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Wappen von Grusbach
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Marktgemeinde, Ortszentrum 192m MH, 2339 ha Fläche, 713 Hausnummern, Volkszählung 1930: 2945 Einwohner. Gemeindeflur grenzt an Österreich. Erste urkundliche Erwähnung 1131. Verleihung des Marktrechtes und eines Wappens 1495. Uraltes Siedlungsgebiet. 4000 Jahre alte Hockergräber, 1925 entdeckt: 1887 fand man ein germanisches Skelettgrab aus dem 5. Jh. n. Ch. Grabbeigaben: 1 schwerer gold. Armreif, 2 kupferne Fußspiralen und Tongefäße. Die Fundstücke befinden sich im Naturhist. Museum in Wien. Häufiger Besitzerwechsel von Ort .und "Herrschaft" Grusbach. Gr. war selbst Jahrhunderte hindurch Sitz der "Herrschaft". Dazu gehörten zeit oder teilweise auch Nachbardörfer.
Im 30jährigen Krieg haben Grusbach und seine Einwohner schwer gelitten. Mehrere der kleinen Orte und Weiler in nächster Umgebung gingen damals unter.
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Feuerwehr, erbaut 1893,
Zu dieser Form umgebaut 1932 |
1668 begründete Adolph II. v. Althan eine Grusbacher Seitenlinie dieses Joslowitzer Grafengeschlechtes. 1669 ließ er Schloß Grusbach auf einer Anhöhe in der Ortsmitte erbauen (60 m lang, in Hufeisenform). Dazu kamen Stallungen, Kellerei, Nutz und Verwaltungsgebäude und eine großartige Park und Gartenanlage. 1929 kaufte der Orden der St. Hedwigsschwestern das Schloß und richtete dort ein Kinderheim ein. Graf Michael Anton v. Althan ließ 1758 die Pfarrkirche zum Hl.Stephan erbauen. Sein Wappen befindet sich auf der Orgelverkleidung. Das Patronat über Kirche und Schule lag bei der Gutsherrschaft. Letzter Patronatsherr war Dr. Graf Carl KhuenLützow. 1794 ging der Besitz der Herrschaft Gr. an die Gräfin v. Hardegg, geb. Althan, über. 184'j heiratete Gräfin Anna v.Hardegg (Comtess "Nanni") ihren vorherigen Reitburschen Karl Kammel. Dieser brachte die marode Landwirtschaft auf Vordermann, erwarb im Laufe der Jahre Gutshöfe und Schlösser dazu und gründete Zuckerfabriken (Grusbach 1851), Ziegeleien usw. Wegen seiner Verdienste um die Modernisierung der Landwirtschaft und der Förderung der allgem. wirtschaftl. Entwicklung, nicht nur in Grusbach, verlieh ihm Kaiser Franz Josef I. zum Namen Karnmel das Erbprädikat "Edler von Hardegger". Einer seiner Söhne, Dr. Dominik Kammel, errichtete 1885 die "Schiasstatt Grusbach". Diese erreichte später durch die jährlichen Schützenveranstaltungen, zu denen Abordnungen aus der ganzen Donaumonarchie kamen, Berühmtheit.
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| Ansichtskarte zur Zeit der Schützenveranstaltungen |
Schießstatt errichtet zirka 1885 Dominik Kammel, Edler von Hardegger. Letzte Veranstaltung dort 1914. Später wurde das Hauptgebäude als Turnerheim genutzt.
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Am Hauptplatz. Im Hintergrund das Schloss,
die Kirche und links davon der “Schüttkasten”
(Fruchtlager). Im Vordergrund die “Dreifaltigkeit”,
daneben die Brückenwaage |
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Die Dampfmühle Griehsler.
Foto von Mitte der 30er Jahre |
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Zuckerfabrik, eröffnet 1851, erbaut durch Karl
Kammel, Edler von Hardegger.
Ab 1970 gibt es eine neue Zuckerfabrik |
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Schloss Grusbach, erbaut 1669 unter dem Grafen
Michael Adolph von Althan. Früher Sitz der Herrschaft.
Ab 1929 dem St. Hedwigsorden gehörend,
der dort ein Kinderheim eingerichtet hat |
Der 1. Weltkrieg setzte diesen Festen ein Ende. 1870 wurde der Bahnhof Grusbach-Schönau eröffnet. Hier kreuzten sich die Bahnlinien Wien-Brünn und ZnaimNikolsburg. Im frühen 18. Jahrhundert wurden von den Althans 7 versch. steinerne Statuen im Ortsbereich errichtet sowie 1711 am Hauptplatz die "Dreifaltigkeit". In den Sockeln der Standbilder befindet sich das Wappen derer v. Althan. Durch die Märkte ( 4 Jahrm., Wochenmärkte, hauptsächl. Ferkelmärkte), leistungsfähige, vielfältige Handwerks , Gewerbe und Dienstleistungsbetriebe (Arzt, Tierarzt, Apotheke, Sparkassen, Kino, Post, Gendarmeriestaion, ab 1939 Standesamt, Landw. Lagerhaus, Dampfmühle, Ziegeleien), die Bürgerschule (1912) und die Zuckerfabrik war Grusbach auch Anziehungspunkt für die Nachbargemeinden. Durch die Gutsbetriebe und die wiederholte Erbteilung gab es in Grusbach keine Großbauern. Es wurde Mischwirtschaft betrieben: Getreide, Hackfrüchte (u. a. Zuckerrüben), Hülsenfrüchte, Gemüse, Gurken, Obst, Milchwirtschaft und Weinbau. Gr. hatte ein vielfältiges und reges Vereinsleben aufzuweisen. Es gab mehr als ein Dutzend Vereinigungen und Vereine. Politisch war die Bevölkerung vielseitig engagiert. Dazu zwei Beispiele. Die Gemeindewahl 1923 zeigte folgendes Bild: 41 % für die Sozialdem., 33,7 % Landwirtschaftl.Partei, 9,1 % Fixangestellte, 8,3 % Deutsche Gewerbepartei und 7,9 % für die Tschech. Liste. Die letzte Kommunalwahl in der 1. Republik brachte folgendes Ergebnis: 71,8 % Sudetend. Partei, 20,3 % Tschech. Liste, 4,2 % Kommunisten, 3,5 % Sozialdemokraten. Dieses letzte Wahlergebnis war mit Sicherheit in erster Linie durch die zunehmende politische und wirtschaftliche Benachteiligung der deutschen Bevölkerung gefördert worden. Zu diesem Schluß kommt man nach dem Studium der handgeschriebenen Ortschronik. Grusbach war ein typisches Beispiel für eine aktive Tschechisierungspolitik. 1910 gab es 178 tschech. Einwohner im Ort (6,9 %), 1921 schon 300 (11,3 %) und 1930 bereits 652 (22,1 %). Bei Bahn, Post, Zoll, Gendarmerie, Staatsgütern und landw. Siedlerstellen und in der Zuckerfabrik wurden nach der Republikgründung zunehmend Arbeitsplätze für Tschechen geschaffen. Dazu kamen dann Lehrer, Kindergärtnerinnen und einige Geschäftsleute. Die landwirtschaftl. Arbeitsplätze wurden in erster Linie durch die ab 1925 durchgeführte "Bodenreform" ermöglicht. Dabei verlor die "Herrschaft" rund 80 % ihres Ackerlandes und zirka 40% ihres Waldbesitzes. Deutsche Grundstücksbewerber wurden nicht berücksichtigt. Ungefähr die Hälfte der Tschechen verließ 1938, kurz vor dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht die Gemeinde. Kein tschechischer Siedler verlor Besitz, Wohnrecht oder Freiheit. Im DEHIOKunstführer von 1941 wurden als sehenswert aufgeführt: Kirche, der Bau selbst und die wesentlichen Teile seiner Innenausstattung, das Schloß und die steinernen Statuen sowie alte Grabmale neben dem Kircheneingang.
Nach der 1945/46 erfolgten Vertreibung der Deutschen war die Einwohnerzahl naturgemäß strak abgesunken. Trotzdem entwickelte sich im Laufe der Zeit eine bemerkenswerte Bautätigkeit. Zum Beipsiel: Neubau einer modernen Zuckerfabrik, Feuerwehrdepot, Leichenhalle, Gesundheitszentrum, Vervielfachung der Lagerhauskapazitäten, Supermarkt und verschiedene kleinere Geschäftshäuser, Wohnblöcke, Reihenhäuser und auch Einzelwohnhäuser, Wasserturm, Kanal- und Wassernetz, zahlreiche Garagen. Neben vielen Abrissen von Bausubstanz erfolgten auch Modernisierungen und Vergrößerungen alter Wohnungen durch Ausbau von ehemaligen Wirtschaftsräumen. Während Kirche, Pfarrhaus und Friedhof instandgehalten sind, wurde das Schloss inzwischen weitgehend baufällig. Im Jahr 2001 hat es die Stadtverwaltung aufgekauft und es soll renoviert werden.
Zum 1. Februar 1996 erfolgte die Stadterhebung von Grusbach. Zu dieser Zeit zählte man 3350 Einwohner.
Bericht vom Mai 2002, Verfasser Josef Wolf, Altortsbetreuer
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