Interessante Geschichten

Die gefundene Glocke von Gaiwitz
Eine Erzählung

 

In der Zeit, wo man noch die Schweine weidete, hat sich in Gaiwitz folgendes zugetragen. Die
Schweine weideten auf der Herrschaftsbreite, die den Namen „Tiergarten“ hatte. Ein Eber
wühlte in der Erde, was ja für Schweine nichts unüblich es ist. Er hatte eine starke Kette
ausgewühlt. Der Kette wurde nachgegraben und man grub eine große Glocke aus. Es wurde
nun beratschlagt, wohin mit der Glocke, da im Ort kein Turm war, wo man sie hätte aufhängen
können. Entweder nach Proßmeritz oder nach Cerotitz, weil dort Kirchen mit einem Turm
waren. Man entschied sich für Proßmeritz. Aber drei paar Ochsen waren nicht imstande das
Fuhrwerk mit der Glocke zu ziehen. Man entschied sich dann doch, die Glocke nach Cerotitz
zu bringen und siehe da, für ein paar Ochsen war es ein leichtes, die Glocke da hinüber zu
befördern.
Ob es diese Glocke war, die in unserer Pfarrkirche zu Cerotitz hing, und die wir bis nach
Gaiwitz mit ihrem tiefen schönen Klang hören konnten. Leider sind die Glocken der Pfarrkirche
Cerotitz, wie auch unsere beiden Gaiwitzer Glocken, in dem sinnlosen zweiten Weltkrieg als
Kanonenfutter verwendet worden.
Obetr. Gottfried Wimmer

 

Der Glöckelberg von Gaiwitz
Wer kennt den Glöckelbere va Gaiwitz ned.
Am Glöckelberg stand der Glockenstuhl mit einer Glocke. Diese Glocke läutete morgens schon
sehr bald zum Gebet, auch Mittags und am Abend und Freitags um drei Uhr das Sterben
unseres Herrn Jesus Christus, ebenso läutet diese Glocke für die verstorbenen, wenn sie auf
den Friedhof nach Scherotitz getragen wurden.
Als unsere neue Kirche am 6. Juli 1938 dem Hl. Bartholomäus geweiht wurde, war eine Woche
zuvor am 29. Juni 1938 die Glockenweihe von zwei neuen Glocken. Die Glocke vom
Glöckelberg kam zu den zwei neuen Glocken hinzu und somit gab es ein herrliches Geläute in
unserer kleinen Gemeinde. Der Glockenstuhl blieb stehen aber ohne Glocke, bis die neuen
tschechischen Bewohner der Gaiwitzer Gemeinde 1946 / 1946 ihn als Brennholz
verwendeten.
Es folgt nun ein Bericht dem man Glauben schenken kann.
Um das Jahr 1570 breitete sich in Mähren sehr der Protestanttismus aus. Die Katholiken
wurden verfolgt und auch vertrieben, sowie auch die Kirchen geplündert und zerstört. In
Gaiwitz stand eine Kapelle auf dem Glöckelberg, die dem Hl. Bartholomäus geweiht war. Dort
versammelten sich die Katholiken und hielten im geheimen ihre Gottesdienste ab. Eine Sekte
die Anapaptisten (Wiedertäufer) breiteten sich bei uns sehr aus. Ihr Vorsteher soll in der
Aumühle gewohnt haben. Anhänger dieser Sekte zerstörten die Kapelle in Gaiwitz, dagegen
brachten sie die Kirche in Scherotitz wieder in Ordnung und hielten dort ihre Gottesdienste ab.
Mit den Jahren wanderten diese Sektierer aus, oder sie kehrten wieder zum katholischen
Glauben zurück und so wurde unsere Gegend wieder katholisch. Wahrscheinlich nach vielen
Jahren, wurde an dieser Stelle der hölzerne Glockenstuhl mit der Glocke aufgestellt.
Meine Großeltern (Edelmann) – genannt der Kaspar Vetter hatte sein Haus gegenüber vom
Glöckelberg etwa 20 Meter weg stehen. Als kleiner Bub war ich viel bei meinen Großeltern.
Oft habe ich meinen Endl gefragt – Endl wo kommen den diese großen Steine her, die schon
alle mit Erde und Gras verwachsen waren. Er gab mir zur Antwort, do soll amol a Kapöln
gstondn sei, de hom de ondas Gleibign zastert. So hat es mir unser lieber guter Endl gesagt.
Dass etwas daran wahr ist, glaube ich heut noch.
Obetr. Gottfried Wimmer (Aufgeschr. Paul Karpischek, ergänzt von Gottfried Wimmer)

 

Prähistorischer Gräberfund in Gaiwitz
Ich war damals so 10 Jahre alt, es war 1921 oder 1922, da fand man bei Grabarbeiten ungefähr
50 m südwestlich vom Gutshof, menschliche Skelette. Der Verwalter wurde verständigt und
leitete den Fund weiter. Es kam ein Fachmann aus der Stadt mit einigen Mitarbeitern und
begannen die Gräber freizulegen und so wurden an die 20 Grabstellen freigelegt.
Man fand bei den Toten Tongefäße, Bronze-Ohrringe wie Spiralen, auch Bronzeschnallen. Die
Toten waren in Hockestellung begraben und hatten alle das Gesicht gegen Osten gewendet. Es
soll sich um Hocker-Gräber aus der Jung-Steinzeit handeln.Wie der Leiter dieses Grämiums
sagte, stammen die Gräber aus der Zeit 2000 Jahre vor Christi. Die Gräber wurden freigelegt
und fotografiert. Was weiter damit geschah, weiß ich nicht. Ich hörte nur, dass die
Grabbeigaben in das Museum nach Znaim gegeben wurden. Aus vielen Schulen der
Umgebung kamen die Lehrer mit ihren Schülern, um die Gräber zu besichtigen. Einige Jahre
später fand man ungefähr 400 m nordöstlich der ersten Fundstelle im Garten des Hauses Nr. 62
beim Ausgraben eines Kellerschachtes auch wieder Skelette von Menschen und ebenfalls
Tongefäße wie beim Gutshof. Diese Gefäße waren 30–40 cm hoch. Niemand erkannte den
historischen Wert der Tongefäße. Ein Sommerfrischler aus Znaim erbat sich diese Tongefäße
und nahm sie auch mit. Vielleicht wusste dieser, dass sie historischen Wert besaßen. Im Jahre
1936–1938 wurde in Gaiwitz eine Kirche gebaut. Es war an der Stelle, die wir im Volksmund
„Moata“ nannten. Ungefähr 800 m südöstlich von der Stelle, wo die ersten Gräber entdeckt
wurden. Auch hier wurden beim Graben Skelette von Menschen und Tongefäße gefunden,
genau so, wie bei den beiden vorhergegangenen Fällen. Als ich ein Bub war, erzählten uns die
alten Leute, dass da, wo jetzt Gaiwitz steht, einstmals eine Stadt gestanden haben soll. Ich
nehme aber eher an, dass da ein großer Friedhof war, weil man an so verschiedenen Stellen
menschliche Skelette entdeckte. Jedenfalls ist dadurch erwiesen, dass unsere Gegend schon vor
4000 Jahren besiedelt war.
Dies ist ein Beitrag aus Gaiwitz von Paul Karpischek