
| Feldsberg |
Ca. 800 Nach den Siegen Karls des Großen über die Awaren, einem aus dem Osten, in Mitteleuropa, eingefallenen Reiterstamm, wurden diese in einer Reihe von Feldzügen bis weit nach Ungarn abgedrängt. Fränkische und bayrische Siedler kolonisierten das Gebiet ,die Donau abwärts, bis nach Ungarn hinein. Zu ihrem Schutz wurde die awarische oder auch karolingesche Mark gegründet. In unserer Heimat sind allerdings die Awaren durch Funde nicht nachgewiesen. Die Awaren verschwanden aus der Geschichte, einige Jahrzehnte später brach der Stamm der Magyaren, ebenfalls aus Asien kommend, in Ungarn ein. 905 Schlacht bei Pressburg .Das schwer bewegliche Ritterheer der Bayer und Franken, ist den schnellen Heerhaufen der Ungarn nicht gewachsen und erleidet eine vernichtende Niederlage. Als Folge erweitern die Ungarn ihren Machtbereich bis an die Enns. Die karolingische Mark geht zugrunde. 955 Bei einem ihrer Raubzüge, werden die Ungarn, auf dem Lechfeld (in der Nähe von Augsburg) entscheidend besiegt und ihre Macht gebrochen. In langen, wechselvollen Kämpfen, wurde die Grenze immer Weiter nach Osten vorgeschoben und so um 1040 die March-Leithalinie erreicht .Das gewonnene Gebiet wurde, als Belohnung für die Heerfolge, an Adelig, Ritter u. auch Kirchenfürsten zu Lehen gegeben und rasch mit Kolonisten aus Bayern, Franken und Schwaben besiedelt. Das Gebiet erhielt im Norden (Wald-u. Mühlviertel) den Namen böhmische Mark, im Osten wurde die Neuerwerbung als ungarische Mark bezeichnet. Einfälle der slawischen Mährer wurden erfolgreich abgewehrt. 976 Luitpolt oder auch Leopold von Babenberg wird mit der Ostmark, nunmehr Sammelbegriff, belehnt und zugleich Markgraf. 996Erstmals wird in einer Urkunde der Name Ostarichi - Österreich erwähnt. 1050 Die Passauer Schenkung, angeblich eine Fälschung, mehr im politischen Sinn, denn geographisch stimmt sie mit den Begebenheiten überein. Der Vorbesitzer des Feldsberger Ländchens und der Gebiete südlich davon, ein Graf Richwin, verlor aus nicht ganz geklärten Gründen seinen Besitz. Angeblich war er in eine Verschwörung gegen den Kaiser verwickelt. Seine Nachfolger wurden die Bischöfe von Passau und Regensburg. In der Urkunde ist von einem Baumgartental und einer Straße nach Laventenburg (Herrenbaumgarten u. Lundenburg) die Rede. Das Gebiet um Falkenstein mit Garschönthal war, wohl wegen der Wichtigen Burg, Königsgut. 1156 Der Babenberger Heinrich II (Jasomirgott) wird erster Herzog von Österreich.(Privilegium Minus) 1192 Der Bischof von Passau, Wolfger, tauscht Feldsberg ,gegen ein Gut Gnas (niemand konnte dieses bis jetzt lokalisieren) an Wichard von Seefeld, dieser nennt sich etwas später, Truchseß von Feldsberg. (Dapiferi de Veldesperc) Der Tauschvertrag wird 1193 auf dem Reichstag zu Regensburg bestätigt. D i e s i s t d i e e r s t e N e n n u n g v o n F e l d s b e r g . ( c a s t r u m V e l d e s p e r c ) Diesen Namen dürften bayrische Siedler aus ihrer Heimat, Feldsberg, einem Dorf bei Passau mitgebracht haben. Bemerkenswert ist vielleicht noch, die Seefelder erwarben nur Ort und Burg Feldsberg, die umliegenden Dörfer blieben bischöflich. 1227 Minnesänger Ulrich von Liechtenstein besucht, anläßlich seiner Venusfahrt, Feldsberg. Damals gibt es dort eine feste Burg und eine Kirche. Nun noch eine Kostprobe aus seiner Dichtung - Frauendienst. Freitag 21.mai 1. die naht was ich ze Mistelbach des andern tages reit ich von dan mit mir vil manic biderbe man. 2. zwei-hundert ritter oder mer mit mir den ritten muotes her was vil maneger, der da reit, si waren ritterlich gekleit. ich was ouch hohes moutes rich die straz zogt ich vil ritterlich, diu gegen Velsperc da gie, da mich der Wirt vil wol enphie. 3. Er war genant her Cadold von Velsperc, was man im holt u.s.w. Das geht noch 50 Strophen in der Originalsprache so weiter. Mir reichen schon die zwei. 1243 Ein Pfarrer von Feldsberg bezeugt eine Urkunde bei Herzog Friedrich II 1249 Die Liechtensteiner erhalten von Premysel Ottokar II, Nikolsburg als Lehen. 1251 König Ottokar II erwirbt auf ziemlich fragwürdige Art Österreich. 1269 Erste Nennung von Garschönthal (Garsental) in einem Stiftungsbrief an das Kloster Minnebach, heute Imbach im Kremstal. 1270 Der letzte männliche Seefelder stirbt, seine 6 Töchter: Alheit, Agnes,Gisela, Tuta u .Dietmund sind die Erben. Feldsberg wird in Sechstel geteilt. Als Erben - Schwiegersöhne, scheinen Kuenringer, Potendorfer, Rauhensteiner u. noch einige Geschlechter als Teilbesitzer auf. 1278 Schlacht auf dem Marchfeld ,Freitag 28.8. - König Rudolf von Habsburg siegt gegen König Ottokar von Böhmen, dieser verliert auch sein Leben. Heinrich IV v. Kuenring geleitet den Sieger Rudolf, auf seine Burg Feldsberg. Das Heer verfolgt die flüchtenden Böhmen. 1286 Heinrich IV .auch der Eiserne genannt, gründet das Minoritenkloster in Eeldsberg. 1312 Otto von Feldsberg bezeugt als Stadtrichter eine Urkunde. Zeugnisse über die Stadterhebung sind verschollen. 1391 Johann I.v.Liechtenstein erwirbt durch Kauf von den Potendorfern 4/6 der Burg und Stadt Feldsberg, den Rest bringt seine dritte Gemahlin als Mitgift in die Ehe. Johann I. wurde auch, der gewaltige Hofmeister genannt. 1394 Johann I. fällt beim Herzog in Ungnade und verliert den größten Teil seiner Besitzungen. Es verbleiben ihm: Mistelbach, Ulrichskirchen, Feldsberg, Rabensburg u. Ringelsdorf. 1396 In Feldsberg urkunden der Rat der Stadt Feldsberg, sowie ein Pfarrer Thomas. 1410 bis 1440 Die Husittenkriege, Feldsberg wird mehrmals ausgeplündert und niedergebrannt. 1414 Das Liechtensteinsche Urbar, gibt erstmals Auskunft über die besitz- u. sozialen Verhältnisse. Namen und Dienste (Steuerpflicht) in Geld und Naturalien der Bewohner, Inhaber der Lehen Hofstätten u.s.w. Es ist in deutscher Sprache geschrieben. 1453 Teilungsvertrag innerhalb des Hauses Liechtenstein, Nikolsburger u. Feldsberger Linie. 1463 bis 1471 In den Kriegen zwischen Ungarn u. Böhmen war unsere Schauplatz unsagbarer Greuel. In der Umgebung von Feldsberg wurden die Dörfer: Alach, Geltschein, Potendorf und Königsbrunn zerstört und verödeten. 1463 bis 1487 Wiederaufbau des von den Husitten zerstörten Minoritenklosters. 1526 Böhmen und Mähren fallen an das Haus Habsburg. 1529 Von einer türkischen Streifschar, wird das vor der Stadtmauer gelegene Minoriten-Franziskanerkloster zerstört. 1541 Infolge der Reformation verläßt der letzte Franziskaner das notdürftig instandgesetzte Kloster, es verfällt zur Gänze. 1544 Kirchenvisitation in Feldsberg, die katholische Kirche und die Pfarre sind in desolatem Zustand, die Liechtensteiner sind evangelisch. 1570 Gründung des Dorfes Bischofswarth, vor den Türken geflüchtete Kroaten werden angesiedelt. 1600 Karl v.Liechtenstein kehrt zum alten Glauben zurück, der letzte evangelische Pfarrer verläßt die Stadt. Die Bevölkerung wird im Zuge der Gegenreformation wieder Katholisch. 1605 Über Anregung Karl I. (als erster Liechtensteiner-Fürst) kommen aus Italien die ersten Barmherzigen Brüder nach Feldsberg und übernehmen dort ein kleines, schon bestehendes Spital. Daraus wurde das erste Kloster dieses Ordens in Mitteleuropa. 1618 bis 1648 Im 30jährigen Krieg morden, ,plündern u. brennen Truppen aus fast ganz Europa in unserer Heimat. 1631 bis 1671 Mit Hilfe, oder durch die Liechtensteiner, Bau der barrocken Pfarrkirche in Feldsberg. 1662 Beginn des Ausbaues des Klosters und Krankenhauses der Barmherzigen Brüder. 1671 Bau der Klosterkirche abgeschlossen. 1712 Wiederaufbau von Kloster u. Franziskaner Kirche abgeschlossen. 1742 Österreichischer Erbfolgekrieg, die Preußen in Feldsberg. 1760 Umbau der alten Burg Feldsberg, zum Schloß, in der heutigen Form abgeschlossen. 1775 Für Robot werden feste, einschränkende Grenzen festgelegt. 1781 Durch Kaiser Josef II. wird die Leibeigenschaft aufgehoben. 1803 Das Franziskanerkloster wird aufgehoben, die Kirche abgerissen. 1805 Napoleonischen Kriege, die Franzosen in Feldsberg. 1841 Die Stadttore u. Türme werden abgetragen, die Stadtmauer bis zur Hälfte reduziert. 1848 Fürst Metternich macht auf seiner Flucht aus Wien, auf Schloß Feldsberg Station, reist aber nach Protesten der Bürger und des Stadtrates bald weiter. 1848 Das Jahr der Bauernbefreiung, Naturalrobot und Zehent werden aufgehoben. 1850 Bezirksgericht und Steueramt in Feldsberg. 1866 Die Preußen in Feldsberg, in ihrem Gefolge die Cholera. 1872 Die Eisenbahnlinie Lundenburg - Znaim eröffnet. 1873 Gründung der Acker-Obst- u. Weinbauschule, in den Gebäuden des ehemaligen Franziskanerklosters. 1882 Das neuerbaute Rathaus wird eingeweiht. 1885 Der Volkskindergarten in der Samstagstadt wird eingerichtet. 1892 Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder erhält einen neuen modernen Spitalstrakt. 1901 Die neue städtische Wasserleitung ist fertiggestellt. Das Wasser wird über natürliches Gefälle aus dem Gemeindegebiet von Drasenhofen 6-7 Kilometer weit geleitet. Die Hintertalen Wasserleitung aus dem 16.Jahrhundert und die von der Reisten, erbaut um 1612, entsprachen nicht mehr den hygienischen Anforderungen. 1901 Kaiser Franz Josefs Kinderasyl im Dezember eingeweihtes bot Platz für 200 Waisen. Ab 1920 Kinderheim der Stadt Brünn, ab 1938 eine Wehrmachts Kaserne. 1901 Im Zuge der modernen Wasserversorgung, wurden auch die Kanalisation und als Abfluß der Stadtgraben zum Steindammteich errichtet. Durch den tiefen Graben konnten auch die Schwemmfelder, früher sumpfiges Gelände entwässert und so fruchtbares Ackerland gewonnen werden. 1908 Liechtensteinisches Jubiläumskrankenhaus (Frauenspital)von Weihbischof Dr.Gottfried Marschall eingereiht. 1912 Städtisches Schwimm- und Wannenbad eröffnet. 1915 Städtisches E-werk und Straßenbeleuchtung in Betrieb. Mitte der 30ger Jahre wurde Feldsberg an das Netz der westmährischen Elektrizitätsgesellschaft angeschlossen. 1914 bis 1918 Erster Weltkrieg. Fast 100 Gefallene u. Vermißte. 1919 Friede von St.Germain, Feldsberg und vier weitere Gemeinden werden von Niederösterreich abgetrennt und zur CSR geschlagen. 1920 Feldsberg wird am 1.8. von den Tschechen besetzt. Ein Trauertag für die enttäuschten Bewohner. Bis 1938 erhöhte sich der Anteil der tschechischen Bewohner von 2% auf zirka 20%. 1935 bis 1938 Ausbau einer Befestigungslinie, Bunker, Panzersperren und Stacheldraht, auf der tschechischen Seite der Grenze. Es werden, bei diesen Arbeiten, nur Tschechen beschäftigt. 1938 Münchener Abkommen - Hitler und die Westmächte einigen sich über die Abtrennung der deutschsprachigen Gebiete der CSR an Deutschland. Der drohende Krieg konnte so vorerst vermieden werden. Am 6.10.marschierten deutsche Truppen in Feldsberg ein. 1939 September - Ausbruch des 2. Weltkrieges. 1945 April - Mai, Einmarsch der siegreichen Russen. Die Tschechen nehmen Feldsberg wieder in Besitz. Die sogenannten wilden Austreibungen über die nahe Grenze nach Osterreich nehmen ihren Anfang. 1946 Frühling - Der planmäßige Abtransport der Deutschen, nach dem Westen beginnt. Reisegepäck, 30 Kilo, doch auch davon wird an der Grenze noch beschlagnahmt. 1947 bis 1948 aus der russischen Zone, die meisten der Vertriebenen haben sich dort niedergelassen, werden die südmährischen Zuwanderer, im heimischen Sprachgebrauch Flüchtlinge, nach Westdeutschland deportiert. Das heißt, in 3 Jahren zweimal vertrieben, das Gepäck wurde immer leichter. Damit hört praktisch die Geschichte unserer Heimatstadt auf, sie wurde aufgelöst in tausende Einzelschicksale. Drüben in Valtice breitete man erst den Mantel des Schweigens über die Geschehnisse der Jahre nach 1945. Dann drehte und wendete man die geschichtlichen Tatsachen solange, bis sie halbwegs der damals geltenden Weltanschauung entsprachen. Neuerdings ist man draufgekommen, mit der Geschichte, die die unsere ist, kann man auch Geld verdienen, so ist man eben dabei, diese gewinnträchtig auszuschlachten. Noch ein Nachtrag, zur Geschichte der Stadt. Es kann, aus Gründen der Übersicht nicht jeder Heerhaufen, jede Streifschar oder jede Räuberbande, die Stadt und Umland malträtierte, einzeln aufgeführt, oder angeführt werden. Ebenso können Seuchen, die häufigen Brandkatastrophen, Hungersnöte und andere Heimsuchungen nicht angeführt werden. Die Geschichte an der Grenze ist eine endlose Kette von Brand, mord, Raub u. Vergewaltigung, auf der einen Seite, auf der Gegenseite immer wieder ein neuer Anfang, Aufbau und Neubesiedelung. Durch diese harten Bedingungen entstand ein harter, arbeitsamer, ruhiger Menschenschlag, der 1945 in alle Winde zerstreut wurde. Aber auch in der Fremde haben diese Menschen ihre Qualitäten bewiesen und sich wieder empor gearbeitet. F e l d s b e r g : Schreibweise im Lauf von 800 Jahren 1192 Veldesperch oder Veldesperc 1227 Valsperc 1259 Veltsperch - Veltsperk - Veltsperi - Velsperch 1571 Veltpucr - Feldspurc - Felsburg Mundart - Föschpuach - Föschberch Judendeutsch - Felsborg tschechisch - Valtice - Valcica - Vavcice - Vauvcice Zusammengestellt anl. der 800 Jahrfeier Richard Mandl, Wien
Richard Mandl |