenheit widmet. Jaroslav Ostrčilík aus Brünn, einer der Initiatoren, des alljährlich stattfindenden Versöhnungsmarsches, erzählte von der großen Resonanz auf die seit 2007 von Studenten im kleinen Rahmen veranstaltete und seit 2015 von der Stadt offiziell unterstützte Gedenkveranstaltung, die an die vertriebenen Brünner erinnert. Inzwischen ist daraus das Festival Meeting Brno geworden, das außer der Vertreibung viele weitere historische und aktuelle Themen ins Gespräch bringt und, so Ostrčilík, das Zusammenleben in Brünn positiv präge, weil sich die Bewohner des schwierigen, aber auch bereichernden Erbes – zu dem unter anderem auch die jüdische Geschichte gehört – bewusst würden.

Ralf Pasch

Seminarbericht Wenzel-Seminar 2019

St.Wenzel-Seminar 2019 Flyer


Kulturpolitische Reise nach Znaim

25.09.2019 – 29.09.2019

mit deutsch-tschechischem Seminar in Znaim (27./28.09.2019)            

„Tschechen und Deutsche in Südmähren 1918 – 1938 – 1945/46“

 

Tagesfahrt nach Brünn

 

Südmährermuseum Laa

 

Ausstellung Museum Znaim

Ausschreibung deutsch – tschechisches Seminar: Kulturpolitische-Reise-2019-JMG


Kulturbericht der JMG Südmähren für 2018

Das deutsch-tschechische Verhältnis unter besonderer Berücksichtigung der historischen deutschen Minderheit, vom 16.02.-18.02.2018.

So fing für uns das Jahr an.

Unter anderem referierte Dr. Elke Krafka, Dr. Martin Zückert und Martin Dzingl zu diesem Thema. Die Beteiligung war gut.

Alle Themen sind in all den Jahren wichtig gewesen, um historisches und auch geschichtliches Wissen den Teilnehmern zu vermitteln.

Der Wunsch mit unseren tschechischen Landsleuten der Nachgeborenen Generation, in Kontakt und ins Gespräch zu kommen, wurde nie umgesetzt.

Somit gibt es im Jahr 2019 einen neuen Ansatz! Dazu später mehr.

 

Bundestreffen 29.07.2018 Oskar Sollan aus Poysbrunn, Niederösterreich, gab einen Einblick in seine Familiengeschichte.

Alle Vertriebenen haben ähnliche Schicksale. Wir die Nachgeborenen, sind mit einem „Makel“ aufgewachsen! In den unterschiedlichen Orten, Städten bzw. kleinen Gemeinden, war die Diskriminierung mal größer mal weniger spürbar. Somit war dieser Nachmittag für uns sehr bewegend, wenn auch manche Landsleute der Meinung waren, dass dies ja kein richtiger Beitrag war.

 

Kulturpolitische Reise der JMG vom 11.-17.08.2018

Südmährer-Kirtag, Heimattreffen der Znaimer in Unterretzbach am Heimatdenkmal, Wanderung über den Kuhberg nach Znaim, waren einige der Programmpunkte. Der Höhepunkt war sicherlich der Freitag, mit der Znaimer Messe und anschließend die Präsentation der tschechischen Übersetzung des Vertreibungsbuches, des HK-Znaim in der Beseda.

Der Dank, dass diese Präsentation in dieser Form möglich war, gilt Dr. Jiri Kacetl und seinem Verschönerungsverein.

Es war ein voller Erfolg, die Bücher fanden und finden noch immer reißenden Absatz. Es ist heute klar, diese Bücher sind längst überfällig gewesen, das Interesse in der heutigen Bevölkerung in Tschechien ist da.

Es ist hocherfreulich, dass danach der Kontakt nicht abriss, sondern wir weiterhin im Austausch geblieben sind.

 

 

Nun wollen wir vom 25.09.-29.09.2019 eine JMG-Reise mit dem Schwerpunkt eines Seminares in Znaim veranstalten.

Es gibt eine Zeitzeugen Broschüre von tschechischen Landsleuten, die von der JMG zur Übersetzung in Auftrag gegeben wird.

Somit haben wir die Zeitzeugenberichte unserer Landsleute und die Version der tschechischen Landsleute.

Mit Historikern aus Österreich, Tschechien und von unserer Seite Frau Dr. Elke Krafka, werden wir diese beiden Zeitzeugen Dokumentationen gegenüberstellen und erläutern.

Nur wer sich der Sichtweise Anderer stellt, kann sich damit auseinandersetzen.

Dr. Kacetl macht die Organisation und ist als Historiker des Südmährischen Landesmuseums in Znaim, der Fachmann vor Ort.

Er kennt die Bevölkerung, kann die Strömungen und Meinungen, die im Vorfeld vorhanden sind einschätzen.

So ein Seminar in Znaim ist eine gute Chance mit der heutigen Bevölkerung in Kontakt zu kommen, hätte man uns das vor einem Jahr prophezeit, dass dies möglich ist, wären wir wohl sehr skeptisch gewesen.

Da der Kontakt zur Stadtverwaltung nicht vorhanden war und nur durch eine Hand voll Privatpersonen, wir den Kontakt in den HK-Znaim pflegen konnten.

Es gilt bei solchen Veranstaltungen, Stellung zu beziehen! Nachzufragen und offen zu sein im 21-Jahrhundert. Aber Unrecht, egal wo, in welchem Land, von welchen Personen wann immer auch begangen, bleibt Unrecht!

Auf der großen Bühne der Politik hat man wenig erreicht!

So halten wir es mit Reinfried Vogler, der immer sagt im Kleinen, von der Basis aus kann man etwas erreichen.

 

Den Abschluss der Veranstaltungen hatten wir mit dem Kochen Südmährisch am 07.10.2018. Es gab Tafelspitz mit Apfelkren und zum Nachtisch selbstgemachten Apfelstrudel! Speisen die wir von unseren Eltern und Großeltern her kennen. Das Kochen, die Anekdoten, die man sich dabei erzählt, das Erinnern macht in jedem Jahr große Freude und eine gewisse Wehmut schwingt wohl immer mit.

In 2019 haben wir das Koche Südmährisch auf Morgen verlegt, Beginn 10:00! Wie immer beim Kochservice Schenzielorz.

Auf dem Kochzettel stehen: Znaimer Gurkensuppe und Schinkenfleckerln! Mit Original Geselchtem aus Österreich!

 

Was bleibt von so einem Jahr?

Einige neue Teilnehmer, die interessiert sind, wo niemand mehr da ist den man fragen kann.

Sie mit einzubeziehen, geschichtliches Wissen zu vermitteln, wie es zu der Vertreibung unserer Vorfahren kam, welche politischen Entscheidungen verantwortlich waren.

 

Was aber in Zukunft für unsere Volksgruppe wichtig sein wird: Gemeinschaft zu pflegen grenzübergreifend, Zusammenhalt zu zeigen, uns nicht in eine „Rechte Ecke“ drängen lassen. Da wo es nötig ist ganz klar Stellung zu beziehen. Aber auch offen zu bleiben, für unsere Nachbarn, der Nachgeborenen Generation auf der tschechischen Seite.

 

Zum guten Schluss:

Wir, „Die Junge und Mittlere Generation“, danken der Vorstandschaft des „Südmährerbundes“ für das entgegengebrachte Vertrauen und die Unterstützung.

Und allen Landsleuten die durch Ihre Teilnahme uns unterstützt haben.

Für die JMG Adelheid Bender-Klein

Kulturbericht JMG 2018 mit Bilder