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Start Heimat Ortsnamen Bedeutende Kroaten
Bedeutende Kroaten
Südmährer

Bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Südmähren auch eine seit dem 16. Jahrhundert ansässige kleine kroatische Volksgruppe. In den drei Ortschaften Fröllersdorf, Guttenfeld und NeuPrerau hielt sich diese südslawische Minderheit, bis auch sie von den Tschechen ebenso vertrieben wurde wie die deutsche Mehrheit Südmährens. Tschechisch hießen diese Dörfer Frelichov, Dobre pole und Novy Prerov, die Kroaten nennen sie Frielistof, Dobro Polie und Nova Prerova. In der Heimatliteratur über Südmähren werden sie nur sporadisch erwähnt, aber es gibt über sie ein reiches kroatisches Schrifttum und nach 1918 auch verschiedene tschechische Beiträge. Die Volksgruppen und Minderheitenforschung hat sich mit diesen südmährischen Kroaten im Rahmen der Kroatensiedlung im Burgenland befasst, wo sich kroatische Dörfer bis heute hielten, während die in den angrenzenden Gebieten Niederösterreichs und der Südwestslowakei angesiedelten Kroaten ebenso assimiliert wurden wie die meisten Kroaten Südmährens mit Ausnahme der drei erwähnten Dörfer.

Wir haben Arbeiten von Historikern und Volkskundlern über diese Kroaten, von Statistikern und Philologen, von Kulturgeographen und politischen Publizisten. Als ein Standardwerk kann das Buch „Die Kroatensiedlung im Burgenland und den anschließenden Gebieten" (Wien 1970) von Josef Breu bezeichnet werden, das auf Breus in Wien 1937 erstellter Dissertation „Die Kroatensiedlung im südostdeutschen Grenzraum" fußt (1).

Schon 1734 gibt der ungarische Historiker J. Szegedi in Tyrnau eine erste Darstellung dieser Kroatensiedlung (2), denen andere Werke über Brauchtum und Lebensweise in verschiedenen topographischen Werken folgen. Da das Burgenland bis zum Ende des Ersten Weltkrieges nicht zu Österreich, sondern zum Reich der Stephanskrone gehörte, erfolgen diese Beschreibungen immer im Rahmen des damaligen Westungarn (3). Im 19. Jahrhundert berichten Autoren wie G. Wolny (4), F. X. J. Schweickhardt (5) und A. W. Sembera (6) über die Kroaten in der Herrschaft Dürnholz, auf dem Marchfeld und in Niederösterreich. In der „Ethnographie der österreichischen Monarchie" von K. Czoernig (7) finden wir auch Material über die Kroaten bei Preßburg. Die Ansiedlung dieser Kroaten erfolgte im 16. Jahrhundert, als die Türken mit der Eroberung Belgrads (1521), Bosniens (1526), Slawoniens und schließlich des größten Teils Ungarns nach der Schlacht bei Mohacs (1526) eine wahre Völkerwanderung über die Mur auslösten.

Zur Frage der Herkunft dieses vertriebenen, geflüchteten oder ausgewanderten Kroaten ist die Verteilung der kroatischen Dialekte in der alten und neuen Heimat herangezogen worden. Alle drei Hauptmundarten des Serbokroatischen sind nördlich der Mur in dem neuen Siedlungsgebiet feststellbar: Kajkavisch, Cakavisch und Stokavisch, wobei die mährischen Kroaten sicher aus dem Gebiet um Slunj kommen, also aus der Krajina, die seit 1991 wieder von den Serben besetzt war.

Die Ansiedlung

Die kroatische Ansiedlung im Bürgenland, Niederösterreich und Mähren erfolgte in Form von Stammsiedlungen und Tochtersiedlungen, wobei es in beiden Fällen Neugründungen auf unbewohnten Plätzen gab sowie Wiederbesiedlungen von abgekommenen, durch Krieg oder Pest verschwundenen Ortschaften. Es kam aber auch zu Einsiedlungen in bereits bestehende deutsche Ortschaften. Im Falle Südmährens unterscheidet die Literatur zwischen dem Feldsberger Gebiet, das zu Niederösterreich gehörte und erst 1920 zu Mähren geschlagen wurde, und dem eigentlichen Südmähren. Im Feldsberger Gebiet wurden bei Themenau „Krabat Dörffer" geschaffen; Oberthemenau (Charvatskä Nova Ves) hieß damals auch Oberkrabaten bzw. Oberkrabatendorf und Unterthemenau (Pogtorna) Unterkrabaten(dorf). Bischofswarth (Hlohovec) ist eine kroatische Neugründung vom Jahre 1570 auf dem Gelände einer Wüstung.

Im Gebiet der Herrschaft Dürnholz wurde das stark verödete Fröllersdorf um das Jahr 1538 erstmals neu mit Kroaten besiedelt, die auch die Flurnamen prägten. Um 1570 folgten Neuprerau, Guttenfeld und Guldenfurt (Kolenfurt), Brod nad Dyii). Auch Weißstätten (Pasohlavky) in der Herrschaft Wostitz und Grusbach (Hrusovany) hatten kroatische Siedler, ebenso Eisgrub und südwestlich von Gaya die Gemeinde Howoran. Außer diesen (teilweise) kroatischen Siedlungen belegen zahlreiche Flur und Geländenamen die alte kroatische Diaspora: Krawatendörfl (Charwatska Vesnäa), Kroatenfeld, Kroatenäcker, Ober und UnterKroatengebirg und andere Beispiele nennt Breu, dazu zahlreiche typisch kroatische Familiennamen (8).

Assimilation

Nach dem Ende der Einwanderung und Zuwanderung von Kroaten durch das Aufhören der Türkengefahr setzte in allen Gebieten nördlich der Mur ein Verlust des kroatischen Volkstums ein, das germanisiert, aber auch tschechisiert und slowakisiert wurde (im Burgenland auch magyarisiert). Im 19. Jahrhundert gab es im Feldsberger Gebiet zwischen Feldsberg und Eisgrub noch Kroaten, aber auch noch im übrigen Niederösterreich.

In den Dörfern Fröllersdorf, Guttenfeld und Neuprerau hatten die Kroaten bis 1880 noch die Mehrheit, die sie in Guttenfeld 1890, in Neuprerau 1900 und in Fröllersdorf 1910 verloren. Die österreichischen Behörden hatten bis zum Ende der Donaumonarchie die Umgangssprache als Kriterium bei den Volkszählungen gebraucht, die Erste Tschechoslowakische Republik fragte dagegen dagegen nach der Nationalität, der man sich angehörig fühlte.

Die Sprachenzählung 1910 und die Nationalitätenzählung 1930 ergaben dieses Bild:

1910 gesamt kroatisch tschechoslowakisch deutsch
Fröllersdorf 1023 420 36 567
Guttenfeld 700 101 26 573
Neuprerau 829 161 72 596
1930 gesamt kroatisch tschechoslowakisch deutsch
Fröllersdorf 1268 888 178 202
Guttenfeld 718 323 220 175
Neuprerau 880 571 154 155

Wie schwierig die genauen Zahlenangaben sind, beweist die Tatsache, dass nach 1920 die Wahlergebnisse in diesen drei Dörfern zeigen, dass die Kroaten im deutschen Lager standen. Dazu kommt, dass im 19. Jahrhundert oft nur vom „slawischen Idiom" geschrieben wird. Gregor Wolny schreibt 1858 in seiner „Kirchlichen Topographie von Mähren" über Fröllersdorf: „885 Katholiken (kroatischer Abstammung) slavisch. und teutsch. Zunge; etwa 145 schulfähige Kinder" (9). Von der „LocalCooperatur zu NeuPrerau" heißt es: „533 Katholiken slawisch. und teutsch. Zunge, ebenfalls kroatischer Abkunft" und von der „LokalCuratie Guttenfeld" ähnlich: „642 Katholiken kroatisch. Abkunft, slawisch. u. teutsch. Sprache; bei 115 schulfäh. Kinder" (10). Als tschechische Namen der drei Ortschaften gibt Wolny für die damalige Zeit „Frlesdorf, Prerovy novy, Gutenfeld" an. Werfen wir noch einen Blick auf die Schematismen der Diözese Brünn: 1904 heißt es bei allen drei Pfarrstellen über die Predigtsprache: „Ling. utr. (Croati)“, also beide Sprachen (Kroaten)(11). 1918 gibt der Schematismus an (12): Fröllersdorfensis: Lingua croatica, germanica, bohemica (814 Croati). Guttenfeldensis: Lingua cratica, germanica, bohemica (450 Croati). Novo-Prerovensis: Lingua triplex: croat., bohem., germ. (604 Croati). Für 1926 werden diese Zahlen genannt (13): Frelichovensis 543 Guttenfeldensis 239 (anno 1921) Novo-Prerovensis 229 croati. 1938, also vor dem Münchner Abkommen, lesen wir im damaligen Brünner Diözesanschematismus (14): Frelichov 932 Croati Dobre Pole 323 Croati (anno 1930) Novy Prerov 564 Croati Dabei ist auffällig, dass auch der lateinische Schematismus 1926 und noch mehr der von 1938 die tschechischen Namen wählt. Die im 19. Jahrhundert in Fröllersdorf tätigen tschechischen Priester benutzten Gebetbücher der Burgenländer Kroaten. Interessant ist die bereits erwähnte Tatsache, dass bei den Wahlen 1920 die tschechischen Parteien in den drei Dörfern nur 236 Stimmen erhielten, die deutschen Parteien aber 1246 Stimmen, was bedeutet, dass die dortigen Kroaten die deutsche Sache vertraten. Bei der Errichtung des Kriegerdenkmals 1928 in Fröllersdorf zeigte sich ebenfalls, dass Deutsche und Kroaten zusammenhielten. Immer, wenn die Prager Regierung die Sprachenalternative deutsch oder tschechisch stellte, entschieden sich die slawischen Kroaten für die deutsche Sprache. 1934 wurde die offizielle 350Jahrfeier der Ansiedlung begangen und ein Denkmal enthüllt. Im Sinn der Kleinen Entente nahmen damals auch jugoslawische Vertreter an den Feiern teil und erschien ein tschechischer „Almanach Moravskych Charvatü" (15). Die Kroaten hatten aber auch nach 1918 unter tschechischer Herrschaft keine kroatischen Schulen, sondern nur solche mit tschechischer oder deutscher Unterrichtssprache. 1938 kamen die südmährischen Kroaten an Deutschland, das eine totale Germanisierung einleitete. Die wehrfähigen Männer dienten in der Wehrmacht und starben auf allen Kriegsschauplätzen. Durch „ethnische Säuberungen" lösten die Tschechen nach dem Zeiten Weltkrieg ihre kroatische Frage. Während die Sudetendeutschen nach Österreich und Deutschland vertrieben wurden, siedelte man die Kroaten in zwei Etappen 1946 und 1948 vor allem nach Nordmähren um. Nur einige wenige Kroaten, die tschechische Ehepartner hatten, durften in ihrer Heimat bleiben, die übrigen wurden wie im 16. Jahrhundert nun ein zweites Mal vertrieben. Zwar versuchten die Kroaten, an die slawische Brüderschaft der Tschechen zu appellieren und sogar Fröllersdorf nach Tito umzubenennen, doch vergebens. Nach dem Bruch Stalins mit Tito wurden sogar die letzten noch verbliebenen Kroaten umgesiedelt. An ihre Stelle kamen Neuansiedler, vor allem Slowaken aus Bulgarien und Jugoslawien sowie Tschechen aus Böhmen und Mähren. Eine Geschichte von über 350 Jahren war damit ausgelöscht. Erst nach der Wende 1989 konnte darüber auch in Mähren offen geschrieben werden. 1991 wurde das Kriegerdenkmal in Fröllersdorf wieder hergerichtet und den Toten beider Weltkriege gewidmet. Die seit 1946 zerstreuten Kroaten hielten Heimattreffen und Kirchtage ab und begannen, sich zu organisieren. So wissen wir, dass die meisten der heute Umgesiedelten in Römerstadt, Sternberg und Zwittau leben. Auch ihnen wird aber die Rückkehr in ihre alten Häuser bis heute verwehrt. 1993 erschien erstmals eine kleines Mitteilungsblatt des Verbandes der Bürger kroatischer Nationalität in der Tschechischen Republik. „Was die Deutschen in 400 Jahren nicht schafften, erreichten die tschechischen Kommunisten in fünf Jahren", schreibt E. Slunsky darin, „nämlich die kroatische Minderheit zu liquidieren". In der kroatischen Hauptstadt Zagreb ist 1994 ein 375 Seiten umfassendes Werk erschienen, in dem Dragutin Pavlicevic unter dem Titel „Moravski Hrvati" (Die mährischen Kroaten) das Schicksal dieser kleinen Volksgruppe behandelt. In Brünn hatte sich bereits 1991 der Ethnoäloge Richard Jebek mit dem Schicksal der mährischen Kroaten befasst (16). Bekannt waren die mährischen Kroaten vor der Vertreibung für ihre malerische Tracht, die sie noch aus der alten Heimat mitgebracht hatten und ebenso bewahrten wie ihre Cakavische Mundart. Sie trägt Züge der Sprache, wie sie im 16. Jahrhundert zwischen Kupa und der Adria gesprochen wurde. Einige Italianismen deuten darauf hin, dass ein Teil der Aussiedler nahe dem Meer lebte. Die Männer trugen im Winter Lammfellmäntel mit roten und blauen Hosen. Ein Hut mit Feder war für die Männer ebenso charakteristisch wie die „Maschen" am Kragen, die an Krawatten erinnern. Unser Wort Krawatte kommt ja von „Krawat, Kroate, und war ursprünglich das gewöhnlich rote Halstuch der kroatischen Uniformen. In der Tracht der Frauen fielen die weiten Röcke auf, die ebenso charakteristisch waren wie die Vortücher mit den bunt verzierten Schürzen. Die weiten Ärmel waren ebenfalls bunt bestickt und verziert. Der Wiener Maler Othmar Ruz cka (19191945) hat die Trachten in zahlreichen Ölgemälden mit Dorfszenen dargestellt und auch Bilder der drei Dörfer hinterlassen. Der gebürtige mährische Kroate Josef Lawitschka hat sie in seiner privaten Galerie in Wien in der Gartenschaugasse 20 gesammelt. Einige drucken wir mit diesem Beitrag ab. In der Erinnerung vieler Südmährer sind auch „die sauberen und schönen Häuser, die wie Blumen bunt verziert sind und von Zeitgenossen als wahre Arabesken bezeichnet wurden". Leider bestehen heute nur noch zwei solcher Häuser in Fröllersdorf. Die übrigen sind verschwunden wie die alten Volksbräuche bei Hochzeiten und Totenfeiern, Prozessionen und anderen kirchlichen Gebräuchen. Das gilt auch von den Volksliedern, Volkstänzen und Spielen, die heute nur noch als dokumentiertes Archivmaterial existieren. Wie viele Südmährer waren auch die mährischen Kroaten „ausgezeichnete Weinbauern und noch bessere Kellermeister". Die meisten Keller existieren noch heute, tief in die sandige Erde eingegraben. Es wurden Gerste, Hafer, Weizen und Kartoffeln angebaut, auch Linsen, für welche die Kroaten geradezu bekannt waren. Die Produkte wurden in Nikolsburg auf dem Markt verkauft, aber auch in Brünn und Wien. Auch die Zucht von Gänsen und Enten bot Gelegenheit zum Lebensunterhalt, wie auch der Fischfang in der Thaya. Noch mehr als bei den deutschen Südmährern wird das Andenken an die mährischen Kroaten bald nur in Urkunden und Büchern, zum Teil in Familiennamen und auf Friedhöfen erhalten bleiben.

Anmerkungen

  • Josef Breu, Die Kroatensiedlung im Burgenland und den anschließenden Gebieten. Mit 32 Abbildungen und 17 Karten. Wien 1970.
  • J. Szegedi, Rubricae sive synopses titulorum, capitum et articulorum universi iuris Ungariae. Tyrnavia 1734.
  • Z. B.: M. Bel, Notitia Hungariae novae historica. Vienna 17351742. S. Bredetzky, Beyträge zur Topographie des Königreichs Ungarn. Bd. 4. Wien 1805. J. Csaplovics, TopographischStatistisches Archiv des Königreiches Ungarn. Band z. Wien 1821.
  • Gregor Wolny, Die Markgrafschaft Mähren, topographisch, statistisch und historisch geschildert.
  • Band 2, Brünn 1836.
  • F. X. J. Schweickhardt, Das Marchfeld, Wien 1842.
  • A. W. Sembera, O Slowanech w Dolnich Rakousich (Über die Slawen in Niederösterreich). In:Casopis ceskeho musea. lg. 18 (1844), S. 536549; 19 (1845) S. 163189, 346357.
  • K. Czoernig, Ethnographie der Österreichischen Monarchie. 3 Bände. Wien 18551857.
  • Breu gibt dazu Beispiele anhand der Literatur und des Kartenmaterials.
  • Gregor Wolny, Kirchliche Topographie von Mähren meist nach Urkunden und Handschriften. II.Abteilung. Brünner Diöcese. II. Band. Brünn 1858. S. 66.
  • Ebd. S. 84.
  • Catalogus Cleri dioecesis Brunensis 1904.
  • Catalogus Cleri 1918.
  • Ebd.1926.
  • Ebd. 1938. Im Generalvikariat Nikolsburg, das nach dem Anschluß Südmährens an das Deutsche Reich geschaffen wurde, erschien ein „Kirchlicher Handweiser für Südmähren 1940. Pfarrund Personalstand des ostmärkischen Teiles der Diözese Brünn°. Er erwähnt die Kroaten nicht mehr.
  • Kroatischer Untertitel: Na Pametovanje 350 Ljetoga Jubileja Doseljena Hrvata u lu nu Moravu.
  • Richard Jeräbek, Moravsti Charv ti. Dejiny a lidova kultura. Brno 1991.

Wallfahrt nach Mara Dreieichen

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Seit dem Konkordat zwischen der österreichischen Monarchie und dem Heiligen Stuhl im Jahre 1855, sind die Fröllersdorfer zur Wallfahrt nach Maria Dreieichen gepilgert. Jedes Jahr am Freitag vor Pfingsten hatte der Herr Pfarrer und die übrige Dorfgemeinschaft von Fröllersdorf die Wallfahrer außerhalb des Dorfes auf einer großen Wiese mit einer Feldmesse verabschiedet. Man war vier Tage zu Fuß unterwegs und hatte Decken , Kleider, Essen, Trinken und eine Kopie der „Dreieichener Pieta" mit vier Pferdewagen mitgeführt. Die Pferd und die Wagen hatten die großen Bauern zu Verfügung gestellt. Der Vorbeter nahm Abkürzungen über die Feldwege, gebetet und gesungen wurde in Deutsch und Kroatisch. Die erste Nacht hatte man in einem Gasthaussaal auf Stroh übernachtet. Am zweiten Tag kam man am Abend in Maria Dreieichen an, übernachtet wurde auf der„ Hoad „ ( Wiese ) unter freiem Himmel nicht weit von der Basilika. In der Früh hat man sich beim Bründel mit kalten Wasser gewaschen. Dann wurde die Pieta mit Blumen und Papiermaschen geschmückt und von vier Männern in der Kroatischen Tracht und sechs Mädchen in der Tracht, die auf beiden Seiten die herunter hängenden Papiermaschen hielten in einer Prozession mit den Kirchenfahnen und dem Kreuz singend in die Basilika getragen. Nach der Heiligen Messe wurden bei den Standlern Heiligenbilder und Rosenkränze für die daheim Gebliebenen gekauft, die der Hw. Herr Pfarrer von MD. nachmittags beim Heiligen Segen segnete. An schließend trat man den Heimweg an. Auf dem Heimweg übernachtete man noch einmal in einen Gasthaussaal. Und am Montag Nachmittag kam man wieder in Fröllersdorf an. Bevor man das Dorf erreichte hatten sich die Wallfahrer die geweihten Bilder und Rosenkränze um den Hals gehängt. Auf dem Kirchturm hat ein Mann auf die Ankunft der Wallfahrer gewartet und als er sie sah, fing er mit den Kirchenglocken zu läuten an. Dann kam der Herr Pfarrer von Fröllersdorf mit dem Allerheiligsten und den Ministranten und der ganzen Dorfbevölkerung zur Begrüßung auf die große Wiese wo man sich verabschiedet hatte. Es war immer ein herzlicher Empfang. Die Zuhause gebliebenen begrüßten die Wallfahrer mit den Worten: „ Grüß dich von Maria Dreieichen!" Die Wallfahrer antworteten: „Der Herrgott gib dir einen Anteil von Maria Dreieichen" .Anschließend gingen alle mit dem Herrn Pfarrer an der Spitze unter Glockengeläut in die Kirche, wo die Pieta wieder auf ihrem Platz bis zum nächste Jahr kam. Mit einer kurzen Andacht wurde die Wallfahrt beendet.

Die letzte Fröllersdorfer Wallfahrt fand im Jahre 1939 statt.

Während des Krieges und während der Zeit des kommunistischen Regimes in der Heimat, gab es keine Möglichkeit mit der „Dreieichen Pieta" von Fröllersdorf nach Maria Dreieichen zu pilgern. Durch die Auswirkungen der „Benesch Dekrete" wurde auch die ganze Dorfgemeinschaft im Jahre 1948 vertrieben bzw. in anderen Ortschaften angesiedelt.

Nach 63 Jahren, genau am B. Juni 2002, wurde es wieder möglich, dass eine Wallfahrt mit der Pieta von Fröllersdorf nach Maria Dreieichen durchgeführt werden konnte. Mit vier Autobussen sind Fröllersdorfer Kroaten aus Mähren, aus der Slowakei, aus Teben und Burgenländische Kroaten aus Wien angereist.

Der Wallfahrtspfarrer von Maria Dreieichen, Pfarrer Dechant P. Robert Bösner, sagte bei seiner Begrüßung unter anderem: „ Es ist heute ein historischer Moment, dass Sie nach einer 63 Jährigen Unterbrechung als die Nachfahren ihrer Eltern und Großeltern, die in denn Orten um Frölllersdorf gewohnt haben , wieder hierher pilgern und ihre Jugend aufleben lassen.
Vieles hat sich für Sie geändert, Gebe Fröllersdorfer , aber eines blieb gleich: die Tragstatue der Wallfahrer aus ihrer Heimat, der Pfarrkirche Frölllersdorf, Sie begleitet Sie heute genauso wie damals ihre Vorfahren, die nach Maria Dreieiche gezogen sind.

Manch ältere Bewohnern dieses Ortes sind noch die Kroatenwallfahrt, die jährliche Wallfahrt ihrer Vorfahren aus Frölllersdorf und Umgebung in Erinnerung . Das farbenprächtige Bild der kroatischen Wallfahrer hat sich ihnen eingeprägt und auch, das sie auf der Wiese vor der Kirche unter freiem Himmel übernachtet haben und so beeindruckend gesungen haben. Es gibt im Pfarrhof M.D. auch ein altes Bild , das eine kroatische Wallfahrergruppe vor einer Kirche darstellt. Ich möchte auch alle Ihre offiziellen Gäste und Verantwortlichen bei der schmerzhaften Mutter willkommen heißen.

Bevor ich das Wort an Herrn Lawitschka übergebe , möchte ich aber von seinen Eifer bei den Vorbereitungen sprechen , der ihn zum geistigen Vater dieser Erinnerungswallfahrt gemacht hat. Und ich glaube Sie sind ihm alle dankbar, dass er sich dafür eingesetzt hat, bis hin zum Denkmalamt in Prag ,das die Genehmigung gab, dass die denkmalgeschützte Wallfahrtsstatue aus der Kirche von Fröllersdorf problemlos über die Grenze gebracht werden konnte. Der Herr Pfarrer J'if i Palla hat dafür viel Verständnis aufgebracht und es ist schön. dass er die Mühe auf sich genommen hat, hierher zukommen.

Eine Folklore Darbietung am Nachmittag in den tratitionellen Trachten am Parkplatz vor der Kirche rundete den schönen Tag ab. Es ist nicht sicher, ob es nochmals zu einer Fröllersdorfer Wallfahrt kommen wird.

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